Fussball
FC-Aarau-Trainer Ponte: «Die Hoffnung hilft uns leben»

Aarau macht den Abstiegskampf wieder etwas spannend. Mit dem 2:0 in Vaduz kam das Team von Raimondo Ponte zum ersten Sieg seit Anfang Oktober des letzten Jahres. Aarau beendete eine Serie von 16 Spielen ohne Sieg.

François Schmid-Bechtel (Text) und Patrick Haller (Ticker)
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Die Aarauer Fans zeigten vor dem Spiel eine Super-League-taugliche Choreographie.
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Der Dank geht an die Fans. Im Bild (v.l.n.r): Richard Magyar, Raimondo Ponte, Luca Radice, Igor Nganga, Petar Sliskovic.
FC Vaduz - FC Aarau, 19.04
Von Niederhäusern liegt nach dem Zweikampf mit Dusan Djuric am Boden.
Dante Senger hatte in der 32. Grund zum jubeln – er traf herrlich zum 1:0.
Vaduz-Goalie Peter Jehle musste zwei Mal hinter sich greifen.
Dante Senger (weiss) trifft herrlich zum 1:0. Kurze Zeit später wird er verletzt ausgewechselt.

Die Aarauer Fans zeigten vor dem Spiel eine Super-League-taugliche Choreographie.

kurvenkultur.ch

Hoffnung. Mehr als nur ein Wort. Hoffnung ist unser ständiger Begleiter. Wir hoffen auf einen Sieg, auf eine Lohnerhöhung, auf eine Idee, auf den Morgen danach. Nur: Hätte der FC Aarau in Vaduz verloren, gäbe es selbst für Trainer Raimondo Ponte wenig Hoffnung. «Dann wäre wohl allen klar gewesen, dass wir absteigen müssen.»

Hoffnung. Viele kluge Köpfe haben sich ihr angenähert. «Die Hoffnung hilft uns leben», schrieb Johann Wolfgang von Goethe. Aber Hoffnung kann auch trügerisch sein, wie Voltaire schrieb: «Eines Tages wird alles gut sein, das ist unsere Hoffnung. Heute ist alles in Ordnung, das ist unsere Illusion.»

Tatsächlich wäre es aus Sicht des FC Aarau fatal, zu glauben, der erste Sieg nach einer Serie von 16 erfolglosen Spielen sei gleichbedeutend mit dem Befreiungsschlag. Aber eine befreiende Wirkung soll er gleichwohl haben. Insbesondere für die Sorgenkinder aus der Offensivabteilung wie Moreno Costanzo, der kurz vor Schluss das 2:0 erzielte, oder Dante Senger.

Der Argentinier erlitt schon nach wenigen Minuten nach einem Schlag eine starke Prellung am linken Fuss. Senger wollte sich auswechseln lassen. Doch Ponte reagierte vorerst nicht und wurde für seinen hohen Einsatz belohnt. Denn es war Senger (32.), der mit einem fabelhaften Weitschuss zum 1:0 traf und William Shakespeare Lügen strafte, der sagte: «Hoffnung ist oft ein Jagdhund ohne Spur.» Drei Minuten nach dem wegweisenden 1:0 wechselte Ponte seinen Torschützen aus.

Überzeugende Defensivleistung

Die Spur, der die Aarauer fortan folgten, war eine abenteuerliche. Denn die Mannschaft liess sich zunehmend in die Defensive drängen. Von einer befreienden Wirkung nach Sengers Treffer war so wenig zu sehen wie von zielstrebigen Kontern. Auch fehlte der souveräne Kapitän auf der Kommandobrücke, der für Ruhe und Entlastung gesorgt hätte. Immerhin war die Defensive so stabil, dass der FC Vaduz ausschliesslich nach Standardsituationen gefährlich wurde. Doch Schürpf (59.) und Pak (83.) köpfelten nach Eckbällen von Neumayr über das Tor. Und Aliji (66.) traf aus grosser Distanz nur den Pfosten.

Fünf Punkte Abstand

Es brauchte also keinen Joël Mall in herausragender Form. Aber einen Marco Thaler, der eine fehlerlose Partie ablieferte. Einen Juan Pablo Garat, der die richtige Dosierung zwischen gnadenloser Härte und Abgeklärtheit fand, in der 52. Minute nach einer Lüscher-Ecke aber die Chance zum 2:0 vergab. Und es brauchte einen Kim Jaggy, der als einer der wenigen für Entlastung sorgte.

«Wir haben ein Zeichen gesetzt», sagte Ponte. «Wir leben. Es wird wieder interessant. Aber noch ist nichts erledigt.» Aber wenigstens konnten die Aarauer den Abstand auf einen Nichtabstiegsplatz auf fünf Punkte verringern.

Nur, was löst dieser Sieg, seinem ersten im dritten Spiel als Aarau-Trainer, bei Ponte aus? «Wenn du immer verlierst, kannst du als Trainer sagen, was du willst: Irgendwann glauben dir die Spieler nicht mehr. Dieser Sieg ist auch die Bestätigung dafür, dass mit Disziplin und Ordnung etwas machbar ist.»
«Wir hoffen immer auf den nächsten Tag, wahrscheinlich erhofft sich der nächste Tag einiges von uns», schrieb Ernst R. Hauschka. Der nächste Spieltag beschert dem FC Aarau den kriselnden FC Zürich. Zu Hause. Im Brügglifeld. Dem Theater der ewig Hoffnungsvollen.

Matchtelegramm:

Vaduz - Aarau 0:2 (0:1)

3835 Zuschauer. - SR Klossner. - Tore: 32. Senger 0:1. 90. Costanzo (Andrist) 0:2.

Vaduz: Jehle; von Niederhäusern (55. Untersee), Kaufmann, Stahel, Aliji; Kryeziu, Muntwiler, Ciccone; Neumayr, Burgmeier (70. Pak), Lang (46. Schürpf).

Aarau: Mall; Nganga, Thaler, Garat, Jaggy; Burki; Andrist, Lüscher (77. Costanzo), Radice, Djuric (59. Jäckle); Senger (35. Sliskovic).

Bemerkungen: Vaduz ohne Cecchini, Flatz, Grippo, Pergl (alle verletzt), Hasler (rekonvaleszent) und Kuzmanovic (krank), Aarau ohne Gauracs, Gygax (beide verletzt) und Mickels (gesperrt). 35. Senger verletzt out (rechter Fuss). 66. Pfostenschuss von Aliji. Verwarnungen: 64. Jaggy (Foul). 65. Nganga (Foul).

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