Schwingen

Fricktaler David Schmid im Dilemma: Der Playboy ist kein Anreiz mehr, um weiterzumachen

David Schmid und der Jubel über den Sieg am Nordwetschweizerischen Fest 2019 in Wittnau.

David Schmid und der Jubel über den Sieg am Nordwetschweizerischen Fest 2019 in Wittnau.

Eigentlich wäre Schwinger David Schmid aus Wittnau bereits im sportlichen Ruhestand – doch dann kam Corona und mit dem Virus viele Fragen.

Das Datum hatte David Schmid schon lange im Kopf. Drei Reisecars mit Fans aus dem schwingverrückten Wittnau wollten sich am 2. August 2020 auf den Weg nach Hägendorf machen, um ihren Dorfhelden ein letztes Mal zum Sieg zu brüllen. Nach dem Nordwestschweizerischen Fest, das Schmid 2018 und 2019 gewinnen konnte, wollte er seine Karriere beenden. Am liebsten mit dem Titelhattrick, um danach eines jener Feste zu feiern, die den Fricktaler Schwingfans einen über die Kantonsgrenzen hinaus bekannten Partyruf einbrachten.

Doch dann kam Corona und das Virus erhöhte quasi unverhofft das Rentenalter von David Schmid. Also zumindest jenes als Sportler. Oder doch nicht? «Es ist eine schwierige Situation», sagt der bald 30-Jährige. Und mit 30, das betont Schmid schon seit Jahren, ist Schluss. Weil er mehr Zeit für seine Familie haben will.

Jetzt steckt er in der Zwickmühle. Weil nun fast alle sagen, jetzt müsse er ja weitermachen. Und wenn er schon 2021 noch schwinge, dann könne er ja auch gleich noch das Eidgenössische Schwingfest 2022 in Pratteln anhängen. «Nur», sagt Schmid, «ich will nicht einfach dabei sein. Wenn, dann will ich zu den Besten gehören. Und dafür muss ich mindestens viermal in der Woche trainieren.» Womit er weiterhin weniger Zeit für seine Frau und seine eineinhalbjährige Tochter haben würde.

In der Zwickmühle: David Schmid (unten).

In der Zwickmühle: David Schmid (unten).

Und da kommt das nächste Dilemma. Wenn er schon sich und seine Liebsten auf später vertrösten soll, «dann mit einem klaren Ziel vor Augen. Weil ohne das, bin ich nicht bereit, so viel zu opfern».

Vater Alpiger und das Heft für Erwachsene

Aufgehört hat Schmid schon einmal. In ganz jungen Jahren. «Ich wollte weggehen, Partys feiern, mal etwas trinken und Mädchen kennen lernen», erzählt er. Mit 17 liess er sich dann aber doch dazu bewegen, auf sein Talent zu setzen. «Der Vater von Nick Alpiger hat mir eine Zeitschrift für Erwachsene versprochen.» Schmid lacht beim Gedanken daran. Allein das war zwar nicht Ansporn genug. Ein bisschen Motivation aber schon.

In erster Linie war es ein sportliches Ziel, das ihn zurück ins Sägemehl brachte: Schmid wollte Eidgenosse werden. 2016 erfüllte sich sein Traum, als er in Estavayer den eidgenössischen Kranz gewann. «Danach hatte ich mein Heimfest als Ziel, dort wollte ich gewinnen.» Und er tat es vor einem Jahr in Wittnau am Nordwestschweizerischen Fest.

Estavayer 2016: David Schmid (rechts) unterliegt zwar gegen Armon Orlik. Den Kranz holt er sich dennoch.

Estavayer 2016: David Schmid (rechts) unterliegt zwar gegen Armon Orlik. Den Kranz holt er sich dennoch.

Und jetzt? Ein Playboy, den er Jahre später dann tatsächlich von Vater Alpiger geschenkt bekam, ist längst kein Anreiz mehr. Und die sportlichen Ziele? «Das ist genau das, was ich mich im Moment auch frage: Eidgenosse bin ich, mein Heimfest habe ich gewonnen.» Kurz: Seine Highlights hat er bereits gehabt. Ein zweiter eidgenössischer Kranz wäre zwar schön, aber nicht neu. Und König? Schmid weiss selbst, dass zwar nichts unmöglich ist, aber als konkretes Ziel ist es ihm realistisch gesehen eben doch zu hoch.

Nick Alpiger und David Schmid im Königscamp in Wildhaus

David Schmid im Königscamp in Wildhaus

Die Aargauer Spitzenschwinger Nick Alpiger und David Schmid zeigen den jungen Schwingern im Rahmen des Königscamps in Wildhaus, wie es geht.

Momentan hält er sich alle Optionen offen, trainiert weiter und ist in herausragender Form. Klar ist bisher einzig, dass er als Trainer im Schwingklub Fricktal bleibt. «Ich habe mich bereits als zweiter Technischer Leiter gemeldet. Gut möglich, dass ich dann nach der Karriere irgendwann die Hauptverantwortung übernehme.» Nach der Karriere. Er sagt es zwar unbewusst. Aber noch ist eben nicht Schluss. Und motiviert wird er nochmals von einem Alpiger. Nick, der Leader der Nordwestschweizer, sagt: «Ich wäre froh, David noch sehr lange dabei zu haben.» Das ist Musik in den Ohren der Fans in Wittnau.

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