Challenge League
FC Wohlen gegen FC Aarau: Das Derby der Liga-Schiessbuden

Ausgerechnet eine Woche vor dem Heimspiel gegen den FC Aarau erlebt der FC Wohlen den bisherigen Tiefpunkt der Saison: 0:4 in Chiasso. In dieser Form ist Wohlen der ideale Aufbaugegner für den FC Aarau.

Sebastian Wendel
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Ringt nach der miserablen Vorstellung seiner Mannschaft um Fassung: Wohlen-Trainer Ranko Rankovljevic.

Ringt nach der miserablen Vorstellung seiner Mannschaft um Fassung: Wohlen-Trainer Ranko Rankovljevic.

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Besonders erschreckend: Nach 22 Minuten und dem 3:0 für die Tessiner ist die Partie bereits entschieden. Das Heimteam muss sich in der Startphase vorkommen wie im Training. Wobei – auch im Training dürfte es schwieriger sein, Tore zu erzielen, als gegen diese einmal mehr desolate Wohler Hintermannschaft.

Beim 0:1 (4. Minute) kann der Ex-Aarauer Josipovic aus fünf Metern unbedrängt einschieben. Beim 0:2 (13.) durch Farrugia pennt Wohlen-Verteidiger Olivier Kleiner und hebt das Abseits auf. Beim 0:3 (22.) nach einem Freistoss läuft Marko Bicvic zwar mit Torschütze Urbano mit, mehr aber auch nicht. Das 0:4 in der 62. Minute schliesst dann den Kreis, ist ein Abbild des 0:1: Gleicher Torschütze, gleiches Zustandekommen.

Die elementaren Dinge haben gefehlt

«Wir bereiten uns unter der Woche akribisch vor, der Trainer erklärt alle Stärken des Gegners. Dann reisen wir drei Stunden ins Tessin – und dann? Dann beginnt das Spiel und wir schlafen! Es hat an den elementaren Dingen gefehlt: Das System mit einer Vierer-Abwehr ist das einfachste von allen – und wir als Mannschaft setzen es so desolat um. Unglaublich!»

Wohlen-Captain Alain Schultz ist nach dem Schlusspfiff bedient. «Es gibt wahrlich Schöneres, als an einem Sonntagnachmittag in Chiasso nach 22 Minuten 0:3 zurückzuliegen. Ich komme mir vor wie im falschen Film. Immer wieder diese Ausreisser nach unten. Wir schaffen es nicht, in jedem Spiel ein solides Grundniveau zu erreichen, auf dem wir aufbauen können. Mit einer ersten Halbzeit wie in Chiasso holen wir bis zum Saisonende keinen Punkt mehr.»

Das Rezept gegen den Abwehrzerfall

Auch Ranko Jakovljevic ringt nach dieser Null-Leistung um Fassung. «So kurz nach dem Spiel muss ich aufpassen, was ich sage. Ich bin richtig wütend. Sie sehen es schon richtig: Im Training haben es unsere Stürmer schwieriger als in den Spielen die der Gegner. Das kann nicht sein!»

Bis zum Derby in einer Woche muss sich Rankovljevic etwas einfallen lassen, ansonsten wird Wohlen der ideale Aufbaugegner für den FC Aarau. «Vor so einer Partie appelliere ich natürlich noch mehr als sonst an den Stolz», so der FCW-Trainer. Das ist der mentale Lösungsansatz. Im Training muss Rankovljevic ein Rezept gegen den wöchentlichen Zerfall seiner Verteidigung finden.

Mit dem gelernten Mittelfeldspieler Bicvic im Abwehrzentrum funktioniert es jedenfalls nicht. Unter anderem dessen Aussetzer nämlich führen in Chiasso dazu, dass Wohlen die Gegentore 33 bis 36 in der laufenden Saison kassiert. Und somit mit Abstand die schwächste Abwehr der Liga stellt.

Ein Haufen Probleme

Wer folgt in dieser unrühmlichen Rangliste auf Platz 2? Der FC Aarau mit 25 Gegentoren. Dieser hat am Freitag beim 0:0 gegen Aufstiegskandidat Servette in der Bewältigung der Abwehrprobleme immerhin einen kleinen Schritt vorwärts getan. Allerdings auf Kosten des Offensivspiels, in dem weiterhin keine Handschrift ersichtlich ist.

Auf dem Platz ein Haufen Probleme. Und abseits verbindet Wohlen und Aarau das Bangen um die Zukunft. Beide Klubs stehen vor Schicksalsmonaten: Die Freiämter müssen bis Ende Jahr rund 200 000 Franken zusammenkratzen, ansonsten kann die Rückrunde nicht finanziert werden.

In der Kantonshauptstadt ficht der FC Aarau mit der Spendenaktion «meinstadion.ch» wohl den letzten Kampf um das neue Stadion aus – fahren bis Mitte Mai nicht die Bagger auf, ist sogar der Rückzug aus dem Profifussball möglich.

Keine schönen Vorzeichen für das Derby. Da hilft nur Galgenhumor: Angesichts der gemeinsam 61 Gegentore kommt es am 27. November im Stadion Niedermatten zum Duell der beiden Schiessbuden der Liga. Unentschlossenen sei gesagt: Der Matchbesuch dürfte sich lohnen, da ziemlich sicher Tore fallen werden.

Telegramm

FC Chiasso - FC Wohlen 4:0 (3:0)
Comunale Riva IV, Chiasso. – 610 Zuschauer. – SR: Owtscharow. – Tore: 4. Josipovic 1:0. 13. Farrugia 2:0. 22. Urbano 3:0. 62. Josipovic 4:0.

Chiasso: Russo; Krasniqi, Urbano (65. Ramcilovic), Martignoni, Belometti; Abedini (46. Charlier); Fatkic, Rey; Josipovic (78. Padula), Farrugia, Ceesay

Wohlen: Tahiraj; Elvedi, Cvetkovic (69. Stadelmann), Bicvic, Kleiner; Schultz, Foschini; Romano, Pasquarelli (60. Tadic), Kuzmanovic; Pagliuca (80. Aliu)

Bemerkungen: Wohlen ohne Hajrovic (gesperrt), Pacar, Sadrijaj (verletzt), Sulejmani (ohne Aufgebot). – 56. Lattenschuss Farrugia. – Verwarnungen: 51. Schultz, 66. Josipovic, 80. Farrugia, 84. Foschini (alle Foul).

Sehen Sie das Spiel in unserem Livestream nach:

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