Schwingerfreunde der restlichen vier Teilverbände Nordostschweiz, Innerschweiz, Bern und Südwestschweiz staunen immer wieder über die Bestenliste der Nordwestschweiz. Jeder Schwinger kann an einem Kranzfest in jedem Gang mit einem Sieg oder einem «Gestellten» Punkte sammeln, gewichtet nach Qualität des Gegners («Eidgenosse», Kranzer oder Nichtkranzer). Damit ist garantiert, dass die «Bösen» auch auf dieser Liste zuvorderst stehen.

Bestenliste gab den Ausschlag

Die Jahresklassierung dient an den Schwingfesten für die Nummerierung der Schwinger. Dadurch können auch Laien via Anzeigetafeln sofort feststellen, auf welchem Platz Spitzenpaarungen laufen. Auf besonderes Interesse stösst die Bestenliste in Jahren mit einem Eidgenössischen Schwingfest. Wohl betonen die Verbandsverantwortlichen, dass das Schwingerranking lediglich ein Hilfsmittel für die Selektion sei. Aber in diesem Jahr entschied der Nordwestschweizer Vorstand mit den kantonalen Technischen Leitern, ohne Änderung die ersten 29 Schwinger auf der Bestenliste für das «Eidgenössische» in Burgdorf zu selektionieren. In früheren Jahren hatte man jeweils Anpassungen vorgenommen und beispielsweise junge Talente berücksichtigt.

Geheimhaltung sorgt für leichte Unruhen

Erstaunlicherweise ordnete der Verband darauf eine Geheimhaltung der Bestenliste bis zum Saisonhöhepunkt im Emmental an. Dies sorgte für etwelche Verwirrung. «Was wird hier verheimlicht?», fragten sich viele. Der Technische Leiter, Stefan Strebel, erklärte, dass man jegliche Diskussionen verhindern und damit die qualifizierten Schwinger schützen wolle.

Schwingklub Lenzburg unzufrieden

Die grösste Unzufriedenheit löste die Selektion beim Schwingklub Lenzburg aus. Nick Alpiger begeisterte nebst seinem ersten Kranzgewinn in Basel auch an anderen Festen, blieb aber wegen eines mässigen Resultates am «Nordwestschweizerischen» in der Bestenliste auf Rang 34 hängen. Entgegen dem Aargauer Antrag entschied das Selektionsgremium, das 17-jährige Talent nur als ersten Ersatz zu nominieren. Obwohl beispielsweise der Baselbieter Michael Henzer im Vorfeld das Training aussetzen musste, war Alpiger in der Emmental-Arena schliesslich nur Zuschauer.

Verband bereut Selektion nicht

Ansonsten stiess die Selektion kaum auf Kritik. Einige umstrittene Schwinger zeigten gute Leistungen und rechtfertigten ihre Berücksichtigung. «Unsere Bestenliste hat sich erneut als repräsentativ erwiesen, wir haben unseren Selektionsentscheid nicht bereut», betont Verbandspräsident Daniel Dreier rückblickend. Zu diskutieren sei allenfalls die Geheimhaltung der Liste. «Da warten wir erst einmal ab, ob andere Teilverbände in den nächsten Jahren auch eine solche einführen.» Für Matthäus Huber, den Technischen Leiter im Aargau, besteht kein Handlungsbedarf: «Die Bestenliste gehört nicht in die Öffentlichkeit. Das ist ein internes Instrument.»