FC Wohlen

Flamur Tahiraj und die Achterbahnfahrt der Gefühle

Tahiraj kassiert in letzter Zeit zu viele Tore

Tahiraj kassiert in letzter Zeit zu viele Tore

FC Wohlen-Torhüter Flamur Tahiraj ist zwar endlich die Nummer eins, kassiert aber zu viele Tore.

«Eine falsche Bewegung, ein falscher Schritt, ein abgelenkter Ball – und schon zappelt der Ball im Netz», sagt Flamur Tahiraj. Der Torhüter des FC Wohlen weiss, wovon er spricht. 13 Tore hat er in fünf Meisterschaftsspielen kassiert. Das sind 2,6 Treffer pro Partie. Zu viel, viel zu viel.

Flamur Tahiraj hat die schlechteste Bilanz in der Challenge League.jpg

Flamur Tahiraj hat die schlechteste Bilanz in der Challenge League.jpg

2,6 Gegentreffer pro Spiel ist der schlechteste Wert der zehn Challenge-League-Klubs nach fünf Runden. «Natürlich ist das alles andere als gut, aber es gibt Gründe dafür», sagt Tahiraj. «In der Startphase dieser Saison hatten wir Pech. Vieles lief gegen uns. Wir kassierten Tore aus dem Nichts. Andererseits wurde die Mannschaft im Hinblick auf diese Saison umgekrempelt. Die zwölf Neuen müssen sich erst finden. Die Dreierabwehr mit Gudelj, Hajrovic und Elvedi ist extrem jung. Es fehlt an Erfahrung.»

Tahiraj als Routinier

Ganz anders Tahiraj: Im Alter von 31 Jahren ist er einer der Routiniers. Tahiraj wechselte im Januar 2011 von Schaffhausen zum FC Wohlen und hielt den Freiämtern bis zum heutigen Tag die Treue. Die Saison 2017/18 ist schon seine siebte. Dass er zusammen mit Alain Schultz, Dylan Stadelmann und Sead Hajrovic zum aktuellen Spielerrat zählt, ist für ihn Verpflichtung und Ehre zugleich. Tahiraj ist ein Team-Leader, ein Vorbild für die Jungen. Nicht nur auf, sondern auch neben dem Spielfeld. Seine grösste Qualität ist die professionelle Einstellung. Er trainiert wie ein Besessener. In guten wie in schlechten Zeiten.

Tahiraj ist mit seinen 31 Jahren ein Routinier bei Wohlen. Alexander Wagner

Tahiraj ist mit seinen 31 Jahren ein Routinier bei Wohlen. Alexander Wagner

Der Kampf um die Nummer eins im Tor des FC Wohlen war für den Albaner jahrelang ein zähes Ringen. Ein zähes Ringen, in dem er schlussendlich meistens den Kürzeren zog. Während der Saison 2011/12 stand ihm mit Giovanni ‹Gigi› Proietti eine der schillerndsten Figuren, die je im Dress des FC Wohlen gespielt haben, vor der Nase. Der Italiener war eine Attraktion, legte grossen Wert auf Unterhaltung und avancierte kurzzeitig zum Publikumsliebling. Tugenden wie Teamgeist und Solidarität waren ihm allerdings fremd.

Showman Proietti

Proietti war ein Egoist, ein Selbstdarsteller, ein Showman. In seinem Fall ging der Krug zum Brunnen, bis er bricht: In einem Heimspiel gegen Stade Nyonnais im Frühling 2012 versuchte er als letzter Mann einen Stürmer des Genfer Vorortklubs mit einem Absatztrick auszutricksen und lächerlich zu machen. Die Aktion ging gründlich in die Hosen. Proietti stolperte, verletzte sich und wurde von den Medien nach der dämlichen Aktion als «dümmster Torhüter der Schweiz» bezeichnet. Der damalige Wohlen-Trainer Ryszard Komornicki reagierte und schickte Proietti in die Wüste.

Giovanni Proietti wurden seine Disziplinlosigkeiten zum Verhängnis

Giovanni Proietti wurden seine Disziplinlosigkeiten zum Verhängnis

Tahiraj profitierte kurzzeitig von Proiettis Rausschmiss. Kurze Zeit später stand ihm mit Joël Kiassumbua aber erneut eine Nummer eins vor der Sonne. Kiassumbua war zwischen 2012 und 2017 Stamm-Keeper. Tahiraj hingegen musste sich bis Ende der vergangenen Saison mit der Rolle des Ersatzmanns begnügen. Erst als Kiassumbua im Sommer dem FC Wohlen trotz Vertrag bis 2018 den Rücken zukehrte und mit einem Zweijahresvertrag zu Lugano wechselte, schlug Tahirajs grosse Stunde.

Nun ist Tahiraj also endlich erste Wahl. Die Konkurrenten Yanick Hofer und Dominik Stutzer sind zwar Talente, dürften ihm die Position als Stamm-Torhüter aber kurzfristig nicht streitig machen. Für Tahiraj stand ein Klubwechsel so oder so nicht zur Debatte. «Der FC Wohlen ist für mich so etwas wie eine zweite Familie», sagt er. «Ich kann mir durchaus vorstellen, hier meine Karriere zu beenden.»

Keine Rücktrittsgedanken

An einen Rücktritt denkt er aber noch lange nicht. «Ich fühle mich zu hundert Prozent fit. Und Fussball ist mein Leben.» Gut möglich also, dass er nach der Zeit als Profi die Trainer-Laufbahn einschlagen wird. Der Job des Torhüter-Trainers würde mir sicherlich Spass machen», sagt er. «Aber so weit ist es hoffentlich noch lange nicht. Nach fünf Niederlagen in Serie ist es an der Zeit, im Heimspiel gegen Chiasso ein Erfolgserlebnis zu feiern.»

Autor

Ruedi Kuhn

Ruedi Kuhn

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