Den vergangenen Herbst wird Marvin Lier nicht so schnell vergessen. Ein Hochgefühl löste das nächste ab. Im Oktober gab der 21-Jährige sein Länderspiel-Debüt in der A-Nationalmannschaft gegen Katar, einen Monat später wurde sein Vertrag mit Pfadi Winterthur um zwei Jahre bis Ende Saison 2016 verlängert. Und in der Meisterschaft belegte sein Team während 14 der 18 Qualifikationsrunden den ersten Tabellenplatz. «Das alles hat mich natürlich sehr gefreut», sagt der Ehrendinger in bescheidenem Tonfall, «diese Entwicklung liegt in meinem Interesse.»

Vom Dorfverein in die Industriestadt

Liers Entwicklung lässt aufhorchen. Im Sommer 2012 wechselte der flinke Flügelflitzer vom beschaulichen Dorfverein TV Endingen in die Industriestadt Winterthur. 2400 Einwohner auf der einen, 105 000 auf der anderen Seite. Die Unterschiede sind beträchtlich, und doch findet Lier viele Parallelen. «In beiden Vereinen ist das Klima sehr familiär», betont er. Gemütliche Grillabende gibt es auch in Winterthur, oder man wird von einem Mitglied der Supportervereinigung zum Essen eingeladen. «Pfadi Winterthur ist überhaupt nicht so, wie man sich einen Spitzenklub in einer Schweizer Grossstadt vorstellt», sagt Lier. Er fühlt sich wohl beim A-Ligisten, das spürt man. Dazu trägt auch die Philosophie des Vereins bei, der auf junge, talentierte Spieler setzt. Auch das eine Parallele zum Aargauer B-Ligisten TV Endingen.

Natürlich gibt es auch Unterschiede. «In Winterthur läuft alles einen Zacken professioneller ab, viele Spieler sind Profis», sagt Lier. Bei Pfadi kann er von gestandenen Nationalspielern wie Marcel Hess profitieren. In Endingen waren es die anderen Spieler, die von Liers Qualitäten profitiert haben.

Umzug in die Region Zürich

Seinen Lebensmittelpunkt wird Lier wohl bald gegen Osten verlegen. Noch wohnt er in seinem Elternhaus in Ehrendingen. Momentan absolviert der 1,85-Meter-Mann die letzte Klasse der Sportkanti in Aarau. Mit seiner Freundin Jasmin plant er den Umzug in die Region Zürich. Sie studiert an der ETH, er zieht ein Studium der Erziehungswissenschaften an der Uni in Betracht. Noch ist Lier mit Beratern am Ausloten, ob sich dieses Studium und sein Trainingspensum vereinbaren lassen.

Playoff-Halbfinals auf sicher

In der Meisterschaft hat sich Pfadi Winterthur vorzeitig den Platz in den Playoff-Halbfinals gesichert. Die Qualifikation hat das Team vom Trainer Adrian Brüngger auf Rang 1 abgeschlossen, in der Finalrunde wurde Pfadi von den Kadetten Schaffhausen überholt. «Zuletzt lief es nicht mehr so rund», sagt Lier. Viele Verletzte sorgen für eine dünne Personaldecke. Beim letzten Spiel gegen St.  Otmar trat Winterthur mit nur neun Feldspielern an – und siegte. Lier kommt pro Partie auf 30 bis 40 Minuten Einsatzzeit. In der Torschützenliste belegt er mit 73 Treffern den 34. Rang.

Aufgebot für Länderturnier

Die NLA-Playoffs will Lier mit Pfadi auf dem zweiten Rang erreichen. «Dann zählen nur noch Siege», sagt er. Auch für das Final-Four-Turnier des Schweizer Cups hat sich sein Team qualifiziert. Und: «Auch dort zählen nur Siege.» Für seine persönliche Entwicklung wünscht er sich noch mehr Einsatzzeit. Im Klub wie auch in der Nati. Sechs Länderspiele hat Lier bisher bestritten. Am Dienstag flatterte das nächste Aufgebot ins Haus: Am Wochenende des 5. und 6. April wird Lier in Lausanne am Vierländerturnier gegen Spanien, Kroatien und Schweden antreten. Nach dem Herbst scheint nun auch der Frühling ganz gut zu werden.