FC Aarau
Genug gewurstelt: Wo bleibt die Transferbombe, Herr Ponte?

Seit Monaten warten die Fans und die Mannschaft auf den versprochenen Spielmacher. Aarau-Sportchef Raimondo Ponte ist nach dem Fehlstart mehr denn je gefordert. Sein Job steht auf dem Spiel.

Sebastian Wendel
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FC-Aarau-Sportchef Raimondo Ponte fehlt ein Zehner.

FC-Aarau-Sportchef Raimondo Ponte fehlt ein Zehner.

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Die Probleme beim FC Aarau sind tiefgründiger als das planlos zusammengestellte Kader. Und doch: Kurzfristig könnte in der neuerlichen Krise ein gewichtiger Transfer helfen. Könnte die blutleere FCA-Mannschaft wieder zum Leben erwecken. Könnte gegen aussen ein Signal von Stärke sein.

Seit Wochen kündigt Sportchef Raimondo Ponte diese «Transferbombe» an. Doch was passiert? Statt den dringend benötigten Spielmacher mit Erfahrung, Führungsqualitäten, Kreativität und Torgefährlichkeit präsentiert der FC Aarau vergangene Woche den unbekannten Brasilianer Paulinho (22). Der war während der Vorbereitung lange im Probetraining, verlor dann den Stichentscheid gegen Arxhend Cani - und wurde nach dessen Knieverletzung nun doch verpflichtet. Mit einem Vertrag nur bis Ende Jahr.

Die Bilder vom blamablen 1:2 gegen Echallens:

Die Enttäuschung ist riesig.
11 Bilder
Mats Hammerich kann es nicht fassen.
Lars Hunn muss sich erst mal setzen.
Bildergalerie, Echallens - Aarau, 13.8.17
Der FC Aarau verliert mit 1:2.
Der Platz liegt vor malerischer Kulisse.
Michael Siegfried im Zweikampf.
Damir Mehidic wird zu Fall gebracht.
Das Interesse am Spiel ist gross.
Fussball in der Provinz – die Mannschaften laufen aufs Feld.
Petar Misic springt mit vollem Einsatz.

Die Enttäuschung ist riesig.

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Nicht nur die Fans fühlen sich verschaukelt, auch in der Mannschaft sorgt dieser Transfer nur noch für Kopfschütteln, ist er doch sinnbildlich für das Gewurstel: Hätte man für diese paar Monate nicht einen Spieler von der U21 hochziehen können statt einen drittklassigen Brasilianer, der sich erst im neuen Umfeld zurechtfinden muss, kostet und viel administrativen Aufwand bedeutet? Noch unverständlicher macht den Transfer die Tatsache, dass Paulinho ein weiterer eher defensiver Mittelfeldspieler ist, von denen der FCA mit Burki, Hammerich, Jäckle, Perrier, Siegfried weiss Gott mehr als genug hat.

Was fehlt, ist ein Zehner. Und dies nicht erst seit gestern. Seit der Ankündigung des Romand-Duos Geoffrey Tréand und Sébastien Wüthrich im April (!), den FC Aarau verlassen zu wollen, hatte Sportchef Ponte Zeit, Ersatz auf der Zehnerposition zu besorgen. Passiert ist nichts. Vergangene Woche hat Ponte zum wiederholten Male angekündigt, dass der Neue bald auf der Matte stehe.

Nur: Je länger je mehr stellt man sich die Frage: Will denn überhaupt noch ein Topspieler aufs Brügglifeld wechseln? Der Fehlstart in die Saison und das miserable Bild, das der Klub in der Öffentlichkeit abgibt, schrecken ab. Der FC Aarau ist in der Fussballschweiz leider zur Lachnummer geworden – auch wenn dies die Verantwortlichen nicht wahrhaben wollen.

Kommt dazu: Es ist Mitte August, die Saison läuft seit einem Monat. Vertragslose Spielmacher, die den hohen Ansprüchen gerecht werden, sind nicht in Sicht.

Nach der Entlassung von Marco Schällibaum und dem gewonnenen Machtkampf konnte Sportchef Raimondo Ponte wie gewünscht in Alleinregie das Kader zusammenstellen. Doch abgesehen von Goalie Steven Deana hat bisher keiner der Neuen den Eindruck erweckt, als könne er den Karren aus dem Dreck ziehen. Fakt ist: Die Verpflichtung eines Spielmachers ist Pontes letzter Pfeil im Köcher. Der muss ins Schwarze treffen. Wenn nicht, hat er seinen Job nicht erfüllt. Ganz einfach.

Das sagten Spieler Olivier Jäckle und Trainer Marinko Jurendic nach dem Spiel gegen Echallens: