Faktor neun kommt etwa hin, wenn man, die Budgets von Aarau und YB vergleicht. Von dieser Differenz war gestern auf dem Platz nichts zu sehen. YB hat einmal mehr eine jämmerliche Vorstellung geboten. Zwar gelang den Bernern unmittelbar nach dem 0:1 durch Raphaël Nuzzolo der Ausgleich zum 1:1. Aber das war schon alles punkto offensiver Feuerkraft. Selbst, nachdem Sven Lüscher mit seinem zweiten Treffer Aarau wieder in Führung schoss, war kein seriöses Aufbäumen gegen die Niederlage erkennbar.

Gross war die Zuversicht bei YB, nachdem die ersten fünf Saisonspiele alle gewonnen wurden. Man dachte, die Berner hätten nun alles, um ernsthafte Titelambitionen anzumelden. Trainer Uli Forte hatte in der Saison das ramponierte Image von GC nachhaltig aufpoliert.

Sportchef Fredy Bickel hatte schon beim FCZ bewiesen, dass er ein Meisterteam zusammenstellen kann. Mit Steve von Bergen wurde endlich ein Abwehrspieler mit Chef-Charakter engagiert. Und als in der Winterpause auch noch Ligatopskorer Josef Martinez und Abwehrstratege Milan Vilotic verpflichtet wurden, schienen das Meisterpuzzle perfekt.

Aber YB wäre nicht YB, wenn es ohne Rückschläge durch die Meisterschaft marschieren würde. Würde man eine Tabelle ab der sechsten Runde erstellen, läge YB nur auf Rang acht.

Vieles wurde versucht bei YB, um die Sehnsucht der Fans endlich mit einem Titel zu stillen. Aber weder mit dem weltmännischen Gernot Rohr, noch mit dem bodenständigen Bidu Zaugg, dem naiven Martin Andermatt, dem schlauen Vladimir Petkovic, dem strengen Christian Gross oder dem netten Martin Rueda schaute etwas Zählbares heraus.
Forte und Bickel setzen auf zwischenmenschliche Beziehungen. Fast jeder Spieler, den YB verpflichtet, hat irgendeine Verbindung zu mindestens einem von ihnen. Aber es steckt etwas viel «Gspürschmi» und etwas wenig Leistungskultur in diesem YB. Dazu passt, dass Forte erst nach dem 1:2 ein kopfloses YB gesehen hat. Wir haben ein YB gesehen, das sich ziemlich leidenschaftslos seinem Schicksal ergeben hat.

Ganz anders der FC Aarau. Wie er nur zwei Minuten nach dem 1:0 Nuzzolos Nackenschlag wegsteckte, war ganz grosse Klasse. «Wir haben im Kollektiv hervorragend gearbeitet», resümierte Trainer René Weiler. «Der Sieg ist umso schöner, als wir in der Vorrunde gegen YB 0:4 und 0:3 verloren haben. Wir sind auf einem sehr guten Weg, um unser Saisonziel Klassenerhalt zu erreichen.»

Der FC Aarau hat nun gegen jeden Gegner mindestens einmal gepunktet. Erstaunlich dabei, dass einzelne Spieler, deren Super-League-Tauglichkeit angezweifelt wurde, einen veritablen Steigerungslauf offenbaren. Darunter auch der gestrige Doppeltorschütze Sven Lüscher, der vor knapp sechs Jahren einen ersten, erfolglosen Versuch unternommen hat, um bei YB in der Super League Fuss zu fassen. Warum er nun erst mit 30 den Sprung geschafft hat, ist ebenso mysteriös wie die Erfolgslosigkeit bei YB.

Das Telegramm:

Aarau - Young Boys 2:1 (0:0)

Brügglifeld. - 6153 Zuschauer. - SR Pache. - Tore: 50. Lüscher (Nganga) 1:0. 52. Nuzzolo (Spycher) 1:1. 69. Lüscher (Senger) 2:1.

Aarau: Unnerstall; Nganga, Jäckle, Bulvitis, Jaggy; Ionita, Burki; Andrist (59. Gygax), Lüscher, Radice; Senger (75. Hallenius).

Young Boys: Mvogo; Sutter, Vilotic, Von Bergen, Rochat; Gajic (78. Afum), Spycher; Zarate, Costanzo (67. Kubo), Nuzzolo; Martinez.

Bemerkungen: Aarau komplett. YB ohne Steffen, Frey (beide gesperrt), Gerndt, Wölfli, Bürki, Simpson und Dubai (alle verletzt). 6. Lattenkopfball von Bulvitis. Verwarnungen: 22. Rochat. 33. Ionita. 54. Martinez (alle Foul). 66. Jaggy (Reklamieren).

Der Liveticker:

Endstand: FC Aarau - BSC Young Boys 2:1

Abpfiff: Endlich, der FC Aarau gewinnt nach 20 sieglosen Direktduellen gegen YB dank einer starken Mannschaftsleistung - und zwei Toren des früheren YB-Spielers Sven Lüscher.

90. Minute: Es werden mindestens drei Minuten nachgespielt. Kubo schiesst übers Aarauer Gehäuse.

87. Minute: Eine schöne Aarauer Kombination schliesst Gygax von halblinks ab. Keeper Mvogo klärt zur Ecke.

85. Minute: Martinez nimmt das Leder im Aarauer Strafraum an, sein Abschluss gerät aber viel zu harmlos.

82. Minute: Die Aarauer zeigen eine solidarischen Willensleistung, um den Vorsprung zu verteidigen.

78. Minute: Zweiter Wechsel bei YB - Afum für Gajic.

77. Minute: Nuzzolo schiesst direkt in die Arme von Unnerstall.

75. Minute: Zweiter Wechsel bei Aarau - Hallenius für Senger.

68. Minute: TOOOOOOOOOOOR für Aarau - 2:1! Nach einer Hereingabe von Jaggy kommt zwar Senger nicht zum Abschluss, aber in der allgemeinen Unordnung trifft erneut der frühere YB-Spieler Lüscher zur heimischen Führung.

68. Minute: Es sind 6'153 Zuschauer anwesend.

67. Minute: Erster Wechsel bei YB - Kubo für Costanzo.

66. Minute: Verwarnung gegen Jaggy (Unsportlichkeit).

65. Minute: Nach einer Freistossflanke von Lüscher scheitert Senger aus kürzester Distanz an Goalie Mvogo. Danach schiesst auch Nganga vorbei.

60. Minute: Nach einem glücklichen Ballgewinn flankt Ionita zur Mitte, wo Senger nur um Haaresbreite am Ball vorbeirutscht.

59. Minute: Erster Wechsel bei Aarau - Gygax für Andrist.

54. Minute: Verwarnung gegen Martinez (Foulspiel an Lüscher).

52. Minute: TOR für YB - 1:1! Nuzzolo kann postwendend ausgleichen, indem er Goalie Unnerstall aus kurzer Distanz überlobt. Da waren die Aarauer wohl noch in Feierlaune - und schon ist die Führung wieder dahin.

50. Minute: TOOOOOOOOOR für Aarau - 1:0! Nach einer sackstarken Einzelleistung von Nganga kann Lüscher alleine vor Mvogo zur Führung vollenden.

20.50 Uhr: Anpfiff zur zweiten Halbzeit, nachdem sich der Rauch der YB-Pyroaktion weitgehend gelichtet hat.

Halbzeit: In einer ausgeglichenen und ereignisarmen Begegnung steht es nach 45 Minuten immer noch 0:0. Beide Mannschaften schossen bislang jeweils nur einmal aufs gegnerische Gehäuse.

45. Minute: Es werden mindestens zwei Minuten nachgespielt.

40. Minute: Zurzeit tut sich nichts mehr im Brügglifeld. Zwar ist YB mehrheitlich im Ballbesitz, aber Torgefahr können die Gäste nicht erzeugen. Die Aarauer Defensive steht in der ersten Halbzeit sehr sicher.

33. Minute: Verwarnung gegen Ionita (Foulspiel).

27. Minute: Einen Moment lang besitzt Costanzo zu viel Platz am Aarauer Strafraum. Aber der Abschluss ist kein Problem für Unnerstall.

22. Minute: Verwarnung gegen Rochat (Foulspiel an Andrist). Aber der nachfolgende Freistoss bringt nichts ein.

18. Minute: Gefährliche Hereingabe der Young Boys, doch Jäckle kann in extremis zum Corner klären.

13. Minute: Radice muss sich pflegen lassen, nachdem er beim Abschluss von Costanzo mit letztem Einsatz gerettet hatte. Ein unglücklicher Zusammenprall, aber es scheint weiter zu gehen für den Aarauer Flügelspieler.

6. Minute: Erste Aufregung im Brügglifeld - nach einem Lüscher-Corner köpft Bulvitis an die Querlatte. Als der Ball wieder aufs Spielfeld zurückprallt, ist Nganga aus kurzer Distanz zu überrascht, um erfolgreich abschliessen zu können.

2. Minute: Auf der Gegenseite setzt Martinez zu einem technischen Kabinettstückchen an, aber sein Fallrückzieher fliegt am Tor vorbei.

1. Minute: Erster Abschlussversuch von Andrist aus grosser Distanz - deutlich am Berner Gehäuse vorbei.

19.46 Uhr: Anpfiff durch Schiedsrichter Sébastien Pache.

Aufstellung Aarau: Unnerstall; Nganga, Bulvitis, Jäckle, Jaggy; Burki, Ionita; Andrist, Lüscher, Radice; Senger. - Auf der Ersatzbank: König; Foschini, Garat, Gygax, Hallenius, Martignoni und Schultz. - Nicht dabei: Gonzalez, Mall und Teichmann (nicht im Aufgebot).

Aufstellung YB: Mvogo; Sutter, Vilotic, Von Bergen, Rochat; Gajic, Spycher; Zarate, Costanzo, Nuzzolo; Martinez. - Auf der Ersatzbank: Von Ballmoos; Afum, Bertone, Hadergjonaj, Kubo, Lecjaks und Wüthrich. - Nicht dabei: Frey, Steffen (beide gesperrt), Bürki, Doubai, Gerndt, Simpson, Wölfli (alle verletzt), Kiener und Sessolo (beide U-21).

Auch längerfristig sieht die Aarauer Bilanz gegen YB düster aus. Der letzte FCA-Sieg gelang am 16. Oktober 2005 (1:0), seither gab es zwanzig Pflichtspiele ohne einen Aarauer Vollerfolg. Zuletzt gab es acht YB-Siege in Folge gegen Aarau mit einem Torverhältnis von 27:2.

Beide Mannschaften treffen zum dritten Mal in der laufenden Saison aufeinander. Die bisherigen Vergleiche endeten jeweils mit einem deutlichen Berner Erfolg. Aus Aarauer Sicht hiess es 0:3 bzw. 0:4, so dass die Schützlinge von Cheftrainer René Weiler noch immer auf das erste Erfolgserlebnis gegen YB in dieser Saison warten; vor allem der erste Auftritt im Brügglifeld war bitter, als die Berner mit einer höchst eiffzienten Leistung vier Tore erzielten konnten.

Erst in der Vorwoche durfte der FCA vor heimischen Publikum antreten und setzte sich dank Toren der Ex-Winterthurer Luca Radice und Sven Lüscher gegen den FC Sion verdientermassen mit 2:0 durch. Die Bundesstädter warten hingegen seit vier Meisterschaftsspielen auf einen Sieg; zuletzt musste such YB daheim gegen den Grasshopper Club Zürich gleich mit 0:4 geschlagen geben. Dabei wurden Angreifer Michael Frey und Ex-FCA-Junior Renato Steffen jeweils mit einer Ampelkarte vom Platz gestellt, so dass sie heute Abend zum Zuschauen gezwungen sind.

Herzlich Willkommen aus dem Stadion Brügglifeld. In einer Stunde wird die Super-League-Begegnung zwischen dem FC Aarau und dem BSC Young Boys angepfiffen.