Nachgefragt: Pedro Facchinetti

Herr Facchinetti, Sie sind vom Aargauischen Fussballverband für den Titel «Funktionär des Jahres» nominiert worden. Was bedeutet Ihnen die Nomination?

Pedro Facchinetti: Ich bin überrascht, weil Futsal noch einen sehr kleinen Stellenwert hat. Ein bisschen stolz macht mich die Nomination schon, es zeigt, dass unsere Arbeit wahrgenommen wird.

Sie waren viele Jahre im Fussball aktiv, jetzt schon seit einiger Zeit im Futsal. Sind Sie zum Schönwetterfussballer geworden?

Meine Liebe hat schon immer dem Hallenfussball gegolten, den es früher einfach nicht eigenständig gegeben hat. Durch TV-Übertragungen aus dem Ausland bin ich dann auf Futsal gekommen.

Die AFM Futsal Maniacs sind schon zweimal Schweizer Vizemeister geworden. Klappt es in dieser Saison mit dem Titel?

Die Konkurrenz rüstet stark auf, unser Ziel muss der Playoff-Einzug sein. Manchmal fehlt nur wenig zum Triumph. Wir haben zurzeit den Nachteil, dass wir keine fixe Trainingshalle im Winter haben.

Wo steht die Sportart in 5 Jahren?

Im Ausland explodiert Futsal zurzeit förmlich. England investiert zum Beispiel jährlich 150 Millionen Pfund in ihre Liga. Wir hätten in der Schweiz Möglichkeiten, während den Wintermonaten gerade im Juniorenbereich mehr zu organisieren, auch mit den Fussballclubs zusammen. Damenfussball wäre zudem prädestiniert für Futsal, wir überlegen uns, ein Frauenteam aufzubauen.

Die Augen werden gross und es wird plötzlich still, als der Mann mit dem gestreiften Hemd an den Tisch in der Mitte sitzt und das Mikrofon ergreift. Der ehemalige Nati-Trainer und aktuelle Sportchef des FC Luzern sieht sich für einmal keiner Journalistenschar gegenüber, sondern 36 wissbegierigen Kindern.

Rolf Fringer erzählt aus seiner langen Laufbahn und beantwortet geduldig die Fragen der jungen Sportlerinnen und Sportlern. Diese nehmen in dieser Woche am Swiss Futsal Camp in Wettingen teil und kommen jeden Tag in den Genuss eines Gaststars.

So haben auch schon Sven Christ (ex-FC Aarau-Spieler und Trainer), Benjamin Lüthi (GC-Verteidiger) oder Severin Blindenbacher (ZSC-Verteidiger) die Sporthalle im Tägerhard besucht. Nach dem Foto- und Autogrammtermin mit Rolf Fringer geht es aber schnell wieder hinunter in die Halle. Am Nachmittag stehen jeweils Trainingsspiele auf dem Programm.

Mehr als Hallenfussball

Futsal ist in der Schweiz noch kein grosser Begriff. Wer schon davon gehört hat, denkt vielleicht an die Fussballspiele in der Turnhalle zu Schulzeiten. Dies wird jedoch dem Sport nicht ganz gerecht.

Nicht nur die Umgebung und die Unterlage sind anders als im Fussball, sondern auch die Regeln. Das führt dazu, dass Futsal schneller und technischer ist, Verschnaufpausen gibt es keine.

Eigenschaften, die sich andere Länder seit längerer Zeit zunutze machen. «In Südamerika oder auch in Spanien ist Futsal schon im Juniorenbereich sehr verbreitet. Von dort kommt auch der Spielstil ‹Tiki-Taka›», erklärt Jörg Meinhardt, Sportchef der AFM Maniacs, welche das Camp organisieren.

Er ist überzeugt, dass auch die Schweizer Fussballszene viel von der Futsal-Ausbildung profitieren könnte: «Noch ist die Förderung hierzulande aber eher klein.»

Immer mehr Kinder im Camp

Immerhin schon drei Futsal-Ligen gibt es in der Schweiz, in der höchsten spielen die AFM Maniacs aus Wettingen. Eine eigene Juniorenabteilung haben sie nicht. Dies ist unter anderem ein Grund für das Swiss Futsal Camp, welches dieses Jahr schon zum vierten Mal stattfindet.

Von Montag bis Samstag können Kinder und Jugendliche zwischen 8 und 16 Jahren in der Halle trainieren. Nicht alle spielen in einem Fussballverein. «45 Anmeldungen sind dieses Jahr eingegangen, das Camp wächst von Jahr zu Jahr», sagt Pedro Facchinetti, Geschäftsführer der Maniacs.

Auf dem Programm stehen vormittags jeweils Trainingseinheiten in drei Altersgruppen, am Nachmittag wird mit gemischten Mannschaften gespielt. Facchinetti würde künftig gerne ein paar Spieler in einer eigenen Juniorenabteilung sehen. Er hält sich damit an die Worte, die Rolf Fringer den Kindern auf den Weg mitgibt: «Ziele und Visionen sind wichtig, aber man muss auch viel dafür tun.»