FC Aarau Frauen
Aarau statt Toskana: Warum Natigoalie Friedli beim Super-League-Aufsteiger das Tor hütet

Natigoalie Seraina Friedli wollte die neue Saison in Italiens Serie A bestreiten, doch nun hat sie der Plan B nach Aarau geführt. Sie setzt sich dabei grosse Ziele: Mit den FCA Frauen möchte die Bündnerin die Playoffs erreichen.

Nik Dömer
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Friedli hat sich mit den FC Aarau Frauen grosse Ziele gesetzt.

Friedli hat sich mit den FC Aarau Frauen grosse Ziele gesetzt.

Alexander Wagner

Eigentlich wollte Seraina Friedli zu dieser Zeit in der Toskana sein. Genauer gesagt, in der Kleinstadt San Gimignano. Doch der Plan des Natigoalies ist nicht aufgegangen. Stattdessen pariert die Torhüterin nun die Bälle im Aarauer Schachen. Sie wird die neue Saison mit dem FC Aarau Frauen in der Super League in Angriff nehmen.

Friedli macht keinen Hehl daraus: «Natürlich wäre ich gerne in Italien geblieben. Es ist ein grosses Privileg, wenn du mit dem Fussball andere Länder kennen lernen kannst. Nebenbei ist das Niveau der Serie A an der Spitze schon ein gutes Stück besser und professioneller als das der Super League. Alle Spielerinnen sind Vollzeitprofis und können sich auf den Fussball fokussieren.»

Friedli möchte in Aarau etwas aufbauen

Trotzdem ist die 28-jährige Bündnerin mit ihrem Plan B beim FC Aarau zufrieden. Sogar mehr als das: «Als ich im Juni erfahren habe, dass die Lizenz von meinem Verein verkauft wird und wir uns nach neuen Teams umschauen müssen, hat Aarau grosses Interesse bekundet. Bei ihnen habe ich gemerkt, dass sie mich unbedingt im Verein haben möchten. Nebenbei war das Angebot sehr gut für Schweizer Verhältnisse.»

Friedli kann in Aarau zusätzlich mit dem Team Aargau trainieren.

Friedli kann in Aarau zusätzlich mit dem Team Aargau trainieren.

Alexander Wagner

Es habe auch andere Inte­ressenten gegeben, die Friedli aber nicht überzeugen konnten. Was der Torhüterin besonders am FC Aarau Frauen gefallen hat, ist, dass sie zusätzlich mit der U18 des Team Aargau trainieren kann. «Training mit den Jungs kannte ich bereits aus meiner Zeit bei YB. Das ist immer wieder spannend, weil die Spieler zuerst skeptisch sind und ich mir den Respekt erarbeiten muss. Mir gefällt die Intensität, es kommen härtere Schüsse aufs Tor wie bei einem normalen Training.»

Nebenbei reizte sie auch die Führungsrolle in Aarau. «Das Team ist sehr jung und unerfahren, hat aber auch viel Potenzial. Ich muss eine Führungsspielerin sein und meine Erfahrung miteinbringen. Nach fast zehn Jahren Erfahrung in der Super League erwarte ich das auch von mir selbst», erklärt die fünffache Meistertorhüterin.

Seraina Friedli sieht grosses Potenzial im Team der Aarauerinnen.

Seraina Friedli sieht grosses Potenzial im Team der Aarauerinnen.

Alexander Wagner

Ihr erster Eindruck sei bisher sehr zufriedenstellend: «Ich spüre das Vertrauen vom Trainer, er fragt regelmässig nach meiner Meinung und lässt mich viel reden. Das gibt mir viel, ich habe Spass daran, hier etwas aufzubauen.»

England ist und bleibt ein grosser Traum

Friedli ist sich dabei auch bewusst, dass in dieser Saison ein hartes Stück Arbeit auf sie und ihre Mitspielerinnen wartet: «Wir haben beim Test gegen GC zuletzt gemerkt, dass wir uns die Intensität noch nicht ganz gewohnt sind. Das wird bestimmt auch nicht ab dem ersten Spiel perfekt sein, viel eher ist es ein Prozess. Unsere Spielerinnen müssen sich daran gewöhnen und auch begreifen, dass 80 Prozent in den Zweikämpfen nicht mehr reicht. Wir müssen konstant 100 Prozent abliefern.»

Wollen die Aarauerinnen in der Super League bestehen, müssen sie konstant 100 Prozent abliefern.

Wollen die Aarauerinnen in der Super League bestehen, müssen sie konstant 100 Prozent abliefern.

Alexander Wagner

Die Bündnerin traut dem Team dennoch einiges zu: «Wir wollen die Abstiegsrunde vermeiden und einen Platz in den Playoffs ergattern. Platz 6 oder 7 wäre richtig gut, aber das traue ich uns auch zu.»

Ambitioniert gibt sich Friedli auch im Hinblick des Nationalteams, wo sie bisher nicht an Gaëlle Thalmann vorbeigekommen ist: «Ich habe dem Trainer gesagt, dass ich nicht in die Schweiz komme, um meine Karriere ausklingen zu lassen. Ich will ihm weiterhin mit guten Leistungen die Entscheidungen schwer machen. Alles andere liegt nicht in meiner Hand. Aber natürlich ist es weiterhin ein Ziel, irgendwann im Nationalteam häufiger auf dem Platz zu stehen.»

Friedlis grosses Ziel bleibt die Premier League.

Friedlis grosses Ziel bleibt die Premier League.

Alexander Wagner

Logisch ist für Seraina Friedli deshalb auch, dass sie nach dieser Saison wieder einen Job im Ausland anstreben will. Am liebsten möchte sie sich dabei mit den Besten messen: «England ist und bleibt ein grosser Traum, aber die Anforderungen sind sehr hoch. Deshalb befasse ich mich auch mit anderen Ligen, auch in Amerika oder Neuseeland zu spielen ist für mich nicht ausgeschlossen, da bin ich sehr abenteuerlustig und möchte mir keine Grenzen setzen.»

Aber auch einen Verbleib beim FC Aarau Frauen sei nicht ausgeschlossen: «Hier wird wirklich gute Arbeit geleistet, der Verein ist auf sehr gutem Weg. Es gibt viele Leute, die den Klub mit Leidenschaft vorantreiben. Wenn ich merke, dass ich mich hier optimal weiterentwickeln kann, dann gibt es für keinen Grund an den nächsten Wechsel zu denken», erklärt Seraina Friedli.

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