Fussball
FC Wohlen wehrt sich: «Die Verbandsbosse heben ab»

René Meier vom FC Wohlen wehrt sich gegen die geplante Reduktion der Challenge League und findet es arrogant, dass die «Mächtigen» die zweithöchste Spielklasse so «stiefmütterlich» behandeln.

Ruedi Kuhn
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Wohlens Challenge-League-Verantwortlicher René Meier. awa

Wohlens Challenge-League-Verantwortlicher René Meier. awa

René Meier, warum stimmte der FC Wohlen dem Antrag des Komitees der Swiss Football League für die Reduktion der Challenge League von 16 auf 10 Teams nicht zu?

René Meier: Das Komitee kommt zum Schluss, dass mit der Reduktion der Challenge League eine Verbesserung der Qualität im sportlichen, finanziellen und medialen Bereich erreicht wird. Das ist ein Trugschluss.

Das Komitee begründet den Antrag mit der mangelnden Qualität der Challenge League...

...die sportliche Qualität wird momentan schlecht geredet. Tatsache ist, dass diese in den vergangenen Jahren verbessert wurde. Würden diese Spiele in Super-League-ähnlichem Umfeld ausgetragen, wäre der Qualitätsunterschied klein. Natürlich kann die Qualität verbessert werden. Das Produkt Challenge League ist mehr wert, als viele wahrhaben wollen. Dass die zweithöchste Spielklasse von der Swiss Football League so stiefmütterlich behandelt wird, ist die Arroganz der Mächtigen. Gegen diese Arroganz kämpfe ich.

Bei der Swiss Football League erhofft man sich mit der Reduktion eine höhere Medienpräsenz und eine bessere Vermarktung der Liga. Wie sehen Sie das?

Eine Steigerung der medialen Beachtung ist nur über das Fernsehen möglich. Wenn das Sportfernsehen über die Challenge League berichtet, ist das lobenswert. Würde das etwas professioneller gemacht, wäre es noch besser. Solange sich das Schweizer Fernsehen die Respektlosigkeit leistet und nicht einmal die Resultate vermeldet, erreicht man keine Verbesserung der medialen Bedeutung.

Dank der Ligareduktion bekommen die zehn Klubs mehr Geld.

Das Komitee verspricht den Klubs einer reduzierten Liga Mehreinnahmen von rund 100 000 Franken jährlich. Dieser Betrag ist lächerlich und im Verhältnis zum Gesamtbudget unbedeutend. Die Hauptprobleme, sprich die Generierung von Mehreinnahmen mittels Fernsehvertrag und der Vertragsabschluss mit einem Hauptsponsor, wurden vom Komitee nicht gelöst. Es hat also seine Hausaufgaben nicht gemacht.

Was sagen Sie zur geplanten Promotionsliga?

Dieses Projekt ist nicht das Papier wert, auf dem es geschrieben wird. Der Status dieses weltfremden Konstrukts muss erst definiert werden. Kommt hinzu, dass man die Vereine der 1. Liga mit einer halben Million Franken ködert. Das Schlimme daran ist nicht der Köder. Das Schlimmste ist, dass die Amateurliga diesen Köder frisst.

Würde eine 10er-Liga ohne Kleinklubs wie Wohlen, Chiasso, Kriens und Nyon nicht mehr Zuschauer anziehen?

Nein. Diese Meinung ist realitätsfremd. Die 10er-Liga wird eine langweilige, in sich geschlossene Liga, die gesamthaft noch weniger Zuschauer interessiert als schon heute. Zudem werden einige Regionen unseres Landes nicht mehr vertreten sein. Das wird der angestrebten höheren medialen Beachtung nicht förderlich sein.

Oft werden die veralteten und zu kleinen Stadien als weiteres Argument für die Reduktion angeführt. Richtig oder falsch?

Von den 16 Vereinen der Challenge League haben nur Servette, Lugano, Vaduz und Wohlen eine definitive Stadion-Lizenz. Wie sollen die bestehenden Stadionprojekte vorangetrieben werden, wenn man mit der vorgeschlagenen radikalen Reduktion die Zugehörigkeit zur Challenge League riskiert. Nicht jeder Verein, der schon in der Super League war, kann davon ausgehen, dass er nächste Saison unter den Top 10 der Challenge League sein wird. Viele Klubs – auch der FC Aarau – verfallen diesem verlockenden Gedanken.