Basteln am Gesellenstück
FCA-Sportchef Sandro Burki gibt einen Einblick beim Bau der Mannschaft für nächste Saison

Es gibt Sportchefs, die schmeissen mit Millionen um sich – in der Hoffnung, damit den Erfolg einzukaufen. Und es gibt Sandro Burki (32): Der Sportchef-Novize des FC Aarau kann von Ablösesummen nur träumen.

Sebastian Wendel aus Islantilla
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«Es liegt an Ihnen»: Sandro Burki beobachtet im Trainingslager die Spieler mit auslaufendem Vertrag.

«Es liegt an Ihnen»: Sandro Burki beobachtet im Trainingslager die Spieler mit auslaufendem Vertrag.

Das Gesamtbudget für die Profimannschaft bleibt bei rund 4 Millionen Franken, solange das Stadionproblem nicht gelöst ist und mit ihm die Frage, ob langfristig die Teilnahme an der Super League möglich ist.

Burkis Mission bis im Sommer lautet: Eine Mannschaft zusammenstellen, die keine Anschaffungskosten verursacht, trotzdem seine Handschrift trägt und den Ansprüchen im und um den Klub genügt. Letztere sind trotz ungewisser Zukunft unverändert. Burki: «Wir sind auch in der nächsten Saison ein Klub mit hohen Ambitionen und wollen leidenschaftlich auftreten.»

«Wir sind auch in der nächsten Saison ein Klub mit hohen Ambitionen und wollen leidenschaftlich auftreten.» (archiv)

«Wir sind auch in der nächsten Saison ein Klub mit hohen Ambitionen und wollen leidenschaftlich auftreten.» (archiv)

Fabio Baranzini | Baranzini Fotografie und Texte | www.baranzini.ch

Was tun, wenn die Shopping-Kasse leer ist, man sich aber trotzdem einen neuen Look verpassen will? Man schaut, ob der Kleiderschrank vielleicht doch mehr hergibt als bisher. So ist es auch beim FC Aarau: Burki ist während des gesamten Trainingslagers in Spanien vor Ort, führt Einzelgespräche und sammelt Eindrücke, statt irgendwo anders Spieler zu sichten. «Ich habe allen Spielern gesagt, dass sie eine Chance haben, nächste Saison dabei zu sein. Jetzt liegt es an ihnen.»

Die Gelegenheit, auszumisten?

Heisst: Auch alle zehn Akteure mit auslaufendem Vertrag können sich in der Rückrunde für eine Vertragsverlängerung empfehlen. Von der weitverbreiteten Meinung, die hohe Anzahl auslaufender Verträge sei die Gelegenheit, endlich auszumisten, hält Burki nicht viel: «Die individuelle Qualität ist hoch, die Mannschaft besser als ihr Ruf. Dank der Korrekturen in den vergangenen Monaten haben wir ein Gleichgewicht hinbekommen.» Klar, Burki muss so kommunizieren, schlechte Stimmung im Team soll vermieden werden.

Die FCA-Spieler mit auslaufenden Verträgen und ihre Zukunftsprognosen

- Gilles Yapi (35): Menschlich wäre er auch künftig eine Bereicherung. In der Vorrunde aber mit vielen, wohl dem Alter geschuldeten Fehlern. Prognose: Wird gehen.

- Alessandro Ciarrocchi (30): War schon abgeschrieben, ehe er stark aufspielte und nun gute Chancen auf einen Stammplatz hat. Prognose: Die Rückrunde entscheidet.

- Patrick Rossini (29): Der beste Knipser der Challenge League, wenn er denn mit guten Vorlagen gefüttert wird. Prognose: Wenn er will, wird sein Vertrag verlängert.

- Pascal Thrier (33): Burki schätzt seine Zuverlässigkeit. Thriers Alter aber beisst sich mit dem Verjüngungsprozess: Prognose: Wird ziemlich sicher gehen.

- Olivier Jäckle (25): Bei Kräften und auf der richtigen Position eingesetzt, kann er dem FC Aarau helfen. Prognose: Bleibt er gesund, wird sein Vertrag verlängert.

- Michael Perrier (28): Im zentralen Mittelfeld ist der FCA überbesetzt. Perrier aber war auf der Position der zuverlässigste Spieler. Prognose: Die Rückrunde entscheidet.

- Arxhend Cani (20): Ist bis Ende Saison vom FC Basel ausgeliehen. Fraglich, wo er in der Rückrunde eingesetzt werden soll. Prognose: Wird ziemlich sicher gehen.

- Marco Thaler (23): Liebäugelt mit einem Wechsel, aber sein Herz hängt am FCA. Prognose: Wenn er will, wird sein Vertrag verlängert und Thaler neuer Abwehrboss.

- Damir Mehidic (26): Hat offensive Qualitäten, für einen Linksverteidiger aber ist er defensiv zu anfällig. Prognose: Findet Burki eine bessere Alternative, wird Mehidic gehen.

- Juan Pablo Garat (34): Seit 2011 beim FCA und nun endgültig in der letzten Saison. Arbeitet schon an der Zukunft als Trainer im Team Aargau. Prognose: Wird gehen.

Doch trotz ausgerufener Chancengleichheit: Es wird Abgänge geben (siehe Liste), auch von Spielern mit weiterlaufendem Vertrag. Burki wird in diesem Zusammenhang Spieler enttäuschen müssen, mit denen er bis im vergangenen Sommer noch zusammenspielte und die zu Freunden wurden. Angst davor? «Nein. Klar ist das speziell, aber es geht darum, den FCA fitzumachen. Gefühle haben keinen Platz.»

Beim Ersetzen der Abgänge wendet Burki seine Handsschrift an. Diese war zuletzt klar erkennbar: Gleich vier Eigengewächse aus der kantonalen Nachwuchsförderung Team Aargau haben Anfang Januar langfristige Verträge bis Ende 2020 unterschrieben: Nicholas Ammeter, Jan Burkard, Noah Boaky-Lüscher und Matija Randjelovic.

Wichtige Rollen

Sie werden in den nächsten Monaten kaum zu tragenden Elementen, sollen sich vielmehr in den Trainings an den Erwachsenenfussball gewöhnen. Aber ihre Aufnahme ins Profikader schiebt automatisch die bisherigen Jungen in der Hierarchie nach oben: Mats Hammerich, Raoul Giger, Lars Hunn und Varol Tasar. Auch sie haben weiterlaufende Verträge und spielen in Burkis Plänen wichtige Rollen.

Wie gestaltet Burki das Team nächste Saison? (archiv)

Wie gestaltet Burki das Team nächste Saison? (archiv)

Fabio Baranzini | Baranzini Fotografie und Texte | www.baranzini.ch

Das Fischen im eigenen Teich ist für den FCA einzige Möglichkeit, junge Talente bei den Profis einzubauen. Eine flächendeckende Scouting-Maschinerie wäre a) nicht finanzierbar und b) sowieso rausgeworfenes Geld. Alle anderen Regionen in der Schweiz, im Ausland sowieso, sind von potenteren Klubs abgedeckt. Zur Wahrung des Tafelsilbers will Burki weitere Spieler ausdem Team Aargau mit Verträgen ausstatten: So erhält der FC Aarau wenigstens eine Ablösesumme, sollten die grössten Talente von Grossklubs abgeworben werden.

Wie der Callà-Transfer Sinn macht

Zurück zum Profikader: Um dessen Verjüngung und Regionalisierung abzufedern, braucht es ein Gerüst an erfahrenen Spielern. Auch bei dessen Bestückung geht Burki der Frage nach: Was gibt das bestehende Kader her? Marco Thaler, Patrick Rossini und Olivier Jäckle sind Wunschkandidaten für die Achse von Führungsspielern auf den zentralen Positionen und dürfen bleiben, wenn sie denn wollen.

Spätestens dann, wenn Führungspositionen neu besetzt werden müssen, kommt Burki nicht mehr um externe Neuzugänge herum. Aber eben: Sie dürfen keine Ablöse kosten. Zwar bezahlt der FC Aarau für Challenge-League-Verhältnisse gute Löhne – einfacher macht das die Suche nach Führungsspielern kaum: Die meisten Kandidaten haben entweder anderswo Verträge oder es werben Klubs um sie, gegen deren Finanzkraft der FCA machtlos ist. Weitere Erschwernis: Das Brügglifeld ist nicht mehr die attraktive Adresse von früher.

Das Brügglifeld ist nicht mehr die attraktive Adresse von früher.

Das Brügglifeld ist nicht mehr die attraktive Adresse von früher.

Ist ein Spieler gefunden, bei dem die Rahmenbedingungen für einen Transfer passen, folgt der Background-Check: Familiäres Umfeld, Berater, Leumund – Burki will neben dem Sportler auch den Menschen kennen lernen: «Ein persönliches Gespräch ist zwingend.» Der aktuelle Wunschspieler Davide Callà muss nicht mehr überprüft werden, er ist im Brügglifeld bestens bekannt: Doch sein Transfer macht zum jetzigen Zeitpunkt nur Sinn, wenn er einen über die laufende Saison hinaus gültigen Vertrag unterschreibt.

Fazit: Sportchef-Novize Burki hat für sein Gesellenstück finanziell die gleiche Ausgangslage wie Vorgänger Raimondo Ponte. Jetzt muss er zeigen, dass er es besser kann. Er sagt zwar: «Ich muss viel lernen und werde auch Fehler machen.» Doch seine Ideen lassen hoffen, dass die FCA-Mannschaft bald wieder Hand und Fuss hat.