Silvana Tirinzoni, Sie haben zum Abschluss der Round Robin mit 5:6 gegen Tschechien verloren. Einfach ein Tolggen im Reinheft oder mehr?

Silvana Tirinzoni: Nicht mehr als ein Tolggen. Es war mental schwierig, weil es für uns im Gegensatz zu Tschechien um nichts mehr ging. Unser Halbfinal gegen Schottland stand schon vorher fest, aber klar wollten wir trotzdem gewinnen. Die Gegnerinnen hingegen kämpften gegen den Abstieg und um die WM-Qualifikation. Sie spielten gegen uns eine ihrer besten Partien.

Aber euer Selbstvertrauen nach der Erfolgsserie in dieser Woche leidet nicht unter der Niederlage?

Nein, das glaube ich nicht. Im Curling sind solche Siegesserien in der Round Robin eher ungewöhnlich. Niederlagen und der Umgang damit gehören bei diesen Turnieren zur Routine.

Wie wichtig ist denn das Selbstvertrauen im Curling?

Sehr wichtig. Oft entscheidet der Kopf. Wenn man kein Selbstvertrauen hat und sich nicht wohl fühlt, dann wird ein solches Turnier ganz schwierig.

Wie wirkt sich dieses Vertrauen aus: Spielt man dann mit mehr Risiko?

Ja, so ist es. Wenn man zum Beispiel sicher weiss, dass man die richtige Länge hat, dann kann man mit viel mehr Steinen im Spiel agieren. Es eröffnen sich ganz andere taktische Möglichkeiten.

Welche Rolle spielt der Heimvorteil?

In dieser Woche hat er eine wichtige Rolle gespielt. Immer wenn es eng wurde, hat uns das Publikum unterstützt. Ich behaupte, das Spiel gegen Italien haben wir nur gewonnen, weil wir die Zuschauer derart im Rücken hatten.

Heute im Halbfinal gegen Schottland beginnt alles wieder bei null. Welchen Vorteil ziehen Sie daraus, dass Ihr Team diesen Gegner in der Round Robin bezwingen konnte?

Es ist tatsächlich ein ganz neues Spiel. Im Curling gibt es nie eine Partie, die genau gleich verläuft wie eine bereits gespielte. Wir müssen uns wieder möglichst optimal an die Gegnerinnen und die Eisbedingungen anpassen.

Aber es hilft, dass Sie in dieser Saison entscheidende Spiele bereits mehrfach gewonnen haben?

Ich glaube schon. Es ist für uns nichts Neues, eine wichtige Partie zu spielen. Aber auch die Schottinnen verfügen über grosse internationale Erfahrung, haben schon viele Erfolge in Partien erlebt, in denen es um alles oder nichts ging.