Hurra, Hurra, der neue Investor des FC Wohlen ist da! Aber wie heisst er? Woher kommt er? Was arbeitet er? Ist er tatsächlich so reich, wie man hört?

Und warum, um Gottes willen, will er auf einen Schlag einen Betrag in sechs- oder gar siebenstelliger Höhe in einen Klub in der Fussballprovinz der Schweiz investieren?

Wir müssen es zugeben: Wir wissen nicht, wie der Mann heisst. Was wir wissen: Am Dienstag, 31. Mai, findet im Stadion Niedermatten die Generalversammlung der Aktiengesellschaft des FC Wohlen statt.

Und am letzten Tag des Wonnemonats spielt sich beim Challenge-Ligisten aus dem Freiamt aller Voraussicht nach Historisches ab. Am 31. Mai 2016 werden die Aktionäre wohl definitiv entscheiden, das Schicksal des FC Wohlen in fremde Hände zu legen.

Gemäss Aussagen eines Insiders des FC Wohlen ist der Investor ein Saudi-Araber mit Wohnsitz in Dubai. Er soll eine Firma in Genf haben und mit einer Dänin verheiratet sein.

Das Ehepaar sei in der Fussball-Szene bekannt, ja es soll sogar einen Bezug zum französischen Grossklub Paris Saint-Germain haben.

Viel wichtiger aber ist die Tatsache, dass der neue Geldgeber vor gut einer Woche einen Betrag zwischen 500 000 und einer Million Franken auf ein Konto einer Bank in Wohlen einbezahlt hat. Damit hat er die Aktienmehrheit übernommen.

Wie man hört, werden in einer Woche sowohl der neue Investor als auch seine Frau Mitglieder des neuen, fünfköpfigen Verwaltungsrats.

Präsident des Verwaltungsrats bleibt Lucien Tschachtli. Mit dabei im VR dürfte auch Hanspeter Weisshaupt sein. Er ist Verwaltungsratspräsident des FCW-Hauptsponsors ibw Wohlen.

Das Anbandeln mit dem millionenschweren Mäzen wirft Fragen auf: Haben die früheren Grossaktionäre des FC Wohlen mit dem Verkauf ihrer Anteile die Seele des FC Wohlen verkauft?

Verkauft an einen bis dato Unbekannten, der vor kurzer Zeit wohl nicht einmal gewusst hat, wo Wohlen überhaupt liegt?

Wie reagieren die Fans und Sponsoren, wenn dieser regional stark verankerte Verein plötzlich von einem Aussenstehenden dirigiert wird?

Und: Was beabsichtigt der Fremde mit seinem Engagement beim FC Wohlen? Geht es ihm nur um Macht oder um das Wohl des Klubs?

Das Umfeld ist skeptisch

Im Umfeld des FC Wohlen wird die neueste Entwicklung mit Skepsis betrachtet.

Kritiker sollten allerdings eines nicht vergessen: Ohne eine nachhaltige Lösung im Bereich Finanzen wären die FCW-Verantwortlichen spätestens nach der Saison 2016/17 gezwungen, den Profibetrieb in der aktuellen Form einzustellen.

Das Budget von rund 2 Millionen Franken für die erste Mannschaft ist langfristig ganz einfach nicht mehr zu stemmen.

112 Jahre nach der Gründung und 14 Jahre nach dem Aufstieg von der 1. Liga in die zweithöchste Spielklasse steht der FC Wohlen also vor einem Umbruch.

Und vielleicht kommt es tatsächlich so, wie das «St. Galler Tagblatt» in einem Artikel über den FC Wil am 20. Mai schrieb: «Das Aufstiegsrennen in der Challenge League wird für die Wiler in der Saison 2016/17 alles andere als einfach. Servette, Xamax, Aarau und neu sogar der FC Wohlen sprechen von Aufstiegsambitionen.»

Und einen Klub darf man nicht ausser Acht lassen. Vielleicht zählt am Mittwoch auch der FC Zürich zu den Aufstiegskandidaten – als neues und äusserst prominentes Mitglied der Challenge League.