Zwei Freiämter erreichten am Wochenende im Zug das Olymp des Schwingsports – der Aristauer Joel Strebel und der Sarmenstorfer Andreas Döbeli holten beide ihren ersten eidgenössischen Kranz und dürfen sich fortan «Eidgenossen» nennen. 

Diesen Titel trägt der Uerkheimer Patrick Räbmatter schon seit dem letzten Schwingfest in Estavayer-Le-Lac. Wie sie den gigantischen Anlass in Zug erlebt haben, erzählen die drei im «TalkTäglich».

Alle drei bleiben elektrisiert von der Stimmung, die sie verspürten. In einer Riesenarena vor 56'000 Zuschauer zu kämpfen sei «Gänsehaut pur», laut Joel Strebel. Andreas Döbeli bestätigt: «Vor dem Kampf kann man diese Stimmung geniessen, die gibt einem ja auch Kraft. Aber nachher muss man die Riesenmenge an Zuschauer ausblenden, um nicht den Fokus zu verlieren. Es einfach angehen: Es ist bloss ein Sägemehlkreis, zwei Schwinghosen, ein Gegner und ein Kampfrichter.»

Die drei «Bösen» schätzen sehr, dass die Schwingerfans trotz dem grossen Andrang sehr friedlich sind. Am Schwingfest gibt es, im Gegenteil zu Fussballspiele, keine Gepäckkontrolle und auch keine Probleme. Jeder hat einen Sackmesser im Rucksack, um den Salami zu schneiden. Anstatt sich Bierflaschen anzuwerfen, teilen sich die Zuschauer diese untereinander und trinken genüsslich. «Eine solch friedliche Stimmung ist einmalig - an einem Fussballspiel ist es undenkbar», sagt Joel Strebel. Für Döbeli macht das auch die Popularität des Schwingsportes aus. «Da werden auch schöne Werte gefeiert.»

Wie die Newcomer ihren Erfolg erlebten

Der 21-jährige Andreas Döbeli meint, man realisiert es erst später, nachdem man ausgiebig gefeiert hat und auch ein bisschen schlafen konnte. Da können die Eindrücke auf einem einfallen. Joel Strebel und er geben auch schmunzelnd zu, die Party bis in den frühen Morgenstunden weitergezogen zu haben: «Es wurde sechs Uhr», sagt Strebel. 

Anders bei Patrick Räbmatter. «Ich feierte nicht so wie diese zwei.» Er selber war müde und ging um 12 Uhr bereits ins Bett. Es ist aber auch sein zweiter Kranz an einem Eidgenössischen. Für ihn war diese Ausgabe emotional, vor allem wegen der Niederlage in der zweiten Runde seines Trainingskollegen Nick Alpiger: «Es war ein Schock. Nick ist ein Zugpferd für unser Verband. Nach seiner ersten erfolgreichen Runde dachten wir alle, jetzt geht's los.»

Den Alten nacheifern

Die grossen Namen des Schwingsports – wie Nick Alpiger, aber auch Schwingerkönig Christan Stucki oder Joel Wicki – sehen die beiden jungen Eidgenossen als Vorbilder, denen man nacheifert. Sie freuen sich aber auch, gegen diese mal antreten zu können – und sie vielleicht auch zu besiegen. «Schwingerkönig Stucki oder auch Räbi (Patrick Räbmatter) sind Vorbilder. Beim Trainieren vergleichen wir uns mit ihnen. An Schwingfesten haben wir auch mal die Chance, sie zu packen», sagt Döbeli. 

Das bestätigt auch Patrick Räbmatter: «Gerade bei diesen zwei merkt man das. Diese Saison hat mich Joel auch zwei, dreimal genommen. Ich werde in den nächsten Jahren aufpassen müssen. Immer die Sonne anschauen zu müssen ist unangenehm.»

Für Joel Strebel ist es schön, dass in diesem Sport sich alle auf Augenhöhe begegnen: «Bei einem Schwingfest fangen wir alle bei null an - da treten 276 Schwinger gegeneinander an. Am Abend sieht es dann anders aus, wenn nicht alle den Kranz nach Hause nehmen.» 

Wie soll es weitergehen?

Auf die Frage, wie sie ihre Zukunft im Schwingsport sehen, zeigen sich alle drei bescheiden. Andreas Döbeli wünscht sich, einen Bergkranz zu holen, Joel Strebel will weiterhin an Schwingfesten Kränze gewinnen. Als Moderator David Kaufmann das Wort «Schwingerkönig» in die Runde wirft, meint Döbeli: «Schwingerkönig ist ein sehr grosses Ziel. Fast eher ein Traum.»

Patrick Räbmatter spricht ebenfalls von einem Traum. «Im Hinterkopf träumt jeder davon. Aber damit es klappt, muss alles passen: Auch zuhause bei der Familie, im Geschäft...» Auf jeden Fall will er beim nächsten Eidgenössischen antreten: «Ich habe mal gesagt: Bis Pratteln bin ich sicher dabei, und wenn ich gesund bleibe, auch beim nächsten. Aber es kann immer etwas passieren.»

Fürs erste werden alle drei ihre Kranzgewinne vom Wochenende geniessen. Dafür durften sie auch aus dem Gabentempel einen Preis mit nach Hause nehmen: Strebel und Döbeli wählten je eine Treichel als Andenken. Räbmatter, der schon eine vom letzten Schwingfest hat, bevorzugte einen Quad. «Mit dem kann ich Gas geben, wie ich auch am Schwingfest Gas gegeben habe.»

(jod)