Jubiläum des "Club 100"
Für die grösste Donatoren-Gruppe des FC Aarau heisst es: "Siege sind teuer"

Der «Club 100» ist die grösste Donatoren-Gruppe des FC Aarau und kann dieses Jahr ihr 30-Jahr-Jubiläum feiern. Der FCA hat ihr vieles zu verdanken. Wie aber ist die Erfolgsgeschichte um den «Club 100» entstanden?

Ruedi Kuhn
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Führungspersönlichkeiten des «Club 100» unter sich: Gründer und Ehrenpräsident René Herzog (l.) und der aktuelle Präsident Michael Hunziker.

Führungspersönlichkeiten des «Club 100» unter sich: Gründer und Ehrenpräsident René Herzog (l.) und der aktuelle Präsident Michael Hunziker.

Chris Iseli

Das Gründungsjahr des «Club 100»: 1987. Die aktuelle Mitgliederzahl: 187. Der jährliche Mitgliederbeitrag: 6500 Franken. Der Auftrag: Unterstützung des Profibetriebs und der Nachwuchsabteilung des FC Aarau. Der jährliche Erlös: rund 1,1 Million Franken. Der gesellschaftliche Hintergrund: Business-Plattform für Unternehmen und Firmen.

Die Zahlen als Beweis: Der «Club 100» ist eine Erfolgsgeschichte. Und weil das so ist, dürfen die Mitglieder am nächsten Montag an der Generalversammlung im Gasthof zum Schützen in Aarau auf den 30. Geburtstag des grössten und wichtigsten Geldgebers anstossen.

René Herzog, Gründer und Ehrenpräsident «Club 100»:

«Der Club 100 ist so etwas wie die finanzielle Blutbahn und das Sauerstoffzelt des
FC Aarau.»

Wie aber ist der «Club 100» entstanden? Welche Idee steckt dahinter? Blicken wir zurück: Nach Jahren der Zweitklassigkeit startete der FC Aarau Anfang der 1980er-Jahre so richtig durch. Der Aufstieg 1981 in die Nationalliga A war der Anfang eines sportlichen Höhenflugs. Wer hätte damals gedacht, dass der grösste und erfolgreichste Aargauer Sportklub den Platz in der höchsten Spielklasse während knapp 30 Jahren verteidigen, ja sogar an der Spitze mitmischen kann?

Cupsieg bringt die Idee «Club 100»

Der Auslöser für die Gründung des «Club 100» war der Gewinn der Cuptrophäe im Jahr 1985. Der 1:0-Sieg des FC Aarau im Final gegen Xamax Ende Mai im Stadion Wankdorf war eine sportliche Sensation. Unter der Führung von Trainer Ottmar Hitzfeld wuchsen Spieler wie Captain Rolf Osterwalder, Ruedi Zahner, Karl Küng, Agapios Kaltaveridis, Charly Herberth, Roberto Fregno und Walter Seiler über sich hinaus.

Walter Iselin erzielte gegen die Neuenburger nach 87 Minuten den goldenen Treffer. Der bisher einzige Cup-Sieg in der 115-jährigen Vereinsgeschichte löste im Umfeld des FC Aarau einerseits eine Euphorie aus, andererseits wurden die Ansprüche grösser. Und mit den grösseren Ansprüchen stiegen auch die Kosten.

«Siege sind schön», sagt René Herzog, seines Zeichens langjähriges Mitglied des Verwaltungsrats. «Aber Siege sind auch teuer.» Was tun? Geld sammeln! So gründeten René Herzog, Werner Meyer, Bruno Hunziker, Kurt Lareida, Fritz Zinniker und René Ritter im Januar 1987 den «Club 100». Das Ziel: 100 Mitglieder finden, die bereit sind, jährlich 3500 Franken zum Wohl des FC Aarau zu bezahlen.

Gesagt, getan: Nach nur einem Jahr konnte man bereits das 100. Mitglied willkommen heissen. Und im Lauf der vergangenen Jahre stieg die Zahl weiter an und bewegte sich stets zwischen 140 und 190. Ein weiteres Indiz für die Kontinuität: In den 30 Jahren gab es mit René Herzog (heute Ehrenpräsident), Christian Stebler, Hans Rösch und Michael Hunziker (seit 2011) gerade mal vier Präsidenten.

Mehrfacher Retter in höchster Not

Der «Club 100» ist nicht nur der wichtigste Geldgeber. Er schlüpfte schon einige Male in die Rolle des Retters in höchster Not. In den Saisons 1991/92 und 1998/99 drohte dem FC Aarau jeweils der Abstieg in die zweithöchste Spielklasse.

Das ging so weit, dass man in der letzten Runde auf Schützenhilfe angewiesen war. 1992 musste man auf einen Sieg des FC Basel in Yverdon hoffen, 1999 auf einen Erfolg von Etoile Carouge gegen Sion. Und weil es im Fussball nichts gibt, dass es nicht gibt, rettete sich der FC Aarau auf geradezu wundersame Art und Weise vor der Relegation.

Wundersam? Na ja! Insider wissen, dass der «Club 100» bei beiden Wundern seine Hände mit im Spiel hatte. Und vor sechs Jahren bewahrte der «Club 100» den FC Aarau sogar vor dem Konkurs. Das Bundesgericht hatte im April des Jahres 2011 den Verein FC Aarau 1902 dazu verpflichtet, der Zuger Beraterfirma MTO aus dem Verkauf der Transferrechte 2002 den Betrag von 2,5 Millionen Franken zurückzuzahlen.

Ohne «Club 100» hätte der FC Aarau den Profibetrieb einstellen müssen. Der Vergleich mit einer Unterschrift unter die Vereinbarung mit einer Rückzahlung von 1,5 Millionen Franken wäre ohne das Verhandlungsgeschick der damaligen Präsidenten René Herzog und Michael Hunziker nie zustande gekommen.

Natürlich hat der «Club 100» in seiner mittlerweile 30-jährigen Geschichte noch viele weitere Kapitel geschrieben. Transfers wie der des späteren Bayern- und Inter-Spielers Ciriaco Sforza Ende der 1980er-Jahre und der von Heinz Hermann vor der Saison 1993/94 wären ohne den Geldgeber Nummer eins nicht möglich gewesen.

Wie sagt René Herzog so schön und so treffend: «Der Club 100 ist so etwas wie die finanzielle Blutbahn und das Sauerstoffzelt des FC Aarau.» Schöner und besser kann man es nun wirklich nicht ausdrücken.