Cyril Schneider blickt zurück. Seit dreieinhalb Jahren steht er im Tor des 1.-Ligisten FC Baden und erreichte zweimal die Aufstiegsrunde zur Challenge League. Der sprunggewaltige Goalie zeigte konstant gute Leistungen. Das grosse Angebot eines Topvereins kam bis jetzt allerdings nicht. Warum auch immer. Und seit der FC Baden im Esp auf der neuen Kunstrasenanlage spielt, läuft es alles andere als rund.

Die Bilanz lautet: Sechs Spiele, ein Sieg, ein Unentschieden und vier Niederlagen. Nur gut, dass die Mannschaft von Trainer Domenico Sinardo heute auswärts antreten darf. «Wir hatten zuletzt die Seuche am Hals», sagt Schneider. «Ich bin sicher, dass wir in Grenchen einen Neustart lancieren werden.»

Neustart für Team und Torwart

Neustart? Ein gutes Stichwort. Was für die Mannschaft von Trainer Domenico Sinardo gilt, das gilt auch für Schneider. Seine Situation ist sinnbildlich für den Saisonstart des Vereins. Vor gut drei Jahren kam der junge Mann vom richtigen Weg ab. Die Spielsucht trieb ihn ins finanzielle Elend. Die Folge: ein Schuldenberg in sechsstelliger Höhe. Schneider verlor die Kontrolle und manövrierte sich mehr und mehr ins Abseits. Schliesslich fand er keinen Ausweg mehr. «Das Schlimme ist», sagt er heute, «dass ich mir in der scheinbar hoffnungslosen Lage von niemandem helfen liess.»

Und heute? Heute ist die lange Fahrt durch den Tunnel zu Ende. Es gibt Licht am Horizont. Dass er mit Freunden über die schwierige Zeit spricht, gehört zum Verarbeitungsprozess. Ansonsten will Schneider die Vergangenheit ruhen lassen. Seine Strafe hat er nach langem Warten vom 20. Juni bis 14. September in einer Halbgefangenschaft in Winterthur abgesessen. «Ich habe viele Fehler gemacht», so Schneider. «Ändern kann ich das nicht mehr. Ich bin froh, dass mich meine Familie, Freunde und Kollegen nie haben fallen lassen. Sie haben mir eine zweite Chance gegeben.» Die will er nützen. Um jeden Preis.

Wieder auf dem richtigen Weg

Momentan befindet er sich auf dem Weg zurück in die Normalität. Seit einem Jahr arbeitet Schneider im Kundendienst von Rolf und Gregory Knies Salto Natale in Egg bei Uster. Die Tätigkeit macht ihm sichtlich Spass. Er freut sich jetzt schon riesig auf die neue Show «Herzblut», die am 17. November dieses Jahres in Kloten Premiere feiern wird. Das Team ist wie eine grosse Familie und gibt ihm ebenfalls viel Halt.

Seit dem 1. August lebt er mit seiner Freundin in einer Wohnung in Frauenfeld. Und kann sich vorstellen, mit «der besten und wertvollsten Frau der Welt eine Familie zu gründen». Dass Cyril Schneider die Kurve im letzten Moment noch gekriegt hat, ist eine schöne Geschichte. Mitverantwortlich dafür sind auch die Klubverantwortlichen des FC Baden. Andere Vereine hätten ihn wohl zum Teufel geschickt.

Der 31-Jährige jedenfalls kann wieder lachen. Und freut sich nach dem Interview auf einen geselligen Abend mit seinen Teamkollegen. Bowling ist angesagt. Wetten, dass Schneider beim Kegelspiel zu den Besten zählt?