Welchen Eindruck macht Francesco Gabriele nach der 1:4-Niederlage gegen Aarau? Ist der Trainer des FC Wohlen nach der Pleite im Derby enttäuscht? Frustriert? Gar geknickt? Oder glaubt der Neue nach drei Niederlagen in Serie und durchweg ungenügenden Leistungen noch an den Turnaround? Gibt er sich kämpferisch und lehnt sich gegen das Schicksal auf?

Ein gebrochener oder ein zäher Gabriele? Ich treffe den 39-Jährigen in der VIP-Lounge des FC Wohlen. Von Resignation keine Spur! Im Gegenteil! Gabriele ist gut drauf und sprüht beinahe vor Tatendrang. «Ich bin überzeugt und entschlossen, dass der FC Wohlen das Ziel Ligaerhalt erreichen wird», sagt er.

«Die Mannschaft ist intakt. Sie ist willig und bemüht. Wenn es gelingt, das Glück auf unsere Seite zu zwingen, dann werden wir ein Erfolgserlebnis feiern. Und dieses Erfolgserlebnis kann den Knoten lösen.»

Gabriele weiss genau, dass der Druck auf seine Person nach den drei Niederlagen in Folge gegen Servette (1:6), Chiasso (0:1) und Aarau (1:4) bereits gross ist. Nun ist es nicht so, dass er in den nächsten Tagen mit einer Entlassung rechnen muss. Aber ein Punktgewinn in Schaffhausen am kommenden Sonntag wäre Balsam auf die Wunden, die der Trainer und die Spieler als Tabellenletzter der Challenge League momentan lecken müssen.

«Ich weiss genau, dass meine Person im Kreuzfeuer der Kritik steht», sagt Gabriele. «Mein Richter ist nun einmal der Platz. Aber es geht nicht um mich, es geht um den FC Wohlen. Um einen Klub mit Profibetrieb, der in den vergangenen Jahren Grossartiges geleistet hat. Diese Arbeit möchte ich fortsetzen. Ich will auf die Erfolgsspur zurück. Und das werde ich auch schaffen.»

Persönliches steht im Hintergrund

Für Gabriele steht also der FC Wohlen im Mittelpunkt. Das Persönliche stellt er nach eigener Aussage in den Hintergrund. «Natürlich habe ich vor, während und nach den Spielen Emotionen», sagt er. «Aber ich bin ein Mensch, der diese Emotionen kanalisieren kann. Im Kreis meiner Familie und meiner Freunde kann ich durchaus abschalten. Als Trainer ist es meine Pflicht und meine Aufgabe, immer das Positive zu sehen und Zuversicht zu vermitteln.»

Eines ist klar: Der FC Wohlen steht vor wegweisenden Wochen. Sieben Tage nach der Partie in Schaffhausen steht das Heimspiel gegen den FC Zürich auf dem Programm. Mit dabei ist aller Voraussicht nach Monquez al-Yousef. Der neue FCW-Investor ist für ein paar Tage auf Besuch im Freiamt und wird sich zweifellos auch ein Bild über den aktuellen Formstand der ersten Mannschaft machen.

Mal schauen, wie zufrieden der Mäzen aus Saudi-Arabien mit dem FC Wohlen ist. Nach dem FCZ-Spiel folgt eine zweiwöchige Meisterschaftspause. Während dieser Pause kann viel passieren. Wie sagt Gabriele so schön und so treffend: «Im Monat Oktober ist noch nie eine Mannschaft aufgestiegen oder abgestiegen.» Das ist zweifellos richtig. Aber richtig ist auch, dass im Oktober schon so mancher Trainer entlassen worden ist.