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FC Aarau rüstet sich für die Super League: Vernünftig, aber unspektakulär

Dante Senger soll auf die kommende Saison noch Unterstützung im Sturm erhalten.

Dante Senger soll auf die kommende Saison noch Unterstützung im Sturm erhalten.

Knapp eine Woche vor Saisonbeginn stehen beim Super League-Aufsteiger FC Aarau noch immer grosse Fragezeichen. Vor allem die Suche nach Verstärkungen gestaltet sich als äusserst schwierig. Die Geduld soll sich am Schluss ausbezahlen.

Alexander Gonzalez, Swen König, Bruno Martignoni und Otele Mouangue. Das sind bis dato die Neuverpflichtungen des FC Aarau. Gewiss keine grossen Namen. Der venezolanische Aussenverteidiger Gonzalez hat bei YB den Durchbruch nicht geschafft.

König hat zwar schon bei GC und Luzern mit der Super League geflirtet, wie es Trainer René Weiler ausdrückt. Aber nachhaltig etablieren konnte sich der Torhüter jeweils nicht. Der 20-jährige Verteidiger Martignoni, U17-Weltmeister mit der Schweiz, hat null Super-League-Erfahrung.

Und für den kamerunischen Stürmer Mouangue gilt das Gleiche wie für Gonzalez: Mit einem Tor in zehn Super-League-Partien für Luzern drängt er sich nicht zwingend für höhere Aufgaben auf.

Trotzdem machen die bisherigen Transfers Sinn. Finanziell, weil sie für den FC Aarau mit seinem für die Super League bescheidenen Budget (7,5 Millionen gesamt, 5 Millionen für die Profiabteilung) keinen Kraftakt bedeuten.

Menschlich, weil sie im Gegensatz zu anderen Kandidaten keine überrissenen Ansprüche stellen. Sportlich, weil sie lernwillig und entwicklungsfähig sind; und weil sie Potenzial haben, das andernorts nicht ausgeschöpft worden ist.

Die Suche nach einem Stürmer


Natürlich hat der FC Aarau bisher auf dem Transfermarkt mehr Absagen als Zusagen bekommen. Man hätte gerne Beg Ferati verpflichtet. Aber im Bieterverfahren mit Sion sieht Aarau etwa so aus wie ein schmalbrüstiger Konfirmand beim Schwergewichtsboxen.

Das soll kein Vorwurf an die Klub-Bosse sein. Aarau hat keinen Christian Constantin. Dafür hat das Fass des FC Aarau einen intakten Boden.

Deshalb sind Spieler wie Karanovic (zu St. Gallen), Dedic (zu Dynamo Dresden), Kouassi (bleibt bei Servette) oder Moussilou mit ihren Gehaltforderungen beim FC Aarau abgeblitzt. Das aktuelle Kader des Aufsteigers dürfte den höheren Anforderungen kaum genügen.

Denn es beinhaltet zu viele Fragezeichen. Wie verkraftet Davide Callà (28), dessen Karriere von diversen schweren Verletzungen geprägt ist, die körperlichen Strapazen der Super League? Sind die Innenverteidiger Jiri Koubsky (30) und Juan Pablo Garat (30) physisch robust genug, um eine Saison durchzustehen?

Wer spielt im zentralen Mittelfeld, wenn Artur Ionita oder Sandro Burki ausfällt? Kann Burki im Gegensatz zur letzten Saison einen Gang hochschalten? Kann Alain Schultz auch eine Liga höher mit seiner Schlauheit das fehlende Tempo kaschieren?

Wer sorgt für die genialen Momente, wenn Remo Staubli wieder verletzt ausfallen sollte? Überhaupt: Wer schiesst die Tore? Und wie reagiert die zuletzt vom Erfolg verwöhnte Mannschaft, wenn sie drei, vier Rückschläge in Serie hinnehmen muss?

Beim FC Aarau ist allen Beteiligten klar, dass mehr Substanz benötigt wird. Es braucht noch einen Innenverteidiger, einen zentralen Mittelfeldspieler und vor allem einen Stürmer, der weiss, wo das Tor steht.

Die Aarauer haben diesen Stürmer offenbar in Italiens Serie A gefunden. Ob er auch kommen wird, ist noch offen. Auch wenn es Stimmen gibt, welche Aaraus Zurückhaltung auf dem Transfermarkt kritisieren: Panik ist fehl am Platz.

Das Warten auf den Schnäppchen-Wühltisch

Man hat richtigerweise auf Hüftschüsse (O-Ton Urs Bachmann) verzichtet. Denn Fakt ist: Aarau steigt im Sommerschlussverkauf bestenfalls als Nummer 10 der Schweiz ins Rennen. Und auch die Schweiz wiederum steigt europaweit bestenfalls als Nummer 10 ein.

Solange die Positionen bei den grossen Klubs Europas noch nicht besetzt sind, wird sich der FC Aarau in Geduld üben müssen, ehe er sich am Schnäppchen-Wühltisch doch noch bedienen kann.

Gonzalez, König, Martignoni und Mouangue sind noch kein Commitment für die Super League. Ein Bekenntnis zur höchsten Liga bedingt mehr fussballerische Qualität bei den Neuzuzügen.

Das sieht die sportliche Führung um Präsident Alfred Schmid und Sportkoordinator Urs Bachmann ähnlich. Aufstiegseuphorie, ein positiver Saisonstart, ein guter Trainer (René Weiler) und dazu ein vorbildlicher Teamgeist – das allein reicht nur im optimalen Fall, die höchste Spielklasse der Schweiz zu halten.

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