Landhockey

Gastgeber, Aufsteiger, Europameister: Die Landhockeyspieler setzen der Heim-EM die Krone auf

An der in Luzern stattfindenden Heim-EM kommen die Schweizer Landhockeyspieler ihrem grossen Traum von den olympischen Spielen einen Schritt näher. Dank ihrem Sieg über Portugal sichern sie sich den Titel und spielen neu bei den ganz Grossen mit.

Als schon alles verloren und der grosse Traum geplatzt zu sein scheint, stehen die Zuschauer in der luzernischen Maihofhalle auf einmal auf. Sie klatschen, feuern die Schweizer Nationalmannschaft lautstark an. Die Stimmung ist magisch. Doch als die Landhockeyspieler wenige Sekunden vor Abpfiff einen letzten Angriff einleiten, deutet alles darauf hin, das dieser wie seine Vorgänger im Nichts verebben würde.

Bis dieser schöne und alles entscheidende Pass bei Boris Stomps landet. Ohne zu zögern, netzt der Basler zum 2:1 ein. Den fast gleichzeitig fallenden Abpfiff hört man schon gar nicht mehr. Die Zuschauer stürmen auf das Feld. Konfetti regnet auf die Mannschaft, während draussen die ersten Schneeflocken vom Himmel fallen. Die Schweiz steht als Aufsteiger in den A-Pool fest. Und ist dank dem Sieg über Portugal nebenbei Europameister!

Dass das Team an der Heim-EM den Titel holen würde, darauf deutet trotz Favoritenrolle am Anfang des Tages allerdings wenig hin. Der Weg zur Krönung? Alles andere als ein Zuckerschlecken. «Wir mussten bis zur letzten Sekunde alles geben. Es hätte immer wieder auf die andere Seite kippen können», sagt Marco Michel, Spieler des HC Rotweiss Wettingen. Nachdem sein Team sich am Samstag für den Aufstiegspool qualifiziert und sich einen 3:2-Sieg gegen die dort wartenden Weissrussen erkämpft hatte, ist am frühen Sonntagnachmittag deren Zeit gekommen.

Eine bittere Fügung für die Schweizer 

Zwar geben die Kroaten im ersten Aufstiegsspiel des Tages lange den Ton an, doch im letzten Viertel dreht Weissrussland fulminant auf. Knapp eine Minute vor Schuss fällt der Ausgleich, dreissig Sekunden später das 3:2. Welch bittere Fügung für die Kroaten – und auch für die Schweizer, die von da an zum Siegen verdammt sind.

Dass nicht nur zu diesem Zeitpunkt ein grosser Druck auf dem Team lastete, musste auch Trainer Christoph Elste am Ende des Tages zugeben. «Es war unser erstes Finalspiel. Man hat schon gespürt, dass einige schwere Beine hatten», sagt er über seine Spieler.

Immerhin dürfen sich diese stets auf das Publikum verlassen. Vor dem letzten Spiel gegen Portugal werden die Besucher mehrmals zum Zusammenrutschen gebeten, in der Maihofhalle sind freie Zentimeter schnell eine echte Rarität. Berstend voll wird sie zum Hexenkessel. Der Sport ist für einmal nicht nur für Familie, Freunde und Verrückte – sondern für über 1000 Menschen.

Auf den letzten Drücker zum Titel

Dennoch lassen sich die Gruppensieger den auf ihnen lastenden Druck anmerken. Doch auch Portugal hat mit sich zu kämpfen. Lange schenken sich die beiden Teams nichts. Es ist ein Abnutzungskampf – wenn auch ein attraktiver. Nach der ersten Spielhälfte steht es noch immer 0:0. Mehrmals rettet der Torhüter Lars Kleikemper die Schweiz mit mirakulösen Paraden in letzter Sekunde. Doch im dritten Viertel reicht auch sein Wille nicht mehr aus. Portugal trifft zum 1:0.

Ausgerechnet der Solothurner Pascal Knabenhans ist es, der den schnell folgenden Anschlusstreffer zu verantworten hat. Kurz vor dem Abpfiff schiebt die Nummer 17 den Ball ins Tor. Effizient, selbstbewusst, abgebrüht. An der Mannschaft gezweifelt hat auch Michel nie. «Ich habe von Anfang an gewusst, dass wir es schaffen können. Wie die Zuschauer uns getragen haben, war genial», sagt der Routinier.

So geht auch der alles entscheidende Treffer im letzten Viertel zur Hälfte auf das Konto des Publikums. Dieses kriegt auch nach der Siegerehrung kaum genug von seiner Mannschaft. Organisator, Aufsteiger und Europameister- die Schweiz hat an diesem späten Nachmittag auf einmal mehrere Rollen. Gefeiert und genossen wird letztlich jede einzelne.

Die stolzen Aufsteigerjungs

Gerade Trainer Christoph Elste könnte auf seine Aufsteigerjungs wohl stolzer nicht sein. «Ein Grossteil der Spieler begleite ich seit ungefähr sieben Jahren, kenne viele aus den Jugendmannschaften. Über die ganze Saison hinweg haben sie eine riesige Entwicklung gezeigt», sagt er.

Auch Michel zeigt sich ob des wichtigen Titels begeistert. «Es ist schön, dass wir so ein enges Spiel auch mal für uns entscheiden. Das ist ein riesengrosser Druck, der jetzt abgefallen ist», sagt er. Dass seine Mannschaft den Organisatoren und den Fans etwas zurückgeben konnte, sieht er als grösstes Glück an.

Doch nicht immer wird sein Team vom Heimvorteil profitieren können. Zusammen mit dem zweitplatzierten Weissrussland geht es für die siegreichen Schweizer ab in die A-Klasse. Zu den ganz Grossen. Der Traum von den Olympischen Spielen 2028 in Los Angeles rückt auf einmal näher. Nachdem sich die Spieler von Queen und dem obligaten «We are the Champions» haben feiern lassen, erklingen auf einmal die Pet Shop Boys. «Go West, where the skies are blue» singen sie. 

Noch ist der Himmel für die Schweizer voller bunter Konfetti. Doch ob sie auch herausfinden werden, wie sich die olympische Luft anfühlt, wird sich in den nächsten paar Spielzeiten zeigen. Dann, wenn die Schweiz hoffentlich die Rolle spielen kann, die ihr am besten steht: Die des strahlenden Siegers.

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