FC Muri
Einst engagierte ihn Constantin beim FC Sion: Warum Muri-Goalie Yanick Hofer mit 26 Jahren seine Karriere beendet

Einst spielte Yanick Hofer mit Breel Embolo und Nico Elvedi in der Schweizer U-Nati, später mit Matheus Cunha beim FC Sion. In den letzten hütete er beim FC Muri das Tor. Nun verkündet er mit nur 26 Jahren das Ende seiner aussergewöhnlichen Karriere.

Nik Dömer
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Das letzte Highlight seiner Karriere: Yanick Hofer im Duell gegen den FC Winterthur (Schweizer Cup).

Das letzte Highlight seiner Karriere: Yanick Hofer im Duell gegen den FC Winterthur (Schweizer Cup).

Andy Mueller / freshfocus

Mit einer 0:6-Klatsche in der Neuenburger Maladière ver­abschiedete sich der FC Muri in die Winterpause. Doch es war nicht einfach irgendeine bittere Niederlage, sondern gleich­zeitig auch das letzte Spiel von Yanick Hofer. Der Torhüter beendet seine aussergewöhnliche Karriere.

Sicherlich hätte sich Yanick Hofer einen anderen Abgang gewünscht, als gegen die U21 von Neuchâtel Xamax sechs Mal hinter sich greifen zu müssen. Doch Trübsal blasen ist nicht die Art des Torhüters: «Natürlich war das sehr schade, aber es gab dann auf der Rückfahrt trotzdem ein paar Bierchen. Nebst mir war es auch das Abschiedsspiel von Basil Gmür, der ebenfalls aufhört. Wir hatten dann am Abend schon auch noch ein bisschen Spass.»

Hofer ist ein bescheidener und reflektierter Mensch. Zum FC Muri passt er damit perfekt. Der Verein weiss, wo seine ­Möglichkeiten liegen. Dass die Murianer mit nur neun Punkten am Ende der Tabelle in der 1. Liga stehen, lässt im Freiamt keine Panik aufkommen. «Ich glaube zwar weiterhin an den Klassenerhalt, aber es ist natürlich schon auch so, dass wir ­klare Budget-Limiten und Prinzipien haben und diese auch nicht aufgeben werden. Wenn es am Ende nicht reicht, gehen wir eben wieder eine Liga tiefer, deshalb geht bei uns die Welt nicht unter», gibt Hofer klar zu verstehen.

Wenn Hofer solche Worte wählt, hat das Gewicht. Denn er ist im Verein nicht nur Torhüter, sondern auch Sportlicher Leiter und Vorstandsmitglied. Als Funktionär wird er dem FC Muri erhalten bleiben. «Die beruf­lichen Ambitionen gemeinsam mit den Aufgaben als Spieler wurden mir zu viel, ich mache nebenbei noch eine Weiterbildung zum Gemeindeschreiber. Ausserdem wurde es zuletzt auch schwieriger, die Rollen als Torhüter und Sportchef in der Mannschaft klar zu trennen, deswegen habe ich mich zu diesem Schritt entschieden.»

Christian Constantin war von Hofer überzeugt

Dass Hofer schon mit 26 Jahren seine Karriere beendet, war vor ein paar Jahren noch überhaupt nicht absehbar. Zwischen 2014 und 2016 wurde er im Team Aargau ausgebildet und war nebenbei von der U18 bis zur U20 Torhüter in der Schweizer Nationalmannschaft. Dabei spielte er mit zahlreichen Nati-Stars wie Nico Elvedi, Denis Zakaria, Djibril Sow, Breel Embolo und Cedric Itten.

Zwei Jahre später gab Hofer sein Debüt im Profi-Fussball beim FC Wohlen. Es war zwar kein glückliches (1:5 gegen den FC Vaduz), doch es öffnete ihm Türen für ein spezielles Abenteuer. «Nach dem Spiel kam plötzlich der FC Sion auf mich zu. Goalie Anton Mitrjuschkin hatte sich verletzt und sie brauchten dringend einen Ersatztorhüter. Allerdings konnten sie im Frühling nur noch einen Schweizer Spieler, der noch nicht 21 Jahre alt war, verpflichten. Deshalb kam ich zum Handkuss», erzählt Hofer, der dabei sogar Christian Constantin überzeugen konnte: «Ich wurde zum Probetraining eingeladen. Wir spielten mit der U21 des FC Sion ein Testspiel gegen die 1. Mannschaft. Der Präsident beobachtete die Partie in seinem Ferrari und gab dem Sportchef danach das Zeichen, dass er mich gerne im Kader hätte.»

 Christian Constantin war von Yanick Hofer überzeugt.

Christian Constantin war von Yanick Hofer überzeugt.

Pascal Muller/Freshfocus

Fortan trainierte Hofer plötzlich mit Spielern wie Matheus Cunha und Carlitos. Zu einem Liga-Einsatz für die 1. Mannschaft kam es jedoch nie. Im Sommer endete das Walliser Abenteuer für Hofer bereits wieder: «Ich hätte den Vertrag verlängern können. Der FC Sion wollte mich ausleihen, um zu sehen, wie ich mich entwickle. Für mich wäre das in Ordnung ge­wesen, doch wir fanden keinen ambitionierten Klub, bei dem ich als Nummer 1 hätte Erfahrung sammeln können.»

Hofer entschloss darauf, die Träume vom Profifussball aufzugeben: «Ich war nahe dran, aber ich war nie die Nummer 1. Irgendwann kam Frust auf. Es war zwar schön, diese Kulissen zu erleben, aber wenn nach Siegen gefeiert wurde, konnte ich mich nicht so richtig mitfreuen. Ich wusste, dass ich nichts dazu beigetragen habe. Deshalb kehrte ich nach Muri zurück.»

Eine bewusste Entscheidung

Diese Entscheidung bereut er bis heute nicht. «Ich sah, wie Mitrjuschkin nach seinem Knorpelschaden trainierte. Der war drei Stufen besser als ich. Vielleicht hätte es mir zum Goalie in der Challenge League gereicht, wenn ich drangeblieben wäre. Aber mir war wichtiger, einfach wieder Spass am Fussball zu haben. Es war eine sehr bewusste Entscheidung.»

Yanick Hofer absolvierte über 100 Partien im Dress des FC Muri.

Yanick Hofer absolvierte über 100 Partien im Dress des FC Muri.

Andy Mueller

Viel eher blickt Hofer mit positiven Gefühlen zurück: «Ich war nie das grösste Talent, ich musste mir alles hart erarbeiten. Deshalb bin ich extrem stolz darauf, was ich erreicht habe.» Seit 2004 hütete Yanick Hofer kontinuierlich ein Tor. Beim FC Villmergen hat es angefangen und beim FC Muri hört es nun auf. Ob das so bleibt, weiss er noch nicht. «Momentan brauche ich einfach eine Pause. Vielleicht packt es mich irgendwann wieder, aber dann wohl eher im Regionalfussball oder bei den Senioren. Und natürlich bin ich jederzeit am Start, wenn unsere dritte Mannschaft mal Aushilfe braucht.»