Kuhns Fussballwelt

Freiwilliger Abstieg, Verfahren vom Verband und jetzt auch noch Corona-Positiv: Das verrückte Jahr des Pierluigi Ghitti

AZ-Autor Ruedi Kuhn

AZ-Autor Ruedi Kuhn

Seit 35 Jahren schreibt Ruedi Kuhn über den Aargauer Fussball. In der Kolumne «Kuhns Fussballwelt» erzählt er von unvergesslichen Begegnungen mit Menschen, die ihn geprägt haben.

Freiwilliger Abstieg aus der 2. Liga interregional in die regionale Aargauer 2. Liga, einen Grossteil der ersten Mannschaft vor den Kopf gestossen, ein Verfahren am Hals wegen Beleidigungen und Beschimpfungen eines Schiedsrichter-Trios und mehrerer Gegenspieler – und jetzt auch noch Corona!

Pierluigi Ghitti bleibt im verrückten Jahr 2020 nichts erspart. Der Präsident des FC Wettingen ist Anfang der vergangenen Woche positiv auf das Coronavirus getestet worden und lag bis gestern im Kantonsspital Baden. «Mich hat es voll erwischt», blickt Ghitti zurück. «Ich hatte Mühe mit dem Luft holen, dem Atmen und ­brauchte in regelmässigen Abständen Sauerstoff. ­Glücklicherweise war ich in guten Händen. Ich bin jetzt noch einige Tage zu Hause in Isolation. Nächste Woche kann ich wieder arbeiten.»

Wegen Corona verpasst Ghitti am Donnerstag das Rekurs-­Verfahren gegen die Kontroll- und Disziplinar-Kommission des Aargauischen Fussballverbandes betreffend der Strafverfügung gegen seine Person im 2.-Liga-Spiel zwischen ­Wettingen und Oftringen am 26. September dieses Jahres. Ihm wird vorgeworfen, dass er Schiedsrichter Imo Karabacak und Spieler des FC Oftringen beschimpft hat. Ghitti wehrt sich gegen die Vorwürfe und bestreitet, dass er den Schiedsrichter mit den Kraftausrücken «Idiot» und «Missgeburt» beleidigt hat. Er hofft auf einen Freispruch, wird durch seinen Anwalt Roger Huber vertreten und erhält Unterstützung von Zeuge Ergün Aydogan, seines Zeichens Stadionwart in der Wettinger Altenburg.

Ich wünsche Pierluigi Ghitti gute Besserung. Mit Corona ist nicht zu spassen. Ich rate ihm aber auch, dass er es nach dem Spitalaufenthalt etwas ruhiger angehen wird. In seiner Funktion als Präsident des FC Wettingen stand er in den vergangenen Wochen und Monaten ziemlich unter Strom und hat hin und wieder übers Ziel hinaus geschossen. Manchmal ist es besser, eine Angelegenheit auf sich ber­uhen zu lassen statt scharf zu schiessen. Oder, um es etwas deutlicher zu sagen: Reden ist Silber, Schweigen ist Gold.

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Ruedi Kuhn

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