FC Wohlen
FCW-Investor Monquez al-Yousef: "Ich bin doch kein Russe"

Zugänglich und doch nicht fassbar: Investor Monquez al-Yousef beantwortet Fragen zu seiner Person und seinem Engagement beim FC Wohlen.

Calvin Stettler
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Monquez al-Yousef präsentiert sich auf der Niedermatten.

Monquez al-Yousef präsentiert sich auf der Niedermatten.

calvin stettler

Der Anzug sitzt, die Schuhe glänzen und der Pin mit dem Emblem des FC Wohlen ist artig am Kragen befestigt. Er begrüsst höflich, gibt sich zugänglich. Jede Bewegung, jeder Satz vollkommen abgebrüht. Kurzum: Ein Geschäftsmann aus dem Bilderbuch. Das ist Monquez al-Yousef. Der Neue mit dem grossen Portemonnaie beim FC Wohlen. Es ist der Tag, nachdem der Saudi-Araber als Verwaltungsrat der FC Wohlen AG bestätigt wurde.

Er, der jetzt Aktionär, Verwaltungsrat und Gönner des Freiämter Fussballklubs ist, versucht Fragen zu beantworten. In einem ausführlichen Interview mit Radio Argovia erklärt er, warum sein Auftritt im Internet so minimalistisch ist: «Ich bin medienscheu und auch auf sozialen Plattformen nicht aktiv.» Dass Leute deswegen Vorbehalte haben, versteht er. Was sich al-Yousef wünscht, ist Zeit. «Damit die Region mich und ich sie kennenlernen kann.»

Die Leute hätten Zweifel, weil sie sich an Vergangenem orientieren. Al-Yousef meint damit präsente Beispiele im hiesigen Fussball-Geschäft, wo ausländische Investoren Klubs in den Ruin trieben. Dabei müsse man doch jeden Fall isoliert betrachten, so der Geschäftsmann mit Wohnsitz in Dubai. Al-Yousef zeichnet munter am Bild des neuen Freundes, welchen der FC Wohlen mit ihm gewonnen habe: «Ich habe hier ein Heimatsgefühl entdeckt, obwohl ich noch nicht lange hier bin, deshalb will ich dem FC Wohlen helfen.»

Ein Herz für Barcelona und Wohlen

Er erzählt, wie ihn der Fussball schon als kleiner Junge begleitete, wie angefressen er noch heute ist. Er spricht auch immer wieder vom FC Barcelona, den er verehre. Natürlich schiebt er bei solchen Aussagen umgehend nach, dass er nun auch ein stolzer Anhänger des FC Wohlen sei. Am Ursprung des Kontakts zum Freiämter Klub stand bekanntlich ein gemeinsamer Bekannter von Monquez al-Yousef und Klubpräsident Lucien Tschachtli. Wer das war, bleibt geheim. Wann der erste Kontakt stattgefunden hat, erfahren wir ebenfalls nicht. «Diese Person stammt jedenfalls nicht aus meiner Region», sagt al-Yousef, der Beziehungen in diverse europäische Fussball-Gemeinschaften hat.

Monquez al-Yousef und FCW-Präsident Lucien Tschachtli gemiensam auf der Tribune. Sie kennen sich über Bekannte.

Monquez al-Yousef und FCW-Präsident Lucien Tschachtli gemiensam auf der Tribune. Sie kennen sich über Bekannte.

calvin stettler

Wenn er die Frage beantworten soll, warum nun genau der FC Wohlen seine Unterstützung geniesse, schweift al-Yousef gerne in Lobpreisungen ab. Tolle Region. Tolle Leute. Tolle Klubphilosophie. Befriedigend sind diese Statements nicht. Dass man im Freiamt kein Geld verdienen kann, sei sich der neue Investor immerhin bewusst.

Wobei seine Liquidität kein Problem sein sollte. Denn es sagt viel über das Vermögen eines Mannes aus, der einem Fussballklub, von dessen Existenz er vor einigen Monaten noch gar nichts wusste, einen hohen sechsstelligen Betrag bereitstellt und im gleichen Atemzug sagt: «Wir wollen unsere finanzielle Unterstützung im Rahmen halten.» Al-Yousef hat Geld. So richtig viel davon. Überwiesen hat er den ausgehandelten Betrag bereits, den Profibetrieb in der kommenden Saison somit sichergestellt.

Hallo Zürich

Al-Yousef lässt durchblicken, dass dieses Engagement für ihn eine Mischung aus Hobby und Familienprojekt darstellen soll. Einerseits kann er neben seiner Passion für den Rennsport so auch seine Lust auf Fussball befriedigen. Andererseits nennt er immer wieder seinen 13-jährigen Sohn als Investitionsgrund. «Er liebt den Fussball wie ich und vielleicht kann er von meinen neuen Kontakten dereinst profitieren.»

Ein Satz, der schon mehr offenbart. Al-Yousef will Kontakte knüpfen. Wohlen liegt rund 250 Kilometer von Genf entfernt. Also von jenem Ort, wo al-Yousef geschäftsmässig immer mal wieder zugegen ist. In der Finanzmetropole Zürich war al-Yousef vor seinem Kontakt mit dem FC Wohlen aber noch nie. Dass sein Engagement auch ein Eintrittsticket für den naheliegenden Wirtschaftsraum sein kann, streitet der Saudi-Araber nicht ab.

Dass Monquez al-Yousef den Profifussballbetrieb in Wohlen sicherstellt, die Situation scheinbar rational einordnen kann und nicht daran denkt, Ambitionen anzumelden, erscheint noch immer wie ein Märchen. Die Vorbehalte bleiben dennoch. Aus Angst vor dem bösen Erwachen. Doch vielleicht tun wir dem potenten Mann aus dem Nahen Osten ja wirklich unrecht. Im Freiamt setzt man jedenfalls auf das Prinzip Hoffnung. Vorerst glauben wir an das Gute im Fremden.

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