Als sich die Schweizer Frauen-Nationalmannschaft zum letzten Mal für Playoffs, damals für die EM-Endrunde, qualifiziert, wird George W. Bush gerade für weitere vier Jahre zum Präsidenten der USA gewählt, Griechenland wird Fussball-Europameister und der amerikanische Student Mark Zuckerberg gründet eine Internetplattform namens «Facebook». Damals, im Jahr 2004, war Daphne Gautschi vier Jahre alt.

Heute ist Gautschi 18 und fester Bestandteil des Nationalteams. Am Wochenende wird ihr Zutun mitentscheidend dafür sein, ob sich die Schweiz nach Jahren des Wartens wieder für die Playoffs eines grossen Turniers qualifiziert, diesmal für die Weltmeisterschaft.

«Es muss einfach klappen»

«Wir arbeiten hart daran und wollen das unbedingt», sagt die Aargauerin. «Es muss einfach klappen.» Die Nationalteams von Litauen, Färöern und Finnland wollen das verhindern. Das sind die Gegner, mit denen es die Schweiz am Freitag, Samstag und Sonntag am Qualifikationsturnier in Siggenthal zu tun bekommt.

Und gleich im ersten Spiel wartet der vermeintlich stärkste Gegner – Litauen. Dem Team aus dem Baltikum gelang in der letzten EM-Qualifikation ein Unentschieden gegen die Topnation Deutschland. Keine leichte Aufgabe für Gautschi und ihr Team: «Färöer und Finnland sollten schlagbar sein. Gegen Litauen wird es schwer. Es ist gut, dass wir gleich am Anfang auf sie treffen. Dann haben sie uns noch nicht spielen sehen», sagt sie.

Grossen Druck verspürt Gautschi wegen des vorgezogenen Entscheidungsspiels nicht: «Klar ist das ein wichtiges Spiel, aber es ist auch wichtig, dass wir die anderen zwei Spiele gewinnen.» Denn auch der beste Gruppenzweite – insgesamt sind es vier Gruppen – qualifiziert sich für die Playoffs. Bei Punktgleichheit zählt das Torverhältnis. Dafür ist Gautschi zuständig. Sie ist in der Nati im linken Rückraum gesetzt und soll möglichst viele Tore werfen.

Mit 18 schon Teamstütze

Zwar ist sie nicht mehr die Jüngste im Team, sie bekommt aber von den jüngeren Spielerinnen am meisten Einsatzzeit. Bisher hat sie in der Schweizer A-Nationalmannschaft 16 Spiele absolviert und fast 50 Tore geworfen. Vor einigen Monaten wurde sie zur Leistungsträgerin erkoren. «Es ist natürlich ein gewisser Druck da», sagt Gautschi über ihre tragende Rolle. «Vom Alter her bin ich noch unerfahren. So ist es einerseits sehr schön für mich, bereits als Leistungsträgerin angesehen zu werden. Andererseits werde ich bei Fehlern wohl schneller nervös.»

Dabei hat Gautschi international schon mehr Erfahrung als einige ihrer älteren Mitspielerinnen in der Nati. Sie ist eine von fünf Spielerinnen im Kader, die im Ausland engagiert sind. Sie spielt beim französischen Meister Metz Handball und kam dort auch schon in der Champions League zum Einsatz.

Mit 17 wagte sie den Wechsel nach Frankreich. «Das war eine harte Zeit», blickt sie zurück. «Man spricht eine andere Sprache, es ist eine andere Kultur und ich vermisste meine Familie. Mit der Sprache und der Kultur komme ich mittlerweile gut klar, aber ich sehne mich natürlich immer noch nach meiner Familie und meinen Freunden.»

Die Chance, Historisches zu vollbringen

Umso mehr, sagt Gautschi, freue sie sich jedes Mal, wenn ein Aufgebot für die Nationalmannschaft kommt: «Es ist für mich noch nicht selbstverständlich, dass ich trotz meines Alters jedes Mal aufgeboten werde. Und es ist immer schön, wieder zurückzukommen. Ich treffe Leute aus meinem privaten Umfeld und kann wieder meine Muttersprache sprechen.»

Familie und Freunde von Gautschi zieht es am Wochenende nach Siggenthal. Denn in der GoEasy-Arena könnten Daphne und ihr Team Historisches vollbringen.