Der FC Aarau sucht den Weg aus der Negativspirale. Aber selbst die letzte Aktion mit der Absetzung von Sportchef Raimondo Ponte verpufft. Stattdessen fallen die Aarauer immer tiefer. Die 0:2-Niederlage im Heimspiel gegen Vaduz am Sonntag und der verpatzte Saisonstart mit nur zwei Punkten aus fünf Spielen sorgen nicht nur für Ratlosigkeit, sondern für Missstimmung. Nicht nur: Die miserablen Leistungen der Mannschaft mit dem blamablen Cup-Aus beim 1.-Ligisten Echallens (1:2) lösen Enttäuschung, Frust und Wut aus.

90 Minuten im Blickfeld

So liessen einige Hardcore-Fans des FC Aarau ihrem Ärger während der Partie gegen Vaduz freien Lauf. Die Gruppe rollte auf der Gegengeraden des Stadions Brügglifeld ein Transparent mit der Aufschrift «Geissberger raus» aus. Beim Schlusspfiff waren auch noch zwei Stinkefinger zu sehen. Mit Geissberger ist Aaraus Vizepräsident gemeint. Er sass auf der Haupttribüne und hatte das Plakat während der 90 Minuten im Blickfeld. Eine bittere Pille! «Ich habe die Kritik der Fans erwartet», sagt er. «Schliesslich bin ich vierzig Jahre im Geschäft mit dabei, kenne also die Mechanismen im Profifussball. Trotzdem tut die Aufschrift auf dem Plakat gegen meine Person sehr weh.»

So weh, dass Geissberger am liebsten den Bettel hinschmeissen würde? Ist der Vizepräsident auf dem Absprung aus dem Verwaltungsrat? Hat er genug? Stellt man sich in solch schwierigen Zeiten nicht die Sinnfrage? «Nein», sagt er. «Natürlich bin ich enttäuscht, ja sogar frustriert. Es ist klar, dass ich mir den Start in die Saison anders vorgestellt habe. Schliesslich war ein Platz im ersten Drittel der Tabelle das erklärte Ziel der Führungscrew. Ich werde aber weiter kämpfen und meine ganze Kraft auch in Zukunft zum Wohl des FC Aarau einsetzen.»

Kein Zweifel; der FC Aarau steckt in einer Krise. Kritiken an Trainern und an Spielern waren in der Vergangenheit an der Tagesordnung. Kritiken gab es auch an den früheren Sportchefs Fritz Hächler, Urs Bachmann und zuletzt Raimondo Ponte, die mangels Erfolgen alle entlassen wurden. Dass aber Präsidenten und Vizepräsidenten zu Zielscheiben von Giftpfeilen werden, ist selten.

Zuletzt war das bei Präsident Christian Stebler der Fall, der bei den FCA-Anhängern nach der verkorksten Meisterschaft 2006/07 in Ungnade fiel, aufs Heftigste kritisiert, ja sogar angepöbelt wurde. Die Folge: Stebler trat im Juni 2007 zurück. Und nun also wird Roger Geissberger von FCA-Fans an den Pranger gestellt. Die Plakat-Attacke auf den Vizepräsidenten ist verwerflich, weil sie klar unter die Gürtellinie zielt. Natürlich machten Geissberger und der inzwischen entlassene Ponte bei der Zusammenstellung des Kaders im Hinblick auf diese Saison keine allzu glückliche Figur. Das aber rechtfertigt noch lange nicht einen Frontalangriff gegen eine Person, die während elf Jahren ehrenamtlich für den FC Aarau tätig war, in dieser Zeit wertvolle Dienste geleistet hat und zudem noch als finanzkräftiger Sponsor auftrat.

Challenge League, 2017/18, 5. Runde, FC Aarau - FC Vaduz, Alle Highlights

Die Highlights vom Spiel gegen Vaduz.

«Der FC Aarau ist am Tiefpunkt angelangt», sagte Sandro Burki Ende vergangene Woche in einem Interview mit der «Schweiz am Wochenende». Das war allerdings vor dem 0:2 gegen Vaduz. Wohin führt die sportliche Talfahrt tatsächlich? Am nächsten Freitag gastiert Aarau in Genf und trifft auf Servette. Die Vorzeichen dieser Partie sind schlecht. Alles andere als die vierte Niederlage im sechsten Spiel der Saison wäre eine Überraschung. Nach dem Servette-Spiel ist die Schonfrist für Trainer Marinko Jurendic und seine Mannschaft abgelaufen. Dann folgt nach der zweiwöchigen Nationalmannschafts-Pause das Derby gegen den FC Wohlen. Im Brügglifeld! Da muss ein Sieg her: Um jeden Preis!

Videokommentar von Ruedi Kuhn: "Burki muss in den nächsten Tagen einen Transfer machen"

Videokommentar von Ruedi Kuhn: "Burki muss in den nächsten Tagen einen Transfer machen"

Der FC Aarau steht noch immer ohne Sieg in der Meisterschaft da. Sportredaktor Ruedi Kuhn sagt, dass der FCA noch nicht zwingend am Tiefpunkt angelangt ist. Ausserdem erklärt er, wie lange die Schonfrist für Trainer Marinko Jurendic noch dauert und wen Sportchef Burki verpflichten könnte.