Kuhns Fussballwelt

Freudiges Wiedersehen mit Almeida

Einst im Dienste des FCA, nun kehrt er mit Chiasso zurück zum Brügglifeld: Mickael Almeida.

Einst im Dienste des FCA, nun kehrt er mit Chiasso zurück zum Brügglifeld: Mickael Almeida.

Seit 35 Jahren schreibt Ruedi Kuhn über den FC Aarau. In der Kolumne «Kuhns Fussballwelt» erzählt er von unvergesslichen Begegnungen mit Menschen, die ihn geprägt haben.

15 Punkte Rückstand auf Leader Lausanne, 12 Punkte Rückstand auf den Barrage-Platz mit GC und 10 Punkte Vorsprung auf den Tabellenletzten Chiasso: Der FC Aarau liegt in der Challenge League auf Rang 7 und hat weder Aussichten auf einen Spitzenplatz noch den Abstieg zu befürchten. Da stellt sich für mich nach dem spektakulären Frühling mit dem Barrage-Drama die Frage: Wie motiviere ich mich für das letzte Vorrundenspiel am Sonntag gegen Chiasso?

Es gibt für mich einen Strohhalm. Vielleicht ist es sogar ein Lichtblick. Dieser Lichtblick ist nicht etwa ein Spieler des FC Aarau, nein, dieser Lichtblick ist ein Spieler des FC Chiasso. Am Sonntag kehrt mit Mickael Almeida jenes Talent ins Brügglifeld zurück, von dem ich ab der ersten Begegnung begeistert war und dem in der vergangenen Saison das wichtigste aller FCA-Tore gelungen ist.

Am 5. November 2018 erzielte der antrittsschnelle Techniker beim 3:2-Auswärtssieg in Chiasso den Siegtreffer. Dieses Erfolgserlebnis leitete die gigantische Aufholjagd ein, die auf dem Barrage-Platz endete. Und: Ohne Almeidas Treffer in der Nachspielzeit wäre Patrick Rahmen heute kaum mehr Trainer des FC Aarau.

Emotionaler Abschied aus dem Brügglifeld 

Almeida wurde bei den Aarauern trotzdem nicht glücklich. Im Gegenteil. Der Flügelstürmer, der mit der U17-Auswahl von Portugal Europameister wurde, kam im Verlauf der Rückrunde kaum mehr zu Einsätzen.

Er zweifelte mehr und mehr an der Gerechtigkeit sowie an seinen Fähigkeiten und fiel in ein Leistungsloch. Almeida scheiterte am Druck. Am Ende war er untröstlich. Nach einem emotionalen Gespräch mit Rahmen verabschiedete sich Almeida mit Tränen in den Augen aus dem Brügglifeld und suchte Trost bei seiner Familie in Lyon.

Heute spielt der 20-Jährige in Chiasso, trifft am Sonntag also auf seine früheren Teamkollegen. Ich bin gespannt, ob er spielen wird und beweisen kann, was er draufhat. Wer weiss? Vielleicht trifft Almeida diesmal kurz vor Schluss für Chiasso.

Autor

Ruedi Kuhn

Ruedi Kuhn

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