«Nicht selektioniert für die Strassenweltmeisterschaft in Florenz. Ich kann den Entscheid nicht verstehen!» Das schrieb Sandra Weiss kürzlich auf ihrer Facebookseite. Drei Startplätze stehen der Schweiz an der Frauen-Weltmeisteschaft zur Verfügung.

Auf den dritten Platz hinter Patricia Schwager und Doris Schweizer machte sich Sandra Weiss berechtigte Hoffnungen. Sie wurde an der Strassen-SM Zweite, genauso wie auch im Jahresklassement von Swiss Cycling, in dem alle Schweizerinnen geführt werden.

Zudem fuhr sie beim letzten Test vor der WM stark: der fünftägigen Tour de l'Ardèche. «Ich habe ihre Resultate bei diesem Rennen von zu Hause verfolgt und war mir sicher, dass es ihr für die WM reichen wird», sagt ihre Zwillingsschwester Martina. Doch es sollte nicht sein.

Der Schweizer Radsportverband nominierte mit Jolanda Neff die U23-Weltmeisterin im Mountainbike für das Strassenrennen. «Ich kann diese Entscheidung nicht nachvollziehen. Nicht, dass Jolanda die Nomination nicht verdient hätte, aber es ist schon speziell, dass eine Mountainbikerin aufgeboten wird, die ihr letztes Strassenrennen im Mai absolviert hat», sagt Sandra Weiss enttäuscht.

Stärkere Physis zahlt sich aus

So blieb der 22-jährigen Sulzerin die Krönung einer starken Saison verwehrt. Eine Saison, in der Sandra Weiss, die gemeinsam mit ihrer Schwester für das Schweizer Bigla Cycling Team fährt, grosse Fortschritte erzielt hat. Sie wurde konstanter und hat gelernt, während der Rennen stets die Übersicht zu behalten. «Ich habe einen ganz anderen Blick aufs Rennen und kann die Situationen besser einschätzen», erklärt sie.

Doch nicht nur Sandra kann auf ein starkes Jahr zurückblicken. Auch Martina, die seit diesem Jahr wie ihre Schwester nur noch 50 Prozent arbeitet, um mehr trainieren zu können, feierte einige Erfolge. Beim Heimrennen in Gippingen fuhr sie den starken fünften Rang heraus und beim letzten nationalen Kriterium in Riehen holte sie sich mit Rang zwei den einzigen Podestplatz der Saison. «Ich konnte meine Physis stark verbessern und das hat sich im Verlauf der Saison ausbezahlt», freut sie sich.

Das Highlight der Saison erlebten die Zwillingsschwestern, die, wenn immer es geht, zusammen trainieren, dann auch gemeinsam. An der Tour Languedoc Roussillon führten sie ihre Teamleaderin Emma Pooley als Helferinnen zum Gesamtsieg. «Bei der Siegerehrung hat Emma darauf bestanden, dass das gesamte Team aufs Podest darf.

Das war ein sehr schöner Moment», sind sich die beiden einig. Wer weiss, vielleicht wiederholt sich dieser Moment ja schon im nächsten Jahr - mit Martina oder Sandra Weiss als Siegerin. Dann klappts künftig vielleicht auch mit dem WM-Aufgebot.