Fussball
FC Mutschellen: Altstar Milaim Rama kann es einfach immer noch nicht lassen

Milaim Rama, ehemaliger Schweizer Nationalspieler spielt heute bei den Senioren des FC Mutschellen. Der ex-Goalgetter und Publikumsliebling des FC Thun fühlt sich in seiner neuen Heimat sichtlich wohl.

Dean Fuss
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Milaim Rama lebt seit anderthalb Jahren in Widen und spielt nun bei den Senioren des FC Mutschellen.

Milaim Rama lebt seit anderthalb Jahren in Widen und spielt nun bei den Senioren des FC Mutschellen.

Dean Fuss

Es läuft die 86. Minute im dritten Gruppenspiel der Schweizer Nationalmannschaft gegen Frankreich an der Euro 2004 in Portugal. Der vierte Offizielle zeigt die Einwechslung der Nummer 18 aufseiten der Schweiz an: Milaim Rama kommt vor 29 000 Zuschauern für Daniel Gygax ins Spiel.

Ein grosser Moment für den albanisch-schweizerischen Doppelbürger. Und auch für sein Geburtsland: Er ist der erste albanisch-stämmige Spieler, der an einer Fussball-Europameisterschaft zum Einsatz kommt.

Ungebrochener Ehrgeiz

Heute ist das fussballerische Leben des Milaim Rama etwas weniger pompös: Seit der Winterpause spielt der mittlerweile 38-Jährige bei den Senioren des FC Mutschellen.

Statt 29 000 Zuschauer sehen ihm nun nur noch einige wenige Personen zu. «Natürlich fehlt es mir etwas, vor so vielen Leuten zu spielen. Aber dafür sind es heute vor allem Familienangehörige von uns Spielern, das ist auch sehr schön», sagt Rama.

Und Senioren hin, Senioren her: «Sobald das Spiel läuft, ist das ganze Drumherum sowieso egal. Dann wollen wir einfach gewinnen.»

Geschenke verteilt Rama auf dem Platz auch heute noch nicht. Zwar ziehe er im Gegensatz zu Profi-Spielen in brenzligen Situationen den Fuss vielleicht eher einmal etwas schneller zurück, aber er ist ganz offensichtlich treffsicher wie eh und je: Drei Tore in zwei Spielen lautet die starke Bilanz Ramas bei den Senioren Mutschellens.

Erst zwei Spiele hat er mit dem Team absolviert, weil er immer mal wieder mit kleinen Verletzungen zu kämpfen hatte. «Nichts ernstes, mit dem Alter verträgt der Körper einfach nicht mehr so viel», sagt er.

Von Interlaken in die Super League

Seine Karriere hatte Rama im Berner Oberland lanciert. Nachdem er als 17-Jähriger aus seiner Heimat Albanien in die Schweiz gekommen war, kickte er während dreier Jahre beim FC Interlaken. Es folgten 13 Jahre beim FC Thun, unterbrochen durch Ramas Abstecher nach Augsburg (Saison 2004/05) und Schaffhausen (2005/06). Mehr als 100 Tore erzielte der Stürmer in seinen über 300 Spielen im Dress des FC Thun sowohl in der Challenge League als auch in der Super League. Zusätzlich kam Rama in den Jahren 2003 und 2004 zu insgesamt sieben Einsätzen in der Schweizer Nationalmannschaft unter Trainer Köbi Kuhn. Gerne erinnert er sich an seine Profi-Karriere: «Das waren schöne Zeiten.»

Stellt sich die Frage, wie ein so verdienter Spieler wie Rama beim Seniorenteam des FC Mutschellen landet. Seit anderthalb Jahren lebt die Familie Rama in Widen. Er arbeitet in der Versicherungsbranche in Zürich, seine beiden Kinder gehen in Widen zur Schule. «Hier haben wir ein gutes Umfeld gefunden. Man hat uns gut aufgenommen», sagt Rama über seine neue Heimat im Freiamt.

Kurzes Gastspiel in der dritten Liga

Im vergangenen Herbst hat er sich fussballerisch nochmals versuchen wollen und hat für ein paar Spiele zusammen mit seinem Bruder Ramush beim FC Oberdiessbach gespielt. Das Kurz-Engagement wurde allerdings trotz seiner vier Tore in sechs Spielen nicht verlängert: «Die Gegner waren doppelt so motiviert, weil sie sich gegen einen ehemaligen Nati-Spieler beweisen konnten», begründet Rama seinen doch eher kurzen Auftritt in der dritten Liga.

Weil er aber den Fuss doch nicht ganz vom Ball lassen konnte, erinnerte er sich bald an den FC Mutschellen. Kaum hatten die Klub-Verantwortlichen nämlich erfahren, wer da seit Neustem in Widen wohnt, hätten sie ihn bereits kontaktiert.

Interesse macht Rama stolz

Das Interesse an seiner Person macht Rama sichtlich stolz. Man kennt ihn auch in der Gemeinde Widen. Sitzt man mit Rama im Strassencafé, wird er immer mal wieder gegrüsst. Selbst Autofahrer hupen und winken ihm zu. «Es ist schön, dass die Leute meine Leistungen auch heute noch zu schätzen wissen», sagt er und lächelt.

Und obwohl er nach wie vor familiär im Berner Oberland verwurzelt ist, hat er seit seinem Abgang beim FC Thun nie mehr ein Spiel seines Herzensklubs im Stadion gesehen. Zu tief sitzt der Frust darüber, dass ihn der Klub Ende der Saison 2012 in keiner Funktion weiterbeschäftigen wollte. Auch deswegen hat Rama mit seiner Familie in Widen einen guten Ort für einen Neuanfang gefunden.