Die Freude war gross beim FC Aarau, als der sportliche Aufstieg vollbracht war. Selbst aus wirtschaftlicher Sicht stürzt man sich nicht blind in ein Wagnis. Man hat das mit Abstand kleinste Budget der Liga, und in Aarau steht auch das kleinste Stadion der Super League – jedenfalls was die zugelassene Kapazität angeht.

Zuletzt lag diese bei 9'249 Personen, jedoch sinkt diese jetzt Zahl nun auf 8'000 Zuschauer. Grund dafür sind die von der Swiss Football League auferlegten Sicherheitsmassnahmen, die unter anderem Drehkreuze an den Eingängen vorschreiben und Anforderungen an die Breite der Fluchtwege stellen.

Zusätzlicher Sektor mit Folgen

Die Zahl von 8000 Zuschauern wurde in den beiden letzten Super-League-Saisons von 2008 bis 2010 in 36 Heimspielen nur zweimal überschritten.

2011 beim Barragespiel gegen den FC Sion hat wurde Grenze in der Challenge League ebenfalls geknackt. Der viel wesentlichere Eingriff ist jedoch eine im Grunde kleine bauliche Massnahme: Die SFL verlangt nämlich, dass die Stehplätze in zwei Sektoren unterteilt werden. Dies geschieht nun durch eine Absperrung hinter dem Tor auf der «Bachseite».

Das bedeutet: Von den meisten Stehplätzen her kann der Zuschauer vor und während dem Spiel nicht mehr in den (verkleinerten) Bereich hinter der Tribüne gelangen.

Der Sektor kann zwar verlassen und wieder betreten werden - ein Sektorwechsel während dem Spiel ist aber nicht möglich.

Der unfertige Catering-Bereich neben den Zuschauerplätzen

Der unfertige Catering-Bereich neben den Zuschauerplätzen

Neuer Haupteingang hinter Totomat

Neu entsteht hinter dem Totomat der neue Haupteingang. Dieser wird ausgebaut und auch der Salamanderweg der zwischen Stadtbach und Stadion verläuft, wird von der Gemeinde Suhr ausgebessert.

Dieser sogenannte «Heimsektor» ist zusätzlich von der Keba-Seite her zugänglich, doch wird der Hauptfluss via «Totomateingang» erwartet.

Brügglifeld Aarau: Der neue Haupteingang beim Totomat

Brügglifeld Aarau: Der neue Haupteingang beim Totomat

Der Catering-Bereich und sanitäre Anlagen werden in diesem Sektor ausgebaut, denn er wird künftig für bis zu 5'300 Zuschauer ausgelegt sein.

In welcher Art der Fan-Shop und der bisherige Thekenbereich hinter der Tribüne zum neuen Standort disloziert werden, ist noch offen. Der Gästesektor muss aus den gleichen Gründen auf eine Kapazität von 1'000 Zuschauern reduziert werden.

Klar ist: Ausser im Gästesektor darf das Stadion zwar verlassen und wieder betreten werden, ein Sektorenwechsel ist aber nicht möglich. Die bisher mehrheitlich benutzten Eingänge hinter der Tribüne und bei der Brügglifeldbrücke werden verkleinert und dienen nur noch den 1'200 Tribünen- und 500 Stehplatzbesuchern als Einlass.

Spezialsektor

Zwischen Tribüne und neuer Sektorentrennung haben künftig also maximal 500 Stehplatzzuschauer Platz.

Derzeit ist vorgesehen, dass Inhaber von Stehplatz-Saisonkarten und -Tickets dort Einlass finden, es ist aber durchaus möglich, dass früher oder später dieser Teil des Stadions zum "Spezialsektor" erklärt wird. Wer sich also an einen neuen Stammplatz gewöhnen will, zieht wohl besser einen Platz im "Heimsektor" vor.

Polizeikonkordat mit Augenmass

Der Kanton Aargau ist dem neuen Polizeikonkordat beigetreten. Das bedeutet im Wesentlichen, dass die Heimspiele des FC Aarau bewilligungspflichtig sind und die Polizei im eigenen Ermessen zusätzliche Sicherheitsbestimmungen erlassen kann, wie zum Beispiel Leibesvisitationen, ausgedehnte Stadion- und Rayonverbote.

Sie kann auch verlangen, dass Fantrosse mit Extrazügen und SBB-Kombi-Tickets anreisen müssen. Die Aargauer Regierung hat versprochen, diese Möglichkeiten mit Augenmass anzuwenden.

So erhält der FC Aarau eine Bewilligung, die sich über die ganze Saison erstreckt. Aber auch die Fans müssen nicht mit Repressionen rechnen, solange es keine Zwischenfällen kommt. Das erste Jahr wird deshalb zum Testlauf und Wegweiser für künftige Saisons.

Mit HD-Kameras gegen Fackel-Fans

Die «Szene Aarau» scheint sich laut FC Aarau kooperativ zu zeigen: So führte der FC Aarau mit Sicherheitsverantwortlichen der Polizei und den Fans mehrere Gespräche zur Sicherheit im Stadion, letztmals am gestrigen Donnerstag bei einem Informationsaustausch im Brügglifeld.

Für viele Fans gehört das Abfeuern von Fackeln zur Kultur eines Fussballfans. Klar ist aber, dass dies vom Gesetzgeber verboten wird und von den Sicherheitsverantwortlichen rigoros geahndet werden muss. Zu diesem Zweck wurden im Brügglifeld insgesamt sechs HD-Überwachungskameras installiert.

Der FCA betont, dass diese nur während der Heimspielen in Betrieb sind. Die Aufnahmen müssen zur Ermittlung allfällig strafrelevanter Tatbestände der Polizei zur Verfügung gestellt werden.

Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren: Der Catering-Betrieb wird umgebaut

Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren: Der Catering-Betrieb wird umgebaut

Neue LED-Leuchttafel beim Totomat

Eine auffällige Änderung, an die man sich nur schwer wird gewöhnen wollen ist die LED-Leuchttafel, welche über die Fläche der Totomatanzeige gehängt wird.

Auf dieser können zusätzliche Werbeeinnahmen generiert werden - Einnahmen, die der FC Aarau zum Überleben dringend braucht, wie der FCA betont.

Allerdings wird die Wand nur während den Spielen montiert sein. Markant sind auch die Zusatzinstallationen, die für die TV-Übertragung nötig sind (Live-Studio, zusätzliche Kamerastandorte), die Drehbanden und die Fangnetze hinter den beiden Toren.

Horrende Kosten

Diese Umbaumassnahmen kosten rund 250'000 Franken, die in erster Linie durch die Platzgenossenschaft Brügglifeld zu tragen sind.

Diese hat von der Stadt Aarau ein zinsloses Darlehen in der Höhe von 200'000 Franken erhalten. Dieses muss der FCA innert fünf Jahren zurückbezahlen. All diese Änderungen mussten für einen Super-League-Betrieb auf dem Brügglifeld vollzogen werden, um einen Spielbetrieb in der höchsten Schweizer Liga zu ermöglichen. (pd/sha)