FC Wohlen
FC Wohlen und Super League? Eine Nummer zu gross!

Der FCW ist ein Spezialfall. Sollte das Team von Trainer Sforza Ende Saison tatsächlich den Challenge-League-Titel holen, ist der Aufstieg noch lange nicht perfekt. Eine Analyse, warum für den Freiämter Klub die Challenge League das Ziel sein sollte.

Ruedi Kuhn
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Für Roman Buess (Mitte) und der FC Wohlen scheint die Super League ausser Reichweite.

Für Roman Buess (Mitte) und der FC Wohlen scheint die Super League ausser Reichweite.

foto-net / Alexander Wagner

Stichtag 27. April: An diesem Montag gibt die Swiss Football League (SFL) bekannt, welche Klubs der Super League und Challenge League eine Lizenz für die Saison 2015/16 erhalten und welche nicht. Der FC Wohlen ist ein Spezialfall. Wegen des sportlichen Erfolgs hat Präsident Lucien Tschachtli im März Anträge für beide Spielklassen gestellt. Momentan steht mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit fest, dass die Freiämter eine Spielberechtigung für die Challenge League erhalten werden.

Ruedi Kuhn

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Nordwestschweiz

Gleichzeitig kann man davon ausgehen, dass die Lizenz für die Super League zumindest in erster Instanz nicht erteilt wird. Die Gründe liegen auf der Hand: Das Stadion Niedermatten erfüllt die Auflagen der SFL nicht. Sitzplätze hat es nicht genug, die Beleuchtung mit lächerlichen 314 Lux ist viel zu schlecht und die Sicherheitsvorschriften werden auch nicht erfüllt. Und vor allem: Beim FC Wohlen ist weit und breit kein Super-League-taugliches Stadionprojekt in Sicht.

Klubbosse dürfen durchaus auf eine Sonderbewilligung hoffen

Kann man deshalb jetzt schon sagen, dass der FC Wohlen auch in zweiter Instanz keine Lizenz für die höchste Spielklasse erhalten wird? Nein! Die Klubbosse dürfen durchaus auf eine Sonderbewilligung für eine befristete Zeit hoffen (eine oder zwei Saisons). Rechnen dürfen sie allerdings nicht damit. Sollte die Mannschaft von Trainer Ciriaco Sforza Ende Saison tatsächlich den Challenge-League-Titel holen, ist der Aufstieg noch lange nicht perfekt. Es ist schön und gut, dass man von der Super League träumt. Realistisch ist die Promotion nicht. Das letzte Wort hat nämlich einzig und allein die Liga. Und glaubt man den Aussagen eines Experten der SFL, werden die aktuellen Überflieger aus dem kleinen Freiamt auf keinen Fall eine Lizenz erhalten.

Lucien Tschachtli allein kann kaum Erfolg haben

Die Super League wird für den FC Wohlen also höchstwahrscheinlich ein Traum bleiben. Das ist für Trainer, Spieler, Funktionäre, Sponsoren und Fans auf den ersten Blick eine bittere Pille. Nüchtern betrachtet ist das aber gut so. Für die Klubverantwortlichen geht es in den nächsten Wochen und Monaten nämlich nicht darum, Sterne vom Himmel zu holen, sondern die Weichen für eine erfolgreiche Zukunft in der Challenge League zu stellen.

Das allein ist schwierig genug. Einerseits sind die finanziellen Mittel knapp, anderseits kann Tschachtli als einziges Mitglied des Verwaltungsrats langfristig kaum Erfolg haben. Wie sagte Sforza unlängst so treffend: «Mit dem Erfolg auf dem Rasen ist es nicht getan. Es braucht mehr Impulse neben dem Spielfeld. Es gibt starke Leute im Umfeld des FC Wohlen. Sie müssen jetzt aber Farbe bekennen.»

Der Verein braucht ein breites abgestütztes Sponsoring

Will heissen: Ohne noch breiter abgestütztes Sponsoring und ohne einen schlagkräftigen Verwaltungsrat kann der FC Wohlen auf Dauer nicht einmal in der Challenge League überleben. Man darf deshalb gespannt sein, ob der vom Hauptsponsor IBW gekündigte Vertrag im Hinblick auf die Saison 2015/16 doch noch verlängert wird. Schliesslich zahlt der wichtigste Geldgeber in dieser Saison rund 100'000 Franken an Fixum und rund 50'000 Franken an Rangprämien.

Und man darf gespannt sein, ob einflussreiche und finanziell potente Sympathisanten des FC Wohlen endlich bereit sind, den an der Front wirbelnden Einzelkämpfer Tschachtli zu unterstützen. Ein fünfköpfiger Verwaltungsrat mit Tschachtli, Hauptaktionär René Meier, Hanspeter Weisshaupt, Verwaltungsratspräsident der IBW, Unternehmer Urs Schürmann und dem früheren Spitzenfussballer Pius Fischbach wäre schon fast ein Garantieschein für eine Topklassierung – nicht in der Super League, nein, in der Challenge League.

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