Alfred Schmid, ist der Champagner schon kaltgestellt?

Alfred Schmid (lächelt): Champagner? Wir sind vom Aufstieg sehr weit entfernt. Es sind noch 14 Spiele auszutragen. Vielleicht 14 … Im Fussball geht alles sehr schnell. Auch ein grosser Vorsprung ist schnell weggeschmolzen.

Trotzdem. Mit der AC Bellinzona droht dem grössten Konkurrenten des FC Aarau im Kampf um den Aufstieg der Konkurs. Die Super League scheint näher zu sein denn je. Einverstanden?

Ich möchte zuerst eines betonen: Ich wünsche keinem Klub etwas Schlechtes. Einen Konkurs schon gar nicht. Auf den ersten Blick scheint der FC Aarau tatsächlich auf gutem Weg in die Super League. Da ist aber nicht nur Bellinzona. Mit Winterthur und Wil haben wir zwei weitere Konkurrenten. Eines habe ich als Präsident gelernt: Ein Aufstieg ist erst dann Tatsache, wenn er mathematisch klar ist.

Sportlich wäre ein Aufstieg ein Highlight, wirtschaftlich wäre die Promotion allerdings ein Kraftakt, der kaum zu bewältigen ist. Sehen Sie das auch so?

Nicht unbedingt. Der FC Aarau weiss, was auf ihn zukommt. Schliesslich war er von 1981 bis 2010 in der höchsten Spielklasse. Wir sehen gute Möglichkeiten, um in der Super League bestehen zu können. Dazu braucht es allerdings zusätzliche Anstrengungen.

Wie ist die finanzielle Situation rund um den FC Aarau?

Im Jahr 2011 hatten wir einen Verlust von rund 300 000 Franken. 2012 sieht es etwas besser aus. Unser Ziel für das vergangene Jahr war allerdings, die schwarze Null zu schreiben. Das wurde nicht erreicht.

Was kostet der Profibetrieb der ersten Mannschaft in der Challenge League?

Rund 3,5 Millionen Franken. Allerdings hängt das stark von den Punkteprämien ab. Viele Spieler haben leistungsbezogene Verträge. Mit eingerechnet in diesem Betrag sind der Trainerstab, die Physiotherapeuten, die Masseure und die Kosten für Trainingslager, Essen, Trinken und Fahrten an Auswärtsspiele.

Um in der Super League bestehen zu können, würde dieser Betrag hinten und vorne nicht reichen.

Hinten vielleicht schon, aber vorne nicht.

Wie meinen Sie das?

Wenn unser Ziel der letzte Platz ist, dann reichen drei Millionen allemal ... Natürlich setzen wir uns höhere Ziele: Wir wollen einen Platz in den Top 8. Um das zu erreichen, müssen wir an die Grenzen gehen. Da braucht es einiges mehr als 3,5 Millionen.

Ist ein Budget von sieben Millionen realistisch?

Das ist zu hoch. Mit dem alten Stadion Brügglifeld ist ein solcher Betrag nicht realistisch. Immerhin würden sich die Einnahmen der Werbeverträge in der höchsten Spielklasse um 40 Prozent erhöhen. Mehreinnahmen bringt uns auch der Sockelbeitrag der Fernsehgelder von der Swiss Football League. Da rechne ich mit rund 700 000 Franken.

Bekommt der FC Aarau im Brügglifeld eine Lizenz für die Super League?

Das ist ein Problem. Bezüglich Sicherheit gilt es, einige Auflagen zu erfüllen. Die Liga fordert uns auf, an den Eingängen Drehkreuze zu montieren. Um vor Wurfgeschossen geschützt zu sein, müssen hinter den Toren grosse Netze aufgespannt werden. Ausserdem müssen wir in der Super League 20 bis 30 neue WC-Kabinen aufstellen. Diese Arbeiten kosten weit mehr als 100 000 Franken. Und am 1. Juli muss alles fertig sein.

Wird in der höchsten Spielklasse ein Sportchef eingestellt?

Darüber müssen wir uns sicherlich Gedanken machen. Das Hauptaugenmerk liegt auf dem Scouting und der Talenterfassung. Unser Ziel muss sein, jungen Spielern den Einstieg in den Profifussball zu ermöglichen. Mit Urs Bachmann haben wir einen guten Sport-Koordinator. Er wird im sportlichen Bereich weiterhin eine wichtige Rolle spielen. Das ist der Wunsch des Verwaltungsrats.

Sie haben mal gesagt, dass Sie nach dem Aufstieg den Rücktritt als Präsident in Erwägung ziehen?

Ich muss mir das gut überlegen. Vor zweieinhalb Jahren bin ich mit dem FC Aarau abgestiegen. Das tat sehr weh. Schaffen wir den Wiederaufstieg, so ist das für mich eine grosse Genugtuung. Wie heisst es so schön: Man soll dann abtreten, wenn es am schönsten ist.

Noch einmal: Treten Sie nach einem Aufstieg zurück?

Ich sage es mal so: Nach dem Erreichen eines solchen Highlights würde ich mir erlauben, solche Gedankenspiele zu haben.

Lassen Sie uns zum Schluss noch über die Zangengeburt des FC Aarau und damit über das neue Stadion sprechen: Kommt die Baubewilligung endlich oder kommt sie nicht?

Wir hatten am Freitag mit Vertretern der Stadion AG eine zweistündige Sitzung. Dabei ging es um finanzielle Dinge im neuen Stadion. Es gibt positive Anzeichen, dass die Baubewilligung noch in diesem Jahr erteilt wird.

Alfred Schmid, Hand aufs Herz: Wann findet im Torfeld Süd der Spatenstich für das Stadion statt?

Ich bin und bleibe ein positiv denkender Mensch. Ich hoffe 2014.