Stefan Lützelschwab gibt sich abgebrüht. Mit 41 Jahren ist er der älteste Radballer in der NLA. Er hat schon so vieles gesehen und erlebt. Bloss eines ist ihm bis heute verwehrt geblieben: ein Platz auf dem Podest bei einer Schweizer Meisterschaft. Heute Samstag bietet sich ihm und seinem Partner auf Rädern, Renato Bianco, die nächste Chance.

Und wenn er nun darüber spricht, dann «fängt es schon ein wenig an, zu kribbeln», wie Lützelschwab zugibt. Mit gutem Grund: Das langersehnte Podest scheint greifbar nah. Die beiden Fricktaler Radballer glauben daran, den favorisierten Teams aus Altdorf, Pfungen und Mosnang einen Strich durch die Rechnung zu machen.

Das Selbstbewusstsein kommt nicht von ungefähr. Die Freunde spielten eine so konstante Saison wie lange nicht mehr. Sie konnten gegen jedes Team mithalten – und haben jeden der vier Gegner vom Samstag mindestens einmal bezwingen können. «Das gibt ein gutes Gefühl, auch wenn man als Aussenseiter aufs Feld fährt», erklärt Lützelschwab.

Blindes Vertrauen

So kurz vor dem entscheidenden Tag haben die beiden in den Trainings nur noch an Details gefeilt, Automatismen verfeinert. «Vor allem die Ausführung von Standardsituationen haben wir noch oft trainiert, viele Kilometer abgespult, intensiv gespielt und kombiniert», sagt Bianco. Es ist ihre grösste Stärke, das schnelle Kombinationsspiel.

Überstürzen wollen sie trotzdem nichts. «Ich denke, dass im ersten Spiel eine gesunde Mischung aus Sicherheit und Risiko entscheidend sein wird», sagt Lützelschwab. Bianco ergänzt: «Zu Beginn sicher agieren, nicht zu viel zulassen und mit der Zeit versuchen, das Spieldiktat in die Hand zu nehmen – das ist unser Plan.»

Damit dieser Plan aufgeht, muss alles zusammenpassen. «Das Zwischenmenschliche macht 50 Prozent des Erfolgs aus», sagt Bianco. Man müsse einander blind vertrauen können. Das können die beiden Meler: Seit 13 Jahren spielen sie zusammen in der NLA, trainieren wöchentlich zwei Mal in der Halle zusammen und sind seit Anfang Jahr auch noch Nachbarn. Sie betonen: «Unsere Freundschaft geht weit über den Radsport hinaus.»

Die Radballer Renato Bianco (links) und Stefan Lützelschwab wollen aufs Podest.

  

Wenn es nach dem 41-jährigen Lützelschwab geht, soll dieses Duo noch viele Jahre bestehen bleiben. «Radball ist alles für mich. Trotz Familie, zwei Kindern, Beruf und meinem fortgeschrittenen Alter kann ich mir ein Leben ohne Radball nicht vorstellen. So lange ich diese Freude am Sport verspüre, werde ich weiterspielen», sagt er. Etwas anders sieht dies der 33-jährige Bianco: «Nach 2020 ist Schluss. Ich habe Familie, zwei Kinder und viel zu tun im Geschäft. Ich werde dann auf 27 Jahre Radball zurückblicken.»

Bis 2020 werden die beiden sicherlich weitermachen. Dann findet in Möhlin der Weltcupfinal statt. Und falls sich Lützelschwab und Bianco nicht auf sportlichem Weg dafür qualifizieren sollten, könnten sie als Organisatoren von einer Wildcard profitieren. «Dieses Highlight wollen wir bestimmt noch zusammen erleben», sind sich die beiden einig. Vorerst aber gilt ihre ganze Aufmerksamkeit der Schweizer Meisterschaft vom Samstag.