Nachwuchshoffnung
GC und der kleine Sonnenschein

Evelyn Fuentes aus Fislisbach zählt zu den Hoffnungen des Schweizer Frauenfussballs. Sie tanzt gleich auf drei Hochzeiten. Sie absolviert die Sportkanti in Aarau, interessiert sich für Psychologie und möchte Karriere als Fussballerin machen

Ruedi Kuhn
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Evelyn Fuentes

Evelyn Fuentes

Aargauer Zeitung

Evelyn Fuentes lächelt sanft und sagt: «Meine Lieblingsspieler? Philipp Lahm von Bayern München und Dani Alves von Barcelona.» Eine Parallele zwischen den zwei Stars der europäischen Fussballszene und der Nachwuchs-Hoffnung im Schweizer Frauenfussball gibt es schon. So wie Lahm und Alves ist die langjährige Juniorin des FC Baden und heutige Abwehrspielerin der Zürcher Grasshoppers von der Körpergrösse her nicht die Grösste.

Evelyn Fuentes misst gerade mal 1,58 Meter und ist 50 Kilogramm schwer. Als Kopfball-Ungeheuer kann man sie nicht bezeichnen. Zu den Stärken der Rechtsfüsserin zählen Technik, Antrittsschnelligkeit, Ausdauer und Zweikampfstärke. Im 20-Frauen-Kader von GC gehört sie zu den herausragenden Spielerinnen. Sie bleibt bescheiden und sagt: «Ich bin nicht der Star von GC sondern die stille Arbeiterin. Das ist auch gut so.»

Kein Star also, aber ein Talent: Mit der Aargauer U16-Auswahl durfte die Abwehrspielerin 2005 den Gewinn der Meisterschaft feiern. Im Cupfinal 2008 gegen den FFC Bern erzielte sie für Schwerzenbach in der 93. Minute den entscheidenden Treffer zum 4:2. Sie ist in Baden geboren und in Remetschwil aufgewachsen. Seit 2003 wohnt sie mit ihrer Familie in einem Haus in Fislisbach. Vater Romelio ist Chilene und arbeitet als Drucker, Mutter Jacqueline kommt aus der Dominikanischen Republik und ist als Sekretärin tätig. Die beiden haben sich in der Schweiz kennen gelernt. Evelyn hat zwei Geschwister, die um zwei Minuten ältere Zwillingsschwester Melanie und Bruder Rubén.

Evelyn Fuentes geht an die Sportkantonsschule in Aarau. Läuft alles nach Plan, absolviert sie im nächsten Frühling die Prüfungen für die Matura. Und dann? «Na ja», sagt sie, «danach könnte ich mir vorstellen, Psychologie zu studieren. Der Mensch interessiert mich sehr. Auch vom biologischen Aspekt her betrachtet.» Die grosse Leidenschaft der Singlefrau ist der Fussball. Seit der Fusion von Schwerzenbach und GC vor 2 Jahren spielt sie für den Nobelklub aus Zürich. Während der
6 Trainingseinheiten pro Woche profitiert sie im Campus Niederhasli von professionellen Bedingungen. Abend für Abend fährt sie mit dem Citroën der Mutter nach Niederhasli und sagt: «GC ist mein Lieblingsverein. Ich bin stolz, für diesen Klub spielen zu dürfen.»

Nach acht Länderspielen mit der Schweizer U19 ist das A-Team für sie noch kein grosses Thema. Und doch hat Trainerin Béatrice von Siebenthal längst ein Auge auf sie geworfen. Profitieren kann Evelyn Fuentes von zwei wöchentlichen Trainings mit dem Team Aargau U16. «Um mit den Junioren mitzuhalten», sagt sie, «muss ich hart kämpfen. Vom Physischen her haben die Frauen im Vergleich mit den Männern klare Nachteile.»

Was den Stellenwert des Frauenfussballs betrifft, hat Evelyn Fuentes gemischte Gefühle. Dass das Schweizer Sportfernsehen die Spiele der Nationalmannschaft seit kurzer Zeit überträgt, erachtet die kleine Kickerin als positives Zeichen. Was den finanziellen Aspekt angeht, ist der Unterschied zu den Männern viel zu gross. «Bei uns», sagt sie energisch, «geht es nur ums Gewinnen. Da sind keine Millionen mit im Spiel.»