Gut möglich, dass Fifa-Schiedsrichter Stephan Klossner im Stadion Brügglifeld den einen oder andern neuen Freund gefunden hat. Für einmal kann sich der FC Aarau über den Kantonsschullehrer aus Willisau wahrlich nicht beschweren. Schiri Klossner zeigte während der 90 Minuten gleich drei Schaffhauser Spielern die rote Karte und servierte dem FC Aarau mit dem Rotfestival den ersten Sieg in der achten Runde dieser Saison quasi auf dem silbernen Tablett.

Die grosse, bunte Fussballshow mit Klossner in der Rolle des Hauptdarstellers begann nach einer halben Stunde: Nach einem Luftduell zwischen Schaffhausen-Captain Paulino und Aarau-Verteidiger Giuseppe Leo entschied der Spielleiter erst auf Corner, Sekunden später auf Penalty für die Aarauer. Paulinho verlor die Beherrschung und reklamierte heftig. Klossner liess sich das nicht bieten und zeigte dem Brasilianer die rote Karte. Kurz danach verwertete Goran Karanovic den Penalty auf souveräne Art und Weise. Das Tor des FC Aarau zum 1:1 nach gut einer halben Stunde war der Auftakt zu einem Offensivspektakel. Ein Offensivspektakel, in dem sich die Mannschaft von Trainer Patrick Rahmen eine hochkarätige Möglichkeit nach der andern herausspielte.

Aarau sündigt im Abschluss

Mickael Almeida hätte die Partie für die hoch überlegenen Aarauer im Alleingang entscheiden können, ja müssen. Der 19-jährige Portugiese vergab vor Ablauf einer Stunde sage und schreibe drei Topchancen. Statt Almeida traf dann aber jener junge Mann, der mit so vielen Vorschusslorbeeren in die Saison gegangen war: Varol Tasar! Der 22-jährige Flügelstürmer mit dem starken linken Fuss erwischte Schaffhausen-Torhüter Franck Grasseler mit einem herrlich getretenen Freistoss aus 25 Metern.

Der FC Aarau führte 2:1 – und als Klossner kurze Zeit später mit Jackson Mendy und Arljan Qollaku zwei weitere Schaffhauser vom Platz stellte, hatte der Tabellenletzte der Challenge League natürlich leichtes Spiel. Schliesslich standen in der Schlussphase nur noch acht Spieler vom Gastklub auf dem grünen Rasen. Logisch, dass die Aarauer nun weiter powerten, im Abschluss aber weiter sündigten. Ein weiterer Treffer liess lange Zeit auf sich warten.

Kurz vor Schluss sorgte Aaraus Bester Olivier Jäckle mit dem Tor zum 3:1 für die Entscheidung. Der 25-jährige Mittelfeldspieler mit der feinen Technik und der guten Übersicht setzte den Schlusspunkt unter eine verrückte Partie. Eine verrückte Partie, die Rahmens Team dank einem Dutzend hochkarätiger Möglichkeiten weitaus höher als 3:1 hätte gewinnen müssen.

Egal! Dieser Sieg ist für den FC Aarau ein Befreiungsschlag, ja eine Erlösung. Nach Wochen der Niederlagen, nach Wochen des Haderns, des Zauderns und des Zögerns brachen im Brügglifeld endlich alle Dämme. Natürlich erübrigen sich nach dem hochverdienten 1:1 in Lausanne und dem 3:1 gegen Schaffhausen nun auch die Diskussionen über eine mögliche Trainerentlassung. Rahmen hat den Turnaround geschafft. Fünf Tage vor dem Auswärtsspiel in Vaduz (Anpfiff Stadion Rheinpark, 16 Uhr) zeigte der FC Aarau endlich, was in ihm steckt. Viel Rasse, ja sogar ein Hauch von Klasse!

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