Challenge League

«Für was 25 Spieler auf der Lohnliste?» Nach dem 0:0 des FC Aarau in Lausanne geben die späten Wechsel zu reden

FCA-Präsident Alfred Schmid (rechts) wunderte sich in Lausanne über die späten Einwechslungen seines Trainers Patrick Rahmen (links).

FCA-Präsident Alfred Schmid (rechts) wunderte sich in Lausanne über die späten Einwechslungen seines Trainers Patrick Rahmen (links).

Wer als Fünfter beim Zweiten antritt und einen Punkt mit auf die Heimreise nimmt, hat einiges richtig gemacht. Doch für den FC Aarau wäre auf der Pontaise mehr dringelegen. Hätte der Trainer früher neues Personal einwechseln müssen?

Da ist Freude über das Erreichte. Aber da ist auch Bedauern über das Verpasste. Gianluca Frontino steht nach Spielschluss in den Katakomben der «Pontaise» und weiss nicht so recht. Seine Gefühlslage ist sinnbildlich für das Aarauer Kollektiv aus Mannschaft, Trainerstaff, Führungscrew und rund 120 mitgereisten Fans.

Kurz zuvor hat Frontino in der letzten Aktion des Spiels mit einem Schuss aus zehn Metern den Siegtreffer vergeben. «Schade, den kann man auch machen», sagt er. Im gleichen Atemzug schildert Frontino seine Erlösung, nach sechsmonatiger Verletzungspause wieder mittun zu können. Zur Erinnerung: Der 29-Jährige ist immer noch Captain des FC Aarau, an diesem Status hat sich während seiner langen Absenz, in der Elsad Zverotic die Binde trug, nichts verändert. In Lausanne hätte Frontino den zweiten Kurzeinsatz seit seiner Genesung mit dem Siegtor krönen können, wenn nicht müssen.

Gianluca Frontino freut sich, dem FCA endlich wieder auf dem Platz helfen zu können

Gianluca Frontino freut sich, dem FCA endlich wieder auf dem Platz helfen zu können

Grundsätzlich gilt: Wenn der Fünfte beim Zweiten antritt und mit einem Punkt im Gepäck die Rückreise antritt, hat er einiges richtig gemacht. Leistungsmässig ging das Remis sowieso in Ordnung: Lausanne brannte nach dem Anpfiff ein Offensivfeuerwerk ab wie noch nie in der Saison, war trotz weniger Ballbesitz klar überlegen und hätte gut und gerne mit zwei Toren Vorsprung in die Pause gehen können.

In der 7. Minute rettete die Latte nach einem Kopfball des Ex-Aarauers Igor Nganga für die Gäste, in der 36. Minute brauchte es das gesamte Können von Goalie Djordje Nikolic nach einem Schuss von Anthony Koura.

Es folgte die Halbzeitpause und dann die 57. Minute: Lausannes Rechtsverteidiger Lucas Pos stieg rüde gegen Linus Obexer ein – klare Gelbe Karte. Weil Pos nach einem Foul an Petar Misic in der 3. Minute bereits verwarnt war, spielte der FCA ab sofort mit einem Mann mehr. Der Platzverweis für den schwächsten Spieler an diesem Abend war korrekt, erfolgte aber zu spät: Pos hätte schon kurz nach seiner ersten Gelben Karte und nach einem weiteren Foul an Misic unter die Dusche gehört.

«Ein guter Punkt für uns»

Aber auch 37 Minuten in Überzahl wären genug gewesen, um ein immer müder werdendes Lausanne zu besiegen und in der Tabelle bis auf drei Punkte an die Waadtländer heranzukommen. Doch dem, was Aarauer nach dem Platzverweis fabrizierten, fehlten die Zutaten «absoluter Siegeswille» und «Qualität eines Spitzenteams»: Frontinos abgeblockter Schuss war eine von gerade mal zwei Torchancen, die andere vergab Elsad Zverotic. Der Rest war geprägt von Hektik und Schlampigkeit im Passspiel.

Erst die Einwechslungen von Frontino (82.) und Mehidic (88.) brachten neuen Schwung in die Offensive. Warum also wartete Patrick Rahmen so lange bis zum ersten Wechsel? Diese Frage stellte sich nach dem Abpfiff in den Katakomben auch FCA-Präsident Alfred Schmid und fügte lakonisch an: «Manchmal frage ich mich, für was wir 25 Spieler auf der Lohnliste haben.»

Schon eine Woche zuvor gegen Servette (3:3) wartete Rahmen bis zur 79. Minute, ehe er ein erstes Mal wechselte. Ein Blick zurück zeigt jedoch: Der Eindruck, dass Rahmen überdurchschnittlich lange an seiner Startformation festhält, ist eine Momentaufnahme. In 17 der bisher 24 Saisonspiele wechselte der FCA vor oder in der 65. Minute zum ersten Mal.

Patrick Rahmen erklärte: «Wie würde ich dastehen, wenn wir nach dem Platzverweis alles nach vorne geworfen und uns dann ein Kontertor eingefangen hätten? Ich wollte die Stabilität nicht gefährden, deshalb wartete ich länger als sonst mit dem ersten Spielerwechsel.»

Angesprochen auf die verpasste Möglichkeit, in der Tabelle Boden gutzumachen, sagte Rahmen: «Das ist ein guter Punkt für uns. Wir haben in den letzten 13 Spielen zehn Punkte auf Lausanne gutgemacht.» Gelingt dem FCA dies in den verbleibenden zwölf Partien noch einmal, stünde er Ende Saison in der Tabelle vor den Waadtländern.

Die Zeit gibt Rahmen recht – zwölf Spieltage sind im Fussball eine halbe Ewigkeit. Besonders in der heuer so ausgeglichenen Challenge League. Schlusswort Patrick Rahmen: «Mit Blick auf die restlichen Spiele haben wir eine sehr gute Ausgangslage.»

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