Er ist stolz. Stolz, ein Suhrer zu sein. Und er will hier beim HSC Suhr Aarau unbedingt seine Spuren hinterlassen. Die Rede ist von Dragan Marjanac. Der gebürtige Serbe ist der neue HSC-Torhüter – und das zeigt er gerne. Zum Fototermin erscheint der 33-Jährige in modisch zerrissenen Jeans-Shorts und – unaufgefordert – im roten Polo-Shirt seines neuen Klubs. Damit verkörpert er die Formulierung des ersten Abschnitts des HSC-Leitbildes in Perfektion: «Ich bin leidenschaftlich. Ich zeige mein Engagement und stehe zum HSC Suhr Aarau», heisst es da. Genau das macht Marjanac ohne Wenn und Aber.

Erst seit etwas mehr als zwei Monaten ist er in Suhr zu Hause. Schon jetzt mit ganzem Herzen. Nicht nur aus sporttechnischer Sicht, sondern auch, weil er seither einer der über 10'000 Einwohner der Gemeinde ist. Zusammen mit Ehefrau Tanja, Sohn Lazar und Malteser-Hündin Masa ist er am 1. Juni von Bern nach Suhr umgezogen. Mit gutem Grund: Schliesslich hat Marjanac im vergangenen Winter beim HSC Suhr Aarau einen Fünfjahresvertrag unterschrieben.

Dragan Marjanac ist für den HSC ein Glücksfall: Seit Jahren ist er einer der besten Torhüter der Liga.

  

Ein Topshot auf der Goalie-Position

Solch langfristige Verträge sind im Schweizer Handball eher unüblich, zumal für einen 33-Jährigen. Doch Marjanac ist für den HSC ein Glücksfall: Seit Jahren ist er einer der besten Torhüter der Liga. Er identifiziert sich voll und ganz mit seinem Arbeitgeber. Das zeigt sich nicht nur am selbstverständlichen Auftreten im Klub-Polo-Shirt, sondern auch darin, dass er dem BSV Bern Muri trotz Angeboten aus der Bundesliga während sieben Jahren treu geblieben ist. «Jetzt war es an der Zeit für eine Luftveränderung. Ich brauchte eine neue Herausforderung», begründet Marjanac seinen Wechsel. Beim HSC trainiert er ausserdem den Torhüternachwuchs.

Sein eigener Nachwuchs macht gerade die ersten Erfahrungen mit dem Handball. Der vierjährige Lazar trainiert bei der U7 des HSC. Kein Wunder, zieht es ihn auch schon auf die Platte: Der Vater erfolgreicher Handballtorhüter, Mutter Tanja Topskorerin des Erstliga-Teams Handball Emmen. Trotzdem: «Er soll machen, was ihm Spass macht, wir drängen ihn zu nichts», sagt Marjanac.

Dragan Marjanac, Torhüter des HSC Suhr Aarau, sagt: «Wir fühlen uns sehr wohl hier in Suhr.»

   

Ideale Lage der Wohnung

Die kleine Familie hat sich in Suhr schon gut eingelebt. Dank den täglichen Spaziergängen mit Hündin Masa kennen sie die Umgebung bereits bestens. «Wir fühlen uns sehr wohl hier», sagt Marjanac. Sie wohnen in der früheren Wohnung von Mihailo Radovanvoic, der den HSC im vergangenen Winter verlassen hat. «Das ist eine ideale Lage.» 200 Meter beträgt sein Arbeitsweg zur HSC-Trainingshalle Hofstattmatten. Und auch der Kindergarten ist ganz in der Nähe. Das ist für den 190 Zentimeter grossen und 92 Kilogramm schweren Hünen als Familienmensch sehr wichtig. Kommende Woche steht der erste Kindergartentag von Lazar auf dem Programm. Ein neuer Abschnitt im Leben des Vierjährigen beginnt.

Und weil dem so ist, planen die Marjanacs auch ihre ganz persönliche Zukunft langfristig in Suhr. «Lazar ist in der Schweiz geboren. Er soll hier zur Schule gehen und eine gute Ausbildung machen.» Eine Rückkehr in die Heimat nach Serbien ist auch für die Zeit nach Ablauf des Vertrags beim HSC im Sommer 2023 nicht geplant. «Wenn wir können, dann bleiben wir sicher hier in der Schweiz», sagt Marjanac.

Dragan Marjanac ist nach Martin Prachar der zweitälteste Akteur im Kader des HSC: «Das ist für mich etwas Neues. Bisher war ich noch nie in der Top 3 der Ältesten.»

    

«Ich habe noch viel zu zeigen»

Nach Martin Prachar ist Marjanac der zweitälteste Akteur im Kader des HSC. «Das ist für mich etwas Neues. Bisher war ich noch nie in der Top 3 der Ältesten», sagt er dazu und lacht herzlich. Klar, dass er mit seiner Erfahrung dem jungen Team (Durchschnittsalter: 23,3 Jahre) helfen kann und soll. Auch auf der Platte fühlt er sich bereit, seiner neuen Mannschaft eine grosse Hilfe zu sein: «Ich habe noch viel zu zeigen. Ich habe immer noch Potenzial zur Steigerung und der HSC ist der perfekte Verein, um das zu zeigen.»

Zusammen mit dem gut achteinhalb Jahre jüngeren Dario Ferrante bildet er in der in drei Wochen beginnenden Saison das HSC-Torhüterduo. «Wir harmonieren bereits gut und unterstützen uns gegenseitig. Die starke Konkurrenz macht uns noch besser.»

Marjanac ist ein Sport-Freak. In seiner Freizeit verfolgt er von Wasserball über Tennis und Basketball bis hin zu Fussball praktisch alles, was irgendwo im TV übertragen wird. Aber es gibt – neben der Familie – auch noch etwas anderes als Sport in Marjanacs Leben: die Vergangenheit. Er hat eine Vorliebe für Geschichts-Sachbücher. «Mich fasziniert, wie es dazu gekommen ist, dass etwas heute so ist, wie es ist.»

Dragan Marjanac ist überzeugt: «Der HSC und ich; das wird eine geile Geschichte.»

    

Wer weiss: Vielleicht erfüllt sich Marjanacs Wunsch und er kann seinem Sohn dereinst ein Geschichtsbuch schenken, in dem seine Zeit beim HSC Suhr Aarau eine grosse Rolle spielt. Er selber ist sich dessen jetzt schon sicher: «Der HSC und ich; das wird eine geile Geschichte.»