FC Wohlen
FC Wohlen: Der Luxus der doppelten Mannschaft

Trainer Ciriaco Sforza rockt mit seinem Team die Challenge League, weil er auf ein A-Team und ein B-Team zählen kann. Und das, obwohl er vom Budget her nicht mit den Spitzenteams der zweithöchsten Schweizer Spielklasse, wie Lausanne, mithalten kann.

Ruedi Kuhn
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Seit dieser Saison ist Joel Kiassumbua beim FC Wohlen erste Wahl.

Seit dieser Saison ist Joel Kiassumbua beim FC Wohlen erste Wahl.

foto-net / Alexander Wagner

«FC Wohlen ist nicht zu bremsen», titelte der «Landbote» vor gut einer Woche. Die Hauszeitung des Ligakonkurrenten FC Winterthur traf mit dieser Schlagzeile voll ins Schwarze. Mit dem Gewinn von 20 Punkten aus acht Spielen und dank der Qualifikation für die Cup-Achtelfinals mit dem Schlager gegen den FC Basel Ende Oktober ist der Freiämter Challenge-Ligist das einzige Team der Super und der Challenge League, welches in dieser Saison ungeschlagen ist.

Wie ist der Höhenflug von Wohlen zu erklären? Da ist einerseits der fussball-besessene, minuziös arbeitende und extrem ehrgeizige Trainer Ciriaco Sforza, da ist anderseits die Qualität des 23-Mann-Kaders. Jede Position ist doppelt besetzt. Das heisst im Klartext: Sind alle Spieler fit, kann Sforza momentan auf ein A-Team und ein B-Team zählen. Diese Teams halten sich von der Klasse her ungefähr die Waage. Die Breite des Kaders führt zu einem erbitterten Konkurrenzkampf. Die Spieler gehen sowohl während der Ernsteinsätze als auch in den Trainings an ihre Leistungsgrenzen und puschen sich gegenseitig hoch.

Das A-Team des FC Wohlen

Das A-Team des FC Wohlen

Nordwestschweiz
Das A-Team des FC Wohlen

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Nordwestschweiz

Der Wohler Dreijahresplan

Das Hoch des FC Wohlen soll keine Eintagsfliege sein. Lucien Tschachtli hat einen Dreijahresplan aufgestellt. Die Erhöhung des Budgets für die erste Mannschaft von 2,05 auf 2,35 Millionen Franken auf diese Saison hin ist für Challenge-League-Verhältnisse zwar nicht bahnbrechend und im Vergleich mit Spitzenteams wie Lausanne (4,5 Millionen Franken) immer noch sehr bescheiden – entscheidend ist aber:

Tschachtli und Sforza harmonieren ausgezeichnet und haben bei der Zusammenstellung des Teams vieles richtig gemacht. Ein Platz in den Top 5 scheint realistisch zu sein. Mehr noch. Der Traum von Rang 1 muss kein Traum bleiben.

Das gute Beispiel Kiassumbua

Kommt hinzu, dass das Ziel, mit jungen, aufstrebenden Spielern langfristige Verträge abzuschliessen, aufgeht. Ein gutes Beispiel dafür ist Joel Kiassumbua. Der 22-Jährige hat auf diese Saison hin Routinier Flamur Tahiraj als Torhüter Nummer eins abgelöst. Kiassumbua spielt im dritten Jahr beim FC Wohlen und war am Anfang hinter Giovanni Proietti und Tahiraj sogar nur die Nummer drei. Jetzt hat sich der junge Mann einen Stammplatz erkämpft und zeigte in den acht bisherigen Partien konstant starke Leistungen. Er kassierte gerade mal sechs Treffer.

Kiassumbua hat seinen Vertrag unlängst bis Ende Saison 2017/18 verlängert. «Ich fühle mich extrem wohl beim FC Wohlen», sagt er. «Als mir Lucien Tschachtli vor kurzer Zeit einen Dreijahresvertrag angeboten hat, musste ich nicht lange überlegen. Wir waren uns schnell einig.» Dass Kiassumbua die Vertragsverhandlungen ohne Berater führte, hat die Sache vereinfacht. Für den aktuellen Durchmarsch des FC Wohlen hat der Goalie eine einfache Erklärung: «Einen grossen Anteil am Erfolg hat Ciriaco Sforza», sagt er. «Unser Trainer ist ein hervorragender Motivator. Seine Winnermentalität hat sich von Beginn an auf die Mannschaft übertragen. Die vielen Siege geben zudem Selbstvertrauen. Wir wissen, dass wir jeden Gegner schlagen können.»

Gegen die Grossen läuft es besser

Der unbändige Siegeswille führt dazu, dass der FC Wohlen vor dem Heimspiel gegen Aufsteiger Le Mont vom Leaderthron grüsst. Die Partie gegen die Waadtländer wird allerdings kein Selbstläufer. Interessanterweise haben die Freiämter gegen die Grossen Winterthur, Lugano, Servette, Lausanne, Wil und Schaffhausen gewonnen, gegen die Kleinen Biel und Chiasso aber nur unentschieden gespielt. Vor allem das Heimspiel gegen Chiasso (0:0) hat gezeigt, dass sich die Mannschaft gegen defensiv eingestellte und zweikampfstarke Mannschaft schwertut. Allen Unkenrufen zum Trotz: Alles andere als ein Erfolg gegen Le Mont wäre eine Enttäuschung.