2. Liga inter

Frust, Rehabilitation und Abstiegssorgen: So steht es um die Aargauer Teams vor der Rückrunde

Dank Eagles-Rückzug: Der FC Muri startet als Tabellenführer in die Rückrunde.

Dank Eagles-Rückzug: Der FC Muri startet als Tabellenführer in die Rückrunde.

Am Wochenende starten die 6 Aargauer Vertreter in der 2. Liga interregional mit unterschiedlichen Ausgangslagen in die Rückrunde. Neben dem grossen Fragezeichen, ob diese überhaupt gespielt werden kann, sorgt derzeit vor allem auch der Rückzug der Aarau Eagles für Gesprächsstoff.

Mit neuem Trainer auf Erfolgskurs 

Dass der FC Wettingen zur Saisonhälfte mit einem Punkt Rückstand auf dem 2. Platz steht, hätten im vergangenen Sommer wohl nur wenige gedacht. Die Arbeit von Trainer Marc Hodel – der im letzten Mai das Zepter beim FCW übernommen hat – scheint zu fruchten.

Marc Hodel leistet erfolgreiche Arbeit beim FC Wettingen.

Marc Hodel leistet erfolgreiche Arbeit beim FC Wettingen.


Mit seiner Mannschaft befindet er sich auf dem Erfolgskurs. In 14 Partien musste Hodel nur eine Niederlage gegen den Leader FC Muri einstecken, aus den übrigen 13 Partien resultierten acht Siege und fünf Unentschieden. Klar, dass da vermehrt auch das Wort «Aufstieg» fällt. Doch Hodel will nichts davon wissen: «Unsere Konkurrenten NK Pajde, FC Muri und der SC Zofingen sind breiter aufgestellt.»


Die Kunst sei es nun, sich keinen Kopf zu machen und mit den Füssen auf dem Boden zu bleiben. «Wir schauen von Spiel zu Spiel, wo wir stehen. Wenn es am Schluss zum Aufstieg reicht, dann nehmen wir ihn gerne, aber schon jetzt dieses Ziel zu definieren, wäre überrissen.» Dass Hodels Team dennoch auf dem richtigen Weg ist, zeigt das Nachholspiel vom vergangenen Samstag gegen Pajde. Auswärts in Möhlin erkämpften sich die Wettinger einen wichtigen Punkt gegen den ­Tabellenvierten.

Grosser Frust zum Start der Rückrunde


SC Zofingen Der Frust sitzt bei Flavio Catricalà noch immer tief. Als Wintermeister hat sich seine Mannschaft in die Pause verabschiedet, nun geht sie als Tabellendritter mit drei Punkten Rückstand auf die Spitze in die Rückrunde.

Zofingen-Trainer Flavio Catricalà ist verärgert über den Punkteabzug

Zofingen-Trainer Flavio Catricalà ist verärgert über den Punkteabzug


Der Sieg gegen die Aarau Eagles wurde annulliert, da sich der damalige Gegner in der Winterpause vom ­Meisterschaftsbetrieb zurückgezogen hat. Nun gilt es für Catricalà und sein Team, den Ärger so schnell wie möglich zu vergessen und den Fokus auf die Rückrunde zu richten. Mit Grenchen, Freienbach und Muri erwartet die ­Zofinger gleich zu Beginn ein happiges und wegweisendes Programm: «Klar, das wird nun eine mentale Heraus­forderung für uns. Wenn wir an der Spitze dranbleiben wollen, müssen wir defensiv stabiler werden und dürfen uns keinen Ausrutscher mehr erlauben», sagt Catricalà.


Der Trainer traut seiner Mannschaft jedoch zu, dass sie mit dieser ­Situation umgehen kann: «Wir haben viele Routiniers und konnten uns in der Winterpause verstärken.» Vom Aufstieg möchte er aber nicht sprechen. Die Favoritenrolle schiebt er aufgrund der Tabellensituation der Konkurrenz aus Wettingen und Muri zu.

Mit frischem Wind zum Ligaerhalt

Der Verein hat in der ­Winterpause die Reissleine gezogen: sieben Punkte aus zwölf Partien be­deuteten für Trainer Gianluca Pasanisi das Ende. Nun soll es Domagoj Karadza richten. Der Trainer kennt sich mit Abstiegskampf aus. In den vergangenen Jahren führte er den FC Neuenhof vom Tabellenkeller der 4.Liga bis an die Spitze der 3.Liga. Kommt dazu, dass Karadza das Kader der Klingnauer ­ordentlich aufgerüstet hat.

Alessandro Renna (links) und der FC Klingnau haben eine schwierige Vorrunde hinter sich.

Alessandro Renna (links) und der FC Klingnau haben eine schwierige Vorrunde hinter sich.

Gleich mit fünf neuen Spieler, die unter anderem auch Erfahrung aus der 1.Liga mit­bringen, will er frischen Wind in die angeschlagene Mannschaft bringen und dabei den Konkurrenzkampf unter den Spieler anheizen. «Ich will, dass die Jungs wieder Freude am Fussball ­haben. Wir werden in der Rückrunde angreifen und uns nicht verstecken. Die Qualität dazu ist da», gibt sich der Trainer kämpferisch.

Seine Aufgabe sei es nun, dass das Team eine Siegermentalität entwickle. Natürlich weiss aber auch Karadza, dass ihm eine enorm schwierige Auf­gabe bevorsteht. Mit Freienbach und Muri erwartet die Klingnauer ein happiges Startprogramm. Die anschliessende Partie gegen die ebenfalls abstiegsgefährdeten Oltner könnte dann bereits wegweisend sein.

Nach dem Eklat folgt die Rehabilitation

Es war ohne Zweifel eine schwierige Hinrunde für Trainer Dejan Rakitic und seine Mannschaft. Pajde startete ambitioniert in die Meisterschaft und gewann bis zum 5. Spieltag alle Begegnungen. Doch dann folgte das Spitzenspiel gegen den SC Zofingen, bei dem Pajde-Spieler den Schieds­richter nach der Partie verfolgten und dafür harte Strafen kassierten. Für ­Rakitic hatte dies zur Folge, dass er plötzlich auf zahlreiche Stammspieler verzichten musste.

Der NK Pajde hat eine turbulente Hinrunde hinter sich.

Der NK Pajde hat eine turbulente Hinrunde hinter sich.


Insgesamt kassierten fünf Spieler eine Sperre, drei davon sogar bis ­Saisonende und noch länger. «Wenn du plötzlich so viele Stammspieler nicht mehr einsetzen kannst, ist das verheerend. Ich bin daher froh, dass wir den Schaden in Grenzen halten ­konnten», erklärt der Trainer.


Mit 22 Punkten ist NK Pajde nach 12 Partien an der Spitzengruppe dran. Dazu hat der Verein in der Winter­pause reagiert und neue Spieler verpflichtet, um die drei langfristig gesperrten ­Spieler zu ersetzen. Rakitic will jedoch klarstellen, der Aufstieg sei derzeit in Möhlin kein Thema. Das Ziel sei es, so lange wie möglich in den vorderen ­Rängen mitzumischen und die Saison mit einer Klassierung in den Top 5 abzuschliessen

Plötzlich Tabellenführer

Ohne eine Partie im Jahr 2020 gespielt zu haben, geht der Vize-Wintermeister FC Muri als Leader in die Rückrunde. Dies kommt auch für Trainer Miga Dedic überraschend. Sein Team profitiert vom Rückzug der Eagles Aarau, der für einige Konkurrenten Punkteabzüge zur Folge hatte.

Muri-Trainer Miga Dedic verlässt den Verein per Ende Saison auf eigenen Wunsch.

Muri-Trainer Miga Dedic verlässt den Verein per Ende Saison auf eigenen Wunsch.

Muri dagegen verlor die Partie gegen die Eagles und ist der grosse Profiteur, dass alle Eagles-­Spiele mit null Punkten gewertet werden. Für Dedic ist der Rollenwechsel vom Jäger zum Gejagten allerdings nicht nur Grund zur Freude: «Jetzt liegt der Druck bei uns, wir müssen den Thron verteidigen. Das ist eine mentale Herausforderung für mein Team.» Allerdings hat der Trainer grosses Vertrauen in seine Truppe. «Wir haben eine eingeschworene Mannschaft, das Kollektiv ist unsere Stärke. Ich traue meinen Spielern durchaus zu, dass sie in der Rückrunde dort weitermachen, wo wir in der Hinrunde aufgehört haben.»

Den Aufstieg als Saisonziel möchte Dedic zwar aufgrund der starken Konkurrenz nicht definieren, allerdings kann der im Sommer zurücktretende Trainer nicht leugnen, dass er den Verein gerne mit einem Aufstieg verlassen würde.

Mit Rückkehrer Gmür die Top 4 anvisieren

«Tore, Tore, Tore.» ­Trainer Sven Osterwalder weiss, was er sich von Basil Gmür erhofft. Der Mittelstürmer ist in der Winterpause vom FC Baden zum SC Schöftland zurückgekehrt. Der Trainer geht davon aus, dass sein neuer Spieler kaum Anlaufzeit brauchen wird, um sich ins Mannschaftsgefüge einzugliedern: «Basil hat mit den meisten bereits zusammengespielt, er kennt unser System und weiss wie wir spielen, das vereinfacht vieles», betont Osterwalder. 

Alessandro Renna (links) und der FC Klingnau haben eine schwierige Vorrunde hinter sich.

Alessandro Renna (links) und der FC Klingnau haben eine schwierige Vorrunde hinter sich.


Für den Trainer kommt die Ver­stärkung gerade richtig: «Ich bin mit dem Saisonverlauf nicht unzufrieden, da ist noch Luft nach oben.» Seine Mannschaft steht derzeit in der Tabelle an siebter Stelle. Bis Platz vier sind es aber nur vier Punkte Differenz. «Unser Ziel ist es, dass wir besser als in der vergangenen Saison abschliessen. Damals reichte es für den 7. Platz. Nun will ich mit dem Team eine Top-4-Platzierung erreichen», erklärt Osterwalder.

Auch von der erstmaligen Qualifikation für den Schweizer Cup wird in Schöftland geträumt. Dass sich der Trainer bei den ambitionierten Zielen auf die Knipser-­Qualitäten von seinem neuen Stürmer verlassen kann, hat Gmür bereits mit einem Treffer im ersten Testspiel angedeutet.

Meistgesehen

Artboard 1