Wie lange sind Sie noch Präsident des FC Aarau?
Der Verwaltungsrat ist bis 2019 gewählt. Bis dann bleiben wir im Amt. Aber wir verfolgen mit Argusaugen, was sich in den nächsten Wochen in der Stadionfrage tut.

Was muss passieren, damit Sie schon an der nächsten Generalversammlung am 5. Juni 2018 zurücktreten?
Das schliesse ich Stand heute aus. Wir wollen in der nächsten Saison mögliche Nachfolger prüfen.

Treten mit Ihnen im Sommer 2019 auch die anderen fünf Verwaltungsräte zurück?
Ich kann nur für mich reden. Was meine Kollegen planen, weiss ich nicht.

Haben Sie Ihren Nachfolger im Visier?
Ich habe mir Gedanken gemacht und Gespräche geführt. Mir ist wichtig, dass der neue Präsident über den Umfang dieses Engagements Bescheid weiss und sich dafür eignet.

Ist es möglich, dass der FC Aarau an einen Mehrheitsaktionär verkauft wird?
Dazu bräuchte es das Einverständnis der Aktionäre. Wir wollen, dass der FC Aarau auch in Zukunft breit abgestützt ist und nachhaltig gewirtschaftet wird.

Zum Stadion-Projekt: Dass bis zum Ablauf der Baubewilligung im Torfeld Süd die Abbrucharbeiten beginnen, daran zweifelt niemand. Ist das der Strohhalm, an dem Sie sich festhalten?
Unsere Probleme löst das nicht: Wir müssen wissen, ob das Stadion gebaut wird und wann der FC Aarau einziehen kann.

In der Stadionfrage liegen die Nerven blank: Michael Hunziker von «meinstadion.ch» fordert Sanktionen gegen die HRS, falls diese das Stadion nicht baut. Was sagen Sie dazu?
Wir sind am Punkt angelangt, an dem Fakten auf den Tisch müssen. Will die HRS das Stadion wirklich bauen? Bis wann? Wie viel mehr als die 36 Millionen kostet das Stadion wirklich? Es braucht jetzt Antworten! Darum unterstützen wir Michael Hunziker und seine Crew, weil er damit Druck aufsetzt und zügig Lösungen anstreben will. Als FC Aarau aber sind wir zwischen Stuhl und Bank: Unser Ziel ist es, dass das Stadion gebaut wird. Und darüber entscheidet nun mal die Grundstückbesitzerin HRS.

Es gibt einige Stimmen, mit der Forderung nach Sanktionen habe Hunziker dem Projekt geschadet statt geholfen.
Michael Hunziker ist ein renommierter Anwalt. Er und seine Mitstreiter René Herzog und Stéphane Meyer wissen, was sie tun und wie sie taktisch vorgehen müssen. Ich stehe zu 100 Prozent hinter ihrer Vorgehensweise.

Hand aufs Herz: Glauben Sie noch an ein Stadion im Torfeld Süd?
Die Problematik ist bekannt. Aufgrund dieser Fakten wird es schwierig. Nochmals: Diese Entscheidung liegt bei der HRS, namentlich beim CEO Martin Kull.

Bereits ist die Rede von einem Ausweichprojekt in der Obermatte Buchs.
Anhand der Situation müssen wir über Alternativen nachdenken und der HRS klarmachen, dass die Stadion-Millionen auch an ein anderes Bauunternehmen fliessen könnten. Leider sind wir momentan an mangelhafte Verträge zwischen der Stadt und der HRS gebunden.

Ist die Obermatte ein Luftschloss oder eine konkrete Alternative?
Die Idee ist ja nicht neu. Platz wäre genügend vorhanden. Klar würde es auch dort lange dauern, bis ein Stadion stehen würde. Aber es ist unsere Pflicht, alles dafür zu unternehmen, dass auch in Zukunft in Aarau Profifussball möglich ist. Der Stadion-Standort ist sekundär.

Die Stadionfrage hat Sie seit Ihrem Amtsantritt vor 11 Jahren begleitet. Momentan sieht es leider so aus, dass das Projekt stirbt. Das muss wehtun.
Als wir angetreten sind, galt als sicher, dass wir spätestens 2010/11 ins neue Stadion einziehen. Schon damals war der FCA strukturell zu schwach für die Super League, aber wegen der Perspektiven haben wir alles dafür getan, oben zu bleiben. Wir hatten treue Sponsoren wie die Firma Zehnder, die an das Stadionprojekt geglaubt haben. Gemeinsam haben wir gehofft und gebangt, dass das Stadion kommt. Trotz immer wiederkehrenden Rückschlägen und dem Abstieg in die Challenge League blieben und bleiben uns die Sponsoren treu. Die Jahre waren aber zermürbend, vor allem weil der Spatenstich immer wieder kurz bevorstand, dann aber doch wieder verzögert wurde.

Ist es für Sie eine persönliche Niederlage, dass Sie den FC Aarau ohne neues Stadion übergeben werden?
Nein. Meine Verwaltungsrats-Kollegen und ich wissen, mit welcher Energie wir dieses Projekt verfolgt haben. Die heutige Problematik hat ihre Wurzeln bei anderen Personen. Den Wunsch der HRS, die Querfinanzierung des Stadions mit Hochhäusern zu sichern, kann ich aus unternehmerischer Sicht nachvollziehen. Gleichzeitig bin ich enttäuscht von Herrn Kull, weil er uns stets versprochen hat, das Stadion innert nützlicher Frist zu bauen.

War es ein Fehler, das Schicksal des FC Aarau in die Hände dieses einen, aber unsicheren Stadion-Projekts zu legen und nicht schon früher Alternativen aufzugleisen?
Wir haben immer daran geglaubt, weil es der beste Standort für das Stadion ist. Wären wir zweigleisig gefahren, hätten wir das Projekt im Torfeld Süd kannibalisiert.

Was würden Sie rückblickend anders machen?
Wir waren im Stadionprojekt im gleichen Boot wie alle Befürworter, aber gleichzeitig auch machtlos, weil das Grundstück im Besitz der HRS ist. Etwas würde ich anders machen: Die Bemühungen, im Stadion-Prozess Klarheit zu schaffen, hätten früher erfolgen müssen. Nun stehen wir vor Tatsachen, die vor einiger Zeit niemand vorausgeahnt hatte.

Sie sind ein Präsident im Hintergrund. Dafür werden Sie immer wieder auch kritisiert.
Mich braucht nicht jeder zu kennen. Die Leute sollen den FC Aarau und die sportlichen Leistungen wahrnehmen. Als Präsident ist es mein grösstes Anliegen, dass der Klub finanziell gesund ist und in der Bevölkerung und in der Wirtschaft eine breite Abstützung hat. Das Aktienkapital ist über 100 Prozent gedeckt. Wer Details kennt, weiss, was meine Crew und ich in Anbetracht der vorhandenen Mittel und Infrastruktur geleistet haben und bis auf Weiteres leisten werden.

FCA-Präsident Alfred Schmid im Gespräch mit "Mein Stadion"-Initiant Michael Hunziker und dem neu gewählten Stadtrat Daniel Siegenthaler

Als Präsident ist es mein grösstes Anliegen, dass der Klub finanziell gesund ist und in der Bevölkerung und in der Wirtschaft eine breite Abstützung hat.

FCA-Präsident Alfred Schmid im Gespräch mit "Mein Stadion"-Initiant Michael Hunziker und dem neu gewählten Stadtrat Daniel Siegenthaler

Als Präsident sind Sie in letzter Instanz auch für die sportliche Situation verantwortlich. Und sportlich stand der FC Aarau noch nie so schlecht da wie jetzt.
Bestünde die Super League immer noch aus 18 oder 14 Mannschaften, wäre der FCA in der höchsten Spielklasse. Nach der Abspeckung der Liga haben viele Klubs aufgerüstet und neue Stadien gebaut, bei uns war das Gegenteil der Fall. Irgendwann ging die Rechnung nicht mehr auf. Welcher Super-League-Klub hat kein modernes Stadion oder zumindest eines im Bau? Wir wollen unseren Sponsoren mehr bieten, als sie momentan vorfinden. Trotzdem: Der FC Aarau muss sportlich mehr bieten, als die Zuschauer zurzeit zu sehen bekommen.

Was denken Sie über ein Spiel wie das 0:4 gegen Servette vor einer Woche?
Die Zusammensetzung der aktuellen Mannschaft reicht momentan nicht für einen Aufstiegsplatz. Für die neue Saison wollen wir das korrigieren, um auf Augenhöhe mit den Mannschaften zu sein, die mit dem Aufstieg spekulieren.

Die Zuschauerzahlen sind auch auf einem Rekordtief. Der FC Aarau wird den Leuten egal.
Das schmerzt und hat sicher in erster Linie mit den sportlichen Leistungen zu tun. Vor der Saison haben wir angekündigt, vorne mitspielen zu wollen. Nach dem Fehlstart war das schon im Sommer nicht mehr möglich. Positiv gesehen haben wir immer noch den viertbesten Zuschauerschnitt in der Challenge League.

Ist das sportliche Tief der einzige Grund? Hat sich der FC Aarau nicht auch von den Menschen entfremdet? Ein Auswärtiger weiss nach einem Stadtbummel nicht, dass es hier einen dreifachen Schweizer Meister gibt.
Dem entgegenwirken kann man mit einer zeitgemässen Infrastruktur, dank der sportlich attraktive Leistungen resultieren und der FC Aarau der Stadt und den Zuschauern wieder Freude bereiten kann.

Identifizieren sich die Spieler nicht mehr mit dem FC Aarau?
Motivation und Identifikation resultieren nicht nur aus finanziellem Aspekt. Ein zeitgemässer, professioneller Arbeitsplatz ist genauso wichtig.

Die Wachablösung beim FC Aarau ist im Gang. Es heisst, dass Sandro Burki an der nächsten Generalversammlung in den Verwaltungsrat gewählt wird.
Davon weiss ich nichts. Sandro ist früher als erwartet Sportchef geworden und daran, sich einzuarbeiten. Es wäre kontraproduktiv, ihn mit Verantwortung zu überladen. Er hat genug Arbeit, im Bereich Sport das Maximum herauszuholen.

Die Profimannschaft kostet in dieser Saison rund 4,5 Millionen Franken. Muss Burki für nächste Saison den Gürtel enger schnallen?
Nein. Unsere wichtigsten Sponsoren aus den Gefässen White Socks und Club 100 werden uns in gleichem Umfang unterstützen. Das Budget wird gleich bleiben.


Das ist schon ein Phänomen: Trotz Abwärtsspirale halten Gönner und Sponsoren dem FCA die Treue.

Das ist kein Phänomen, sondern der Beweis, dass neben dem Platz vertrauensvoll gearbeitet wird. In Anbetracht der momentanen Situation zeigt dies, welche starken Beziehungen vorhanden sind.


Zurück zu Burki: Hat er im Hinblick auf die neue Saison mehr Freiheiten als bisher?
Sandro hat sich gut eingearbeitet und hat mittlerweile die nötigen Kompetenzen. Er ist das sportliche Gewissen und gibt die Richtung vor. Die Gesamtverantwortung bleibt beim Verwaltungsrat.

Wird der Trainer auch in der nächsten Saison Marinko Jurendic heissen?
Resultatmässig konnten er und die Mannschaft die Erwartungen bislang nicht erfüllen. Aber sollte sich bis Ende Saison ein Aufwärtstrend ergeben, hiesse das, er hat in der Rückrunde die gleiche Mannschaft besser gemacht. Nach dem Derby haben wir zwei entscheidende Spiele gegen Rapperswil-Jona, in denen es um den angepeilten Rang 4 geht.

Zum Schluss: Was würden Sie an unserer Stelle noch vom FCA-Präsidenten wissen wollen?
(lacht) Ich glaube, das waren genügend Fragen zu meiner Person. Doch etwas möchte ich nochmals betonen: Wir befinden uns in der finalen Phase, was die Zukunft des Aargauer Profifussballs angeht. Es ist bedauerlich, dass ein Bauunternehmen über das Schicksal des FC Aarau entscheidet.