Meisterschwanden
Farmer aus Kanada trainiert wie ein Besessener fürs Eidgenössische Schwingfest

John Koch aus Kanada bereitete sich während eines Heimat-Abstechers nach Meisterschwanden intensiv auf das Eidgenössische Schwingfest in Estavayer vor.

Wolfgang Rytz
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Der Kanada-Schweizer John Koch trainiert in der Schweiz für das Eidgenössische Schwingfest in Estavayer. Wolfgang Rytz

Der Kanada-Schweizer John Koch trainiert in der Schweiz für das Eidgenössische Schwingfest in Estavayer. Wolfgang Rytz

Wolfgang Rytz

John Koch ist ein kanadisch-schweizerischer Farmer, dessen Vater 1984 aus dem Aargau auswanderte. Im letzten Jahr qualifizierte er sich in Quebec fürs Eidgenössische Schwingfest in Estavayer-le-Lac von diesem August. Er weilte in Meisterschwanden und trainierte in Aarau und im Freiamt wie ein Profi.

Weil ein kanadischer Farmer im Winter weniger zu tun hat, besucht John Koch im Februar/März für drei Wochen die Heimat seiner Eltern. Drüben in Saint-Pascal in der Provinz Ontario hält seine Familie mit drei Geschwistern und einem Angestellten den Betrieb aufrecht.

Die Farm umfasst 750 Hektaren Land, in den Stallungen sind 260 Kühe täglich zu melken. Sein Schweizer Abstecher hat nebst dem Besuch der Grosseltern in Meisterschwanden und weiteren Verwandten ein klares Ziel: So viele Schwingertrainings wie möglich absolvieren.

Keine Trainingspartner

Mit 10 Jahren begann Koch zu schwingen und trainierte bis 18-jährig mit den zwei Söhnen eines Schweizer Nachbarn. Nach einem Unterbruch nahm er auf Antrieb seiner kanadischen Freundin die Wettkampftätigkeit wieder auf.

Weil aber inzwischen die nächsten Trainingspartner zwei Autostunden entfernt wohnen, fehlt ihm die Praxis in den Zwilchhosen. Stattdessen spielt er zweimal pro Woche Basketball und stählt in einem nahen Trainingscenter seine Muskeln drei- bis viermal pro Woche.

John Koch weist mit einer Körpergrösse von 196 Zentimeter und einem Gewicht von 110 Kilogramm eine ideale Schwingerpostur auf. Seine Athletik verhalf ihm im vergangenen Jahr an den vier Schwingfesten in Zentralquebec trotz mangelhafter Technik zum Sieg in der Jahresrangliste. Damit erfüllte er sich seinen sportlichen Traum, die Qualifikation für ein Eidgenössisches Schwingfest. Er ist für «Estavayer 2016» sogar der erste Schwinger überhaupt, der sich qualifiziert hat.

Vier Trainings in Serie

Zu Hause studiert der 24-jährige Kanadaschweizer regelmässig im Internet Filme und Videos übers Schwingen. Wenn jeweils ein Schweizer Praktikant auf dem Hof weilt, muss dieser auf dem Heuboden einer alten Scheune als Trainingspartner herhalten.

Seinen dreiwöchigen Schweiz-Aufenthalt nützt John Koch wie ein Besessener. Von Montag bis Donnerstag absolviert er vier Schwingertrainings im Sägemehl hintereinander. Die Schwingklubs Aarau und Freiamt gewähren ihm gerne Gastrecht. «Ich bin überrascht von der Schweizer Offenheit. Der Einstieg bei den Schwingern war einfach.»

In der ersten Woche schmerzten seine Finger am vierten Abend nur schon beim Griffe fassen. Einen Höhepunkt erlebte Koch beim Besuch des Nordwestschweizer Kaderzusammenzuges in Aarau. Allerdings musste er im Zweikampftraining untendurch. «Das war hart. Obwohl ich alles versuchte, ging nichts», konstatierte er. Doch in jedem Training lernte er schwingtechnisch dazu.

Dieses Rüstzeug will er an den vier Schwingfesten in Quebec umsetzen. Dafür ist ihm auch die Anfahrt von bis zu vier Stunden nicht zu weit. Obs dann Ende August am Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest in Estavayer-le-Lac vor 50 000 Zuschauern in der Arena für einen Sieg im Sägemehl reicht, bleibt abzuwarten.