FC Aarau Frauen
«Kann dem Team keinen Vorwurf machen»: Der Trainer der FCA Frauen nimmt Positives mit aus der 0:5-Niederlage

In ihrem ersten Saisonspiel bekommen die FC Aarau Frauen in
St. Gallen gleich die Qualitäten der Super League aufgezeigt. Coach Selver Hodzic betreibt gleich nach Abpfiff Ursachenforschung – und bleibt zuversichtlich.

Frederic Härri
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Valeria Cortello und die FCA Frauen haben in ihrer ersten Super-League-Partie eine Lehrstunde erhalten.

Valeria Cortello und die FCA Frauen haben in ihrer ersten Super-League-Partie eine Lehrstunde erhalten.

Michel Canonica

Selver Hodzic hatte sein Lächeln schnell wieder gefunden. Einen, der einmal Champions League spielte, haut auch eine ­Nie­derlage im Stadion Espenmoos nicht mehr so leicht um – und möge sie noch so heftig ausgefallen sein.

0:5 haben die FC Aarau Frauen bei ihrer Rückkehr in die Super League verloren. Es war ein unglücklicher Einstand für Hodzic, den neuen Coach, der mit verbaler Kritik nach Schlusspfiff zwar nicht gänzlich geizte, sie aber doch äusserst dezent einsetzte. «Ich kann dem Team keinen Vorwurf machen», sagte Hodzic bilanzierend nach den 90 Minuten. «Meine Spielerinnen haben gekämpft und bis zum Schluss alles versucht. Wir haben uns nie aufgegeben.»

In den Zweikämpfen hatten die FC Aarau Frauen oftmals das Nachsehen.

In den Zweikämpfen hatten die FC Aarau Frauen oftmals das Nachsehen.

Urs Bucher/Freshfocus / freshfocus

Vielleicht war es für Hodzic leichter, das 0:5 zu akzeptieren, weil sich der Gegner ja doch in vielerlei Hinsicht offensichtlich besser präsentierte. Der FC St. Gallen-Staad zeigte seinen Gästen schonungslos die Qualitäten dieser Liga auf, in der es härter, schneller und kaltblütiger zu und hergeht, als sich das die Aarauerinnen bislang gewohnt waren. Im Fussball spricht man oft ein wenig floskelhaft vom Lehrgeld, das bezahlt wird, wenn ein Team deutlich unterlegen war. Würde es ein solches tatsächlich geben, dann hätten es die FCA Frauen schon früh in dieser Partie am Eingangskässeli abgeben müssen.

Nach einem Eckball gerieten die Aarauerinnen in der 3. Minute in Rückstand, danach hielten sie sich einigermassen solide im Spiel, legten den Respekt ab und trauten sich allmählich mehr zu. Doch der Wagemut wurde in der 38. Minute bestraft, als man den St. Gallerinnen auf der linken Angriffsseite zu viel Raum zum Kombinieren zugestand. Man fing sich den zweiten Gegentreffer ein, der dritte folgte nur drei Minuten später. Der Weitschuss der exzellenten St. Galler Mittelfeldspielerin Jennifer Wyss in der 41. Minute fühlte sich an wie die Entscheidung, und sie war es dann auch. Die Gegentore Nummer vier und fünf (ein Penalty und ein Sonntagsschuss) im zweiten Umgang schälten die Unterschiede lediglich ein bisschen deutlicher heraus.

Seraina Friedli im Tor bewahrte die Red Boots vor einer höheren Niederlage.

Seraina Friedli im Tor bewahrte die Red Boots vor einer höheren Niederlage.

Michel Canonica

Hodzic hofft, dass sich die Nervosität bald legen wird

Innenverteidigerin und Captain Michelle Stierli fand es nach Abpfiff «schwierig, Worte zu finden», und versuchte es dennoch. «Wir waren in den Zweikämpfen zu weit weg, uns hat es an Härte und Laufbereitschaft gefehlt», sagte sie, während sich ihr Trainer schon bei der Ursachenforschung befand. «Ich hatte das Gefühl, dass sich meine Spielerinnen viel Druck auferlegt haben und deshalb zeitweise wie gelähmt waren», sagte Selver Hodzic. Anders könne er sich nicht erklären, weshalb derart viele einfache Bälle wiederholt vom Fuss sprangen.

Sorgen muss man sich um die Red Boots gleichwohl nicht. Hodzic ist zuversichtlich, dass sich die Nervosität in absehbarer Zeit legen wird – «und wir so tschutten, wie wir tschutten können». Am kommenden Samstag bietet sich gegen den FC Luzern ja bereits die nächste Gelegenheit.

Der Match kurz zusammengefasst:

Den Start hätte sich Selver Hodzic mit Sicherheit anders gewünscht. Schon in der dritten Minute gerieten die FC Aarau Frauen beim Debüt des neuen Cheftrainers in Rückstand. Nach einem Corner kam die St. Galler Innenverteidigerin Naja Glanzmann frei zum Kopfball und sorgte für das 1:0.

Nach der kalten Dusche waren die Aarauerinnen um Stabilität und Ballbesitz bemüht. Doch weil die Spielerinnen von St. Gallen-Staad früh störten und ihre Gegnerinnen sogleich doppelten, gingen die Bälle schnell verloren.

In der Defensive ging es für die FCA Frauen oftmals viel zu schnell. Gekonnt kombinierten sich die St. Gallerinnen vornehmlich über die rechte Aarauer Abwehrseite – einmal trafen sie den Pfosten, einmal rettete FCA-Goalie Seraina Friedli in höchster Not.

Kurz vor der Halbzeitpause war aber auch die Torhüterin zweimal machtlos. Erst verwandelte Valeria Iseli eine schöne Ballstafette zum 2:0, dann sorgte Jennifer Wyss mit einem Traumtor von der Strafraumkante gar für den dritten St.Galler Treffer.

Und auch die zweite Halbzeit brachte keine wirkliche Besserung für die Gäste. In der Offensive konnten die Red Boots nie wirkliche Gefahr entfachen und defensiv blieben sie weiterhin anfällig. Ein weiterer St. Galler Doppelschlag in der 67. und 69. Minute sorgte für das 0:5. Dabei blieb es auch bis zum Schluss, weil die Aarauerinnen in der Schlussphase noch ein paar gute Chancen vergaben und so den Ehrentreffer als kleinen Mutmacher verpassten.

Sie haben die Partie verpasst? Hier gibt es das Spiel zum Nachlesen:

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