Die Logik entschied für den Freiämter. «Der Grösste muss ins Tor», sagten die Teamkollegen 2005 beim Plauschturnier. Yanick Hofer war gebucht. Und er war nicht nur ein grosser, sondern auch ein guter Goalie.

So startete Hofer beim FC Villmergen seine fussballerische Tellerwäscher-Laufbahn, die ihn via FC Wohlen ins Team Aargau nach Aarau und seit diesem Frühjahr auch ins Kader der Schweizer U18 beförderte.

International kam er zwar noch nie zum Einsatz, da sich in der der Auswahl fünf Torhüter um eine Position streiten. Doch Hofer weiss, dass alles eine Frage der Zeit ist. Ihm gefällt, «dass man als Goalie entweder der Held oder der Depp ist. Der Grat dazwischen ist relativ schmal. Das reizt mich.»

Keine Karriere als Handörgeler

Dabei hätte er doch gar nie Fussballer werden sollen. Zumindest nicht, wenn es nach dem Willen seiner Mutter gegangen wäre. Sie setzte auf die musische Begabung. Yanick Hofer lernte in der Schule Handorgel spielen.

Doch zur Konzertreife wird es wohl nicht kommen, denn derzeit sind die Tage des KV-Lehrlings mit Fussball ziemlich ausgebucht. Sechs Trainings pro Woche und die Spiele mit dem Verein, dazu die Zusammenzüge mit der Auswahl.

FC-Aarau-Torhüter Yanick Hofer im Interview

FC-Aarau-Torhüter Yanick Hofer im Interview

Da bleibt nicht viel Raum für anderes. Ab und zu eine Partie Squash mit dem Vater oder seinem jüngeren Bruder Nicolas, der sich als frisch gebackener Regionenmeister im Weitsprung und im Hürdenlauf als Leichtathletik-Talent etabliert. «Und wenn ich ein wenig Freizeit habe, dann trifft man mich im Sommer meistens in der Badi Wohlen», sagt Hofer. Klare Priorität hat der Sport. «Es kommen für meine fussballerische Entwicklung die zwei wichtigsten Jahre. In dieser Zeit wird sich weisen, wohin mein Weg führt.»

Lehre bei Sportminister Hürzeler

Dazu begeht das Goalietalent auch in der Ausbildung den optimalen Weg. In der 3. Oberstufe wechselte er von der normalen Klasse in die Sportschule Buchs und vor einem Jahr begann er mit dem sogenannten Sport-KV, das zwar vier anstatt drei Jahre dauert, ihm dafür aber alle Freiheiten für die sportliche Karriere lässt.

Mehr als die Hälfte seiner Teamkollegen in der U18 des Team Aargau profitieren inzwischen von diesem beruflichen und sportlichen Miteinander. Hofer sitzt dabei quasi an der Quelle, absolviert er seine Lehre doch im Departement BKS von Sportminister Alex Hürzeler. Im Fussball heisst sein Chef Ranko Jakovljevic, der als Trainer auch schon fürs Fanionteam verantwortlich zeichnete.

Ja nicht mehr wachsen

Dorthin soll auch der Weg von Yanick Hofer dereinst führen, auch wenn er weiss: «Die Konkurrenz auf der Torhüterposition ist gerade beim FCA gross». Deswegen bewundert er den Eins-Torhüter Joel Mall, «der genau diesen Weg durch die Nachwuchsabteilung gegangen ist».

Vorbilder sind auch Nati-Goalie Diego Benaglio und Spaniens Weltmeister Iker Casillas, «weil er ein ähnlich ruhiger Typ ist wie ich». Yanick Hofer wirkt tatsächlich abgeklärt, in seinen Aussagen bedacht, beinahe ein wenig schüchtern.

Doch durchaus auch selbstbewusst. Seine Stärken sieht er in seiner Präsenz durch die Grösse und sein Auftreten. «Die Mannschaft fühlt sich sicher, wenn ich hinter ihr stehe.» Nur etwas möchte er lieber nicht: «Dass ich noch weiter wachse.» Ab 1.95 m Grösse sehen die Bewegungen bei einem Torhüter irgendwie ungelenk aus, findet Hofer. «Ich kann gut damit leben, so zu bleiben, wie ich bin.» Das kann man sich nicht nur punkto Körperlänge wünschen.