An den Schweizer Nachwuchs-Meisterschaften hat sie abgeräumt, die Jugendolympiade hatte sie vor Augen und nun sitzt Mireja Gloor stattdessen im Rollstuhl – zu einem Zeitpunkt, der für die 14-jährige Kunstturnerin aus Leutwil kaum unpassender sein könnte.

Im letzten Training vor dem eidgenössischen Turnfest verletzte sie sich. Bei der Landung nach einem Sprung habe sie die Knie überstreckt.

«Danach konnte ich nicht mehr aufstehen», sagt die Seetalerin. Diagnose: In beiden Knien sind die hinteren Kreuzbänder gerissen. «Das ist die schwerste Verletzung, die ich in meinen 30 Jahren als Trainer je gesehen habe», sagt ihr Trainer Renato Gojkovic vom Leistungszentrum Niederlenz.

Rollstuhl mit Krücken eintauschen

Der Alltag der noch jungen Sportlerin hat sich durch den Unfall schlagartig geändert. Seit Wochen sitzt sie im Rollstuhl, bald darf sie an die Krücken wechseln. Krücken statt Barren – nicht gerade das, was sie sich für diese Zeit erhofft hatte.

«Mindestens ein halbes Jahr müssen wir sicher mit dem Aufbau rechnen, bevor sie wieder trainieren kann», erklärt Vater Hanspeter Gloor. Aber sobald sie wieder laufen könne, gehe dann das Training wieder los. «Möglichst schnell und ziemlich hart», erläutert der Vater lächelnd weiter, der mit seiner Frau Sandra die Tochter bestmöglich unterstützt.

Entzug vom täglichen Training

Nun steht zuerst die Physiotherapie mit dem Rollstuhl an, eine Abwechslung für den monoton gewordenen Tagesablauf ausgerechnet während der Sommerferien. «Im Rollstuhl ist mir schon ziemlich langweilig», meint Mireja denn auch. «Auch ist es speziell, nicht mehr täglich ins Training zu gehen und nur noch zu Hause zu sitzen», fährt sie fort.

Karriere soll weitergehen

Droht etwa sogar der Rücktritt für eines der hoffnungsvollsten Schweizer Kunstturn-Talente – mit 14 Jahren? Davon will niemand etwas wissen. Weder Mireja und ihre Eltern noch ihr Trainer. «Ziel ist, mein Programm wieder so zu schaffen wie vorher. Erst dann schauen wir weiter», erklärt die Kunstturnerin, die nie daran gezweifelt hat, wieder in die Halle zu kommen.

«Die Motivation kommt von Mireja, wir unterstützen sie dabei und versuchen, ein optimales Umfeld zu schaffen. Wir sind sehr zuversichtlich», fügt ihr Vater an. Und Trainer Gojkovic setzt noch einen drauf: «Wenn sie will, werden wir wieder das Maximum aus ihren Fähigkeiten rausholen. Es wäre sehr wichtig für das Schweizer Kunstturnen.»

Da Wichtigste sei nun aber, dass Mireja wieder auf die Beine kommt – dafür benötigt sie Zeit. Zeit, die sie mit ihren 14 Jahren genügend hat. Denn es folgen noch viele Chancen, um sich für weitere Grossanlässe zu qualifizieren – und sogar Medaillen abzuräumen.