Kuhns Fussballwelt

«Fall Ghitti»: Kommt der streitbare Präsident des FC Wettingen zur Vernunft?

AZ-Autor Ruedi Kuhn

AZ-Autor Ruedi Kuhn

Seit 35 Jahren schreibt Ruedi Kuhn über den Aargauer Fussball. In der Kolumne «Kuhns Fussballwelt» erzählt er von unvergesslichen Begegnungen mit Menschen, die ihn geprägt haben.

«Es kann nicht sein, dass Pierluigi Ghitti während 90 Minuten anstössige, beleidigende Äusserungen wie Idiot, Missgeburt und Nichtskönner gegen das Schiedsrichter-Trio und Gegenspieler rauslässt. Der Präsident des FC Wettingen wurde als Betreuer aufgelistet, versteckte sich aber unter den Zuschauern, um diese Beleidigungen auszusprechen.»

So steht es im Rapport von Schiedsrichter Imo Karabacak über die Geschehnisse des Zweitliga-Spiels Ende September zwischen dem FC Wettingen und Oftringen (4:5). Der Eklat um die streitbare Person von Ghitti hat Staub aufgewirbelt. Die Frage bleibt: Hat er Karabacak beleidigt oder war alles halb so schlimm?

Ich bekam in den vergangenen Tagen zahlreiche Reaktionen. Das Erstaunliche: Eine knappe Mehrheit schlägt sich auf die Seite von Ghitti. Viele nehmen ihn in Schutz. Mehr noch. Einige bringen Verständnis dafür auf, dass er Karabacak mit einer Zivilklage droht, wenn der Schiedsrichter die Anschuldigungen nicht zurücknimmt.

Die Reaktionen und Kommentare zur Geschichte rund um Ghitti zeigen auf, wie brisant das Thema ist. Aber Verständnis für Ghitti? Das kann nicht sein! Die Autorität eines Schiedsrichters darf weder im Profifussball noch im Amateurbereich in Frage gestellt werden.

Ein Fall wie im Juni 2019, als Schiedsrichter Stephan Klossner im Barrage-Spiel zwischen Xamax und Aarau (0:4) den Neuenburger Raphaël Nuzzolo wegen Spuckens in Richtung des Spielleiters vom Platz gestellt hat, darf sich nicht wiederholen. Nuzzolo wurde für vier Spiele gesperrt, dann aber begnadigt. Damit wurde Klossners Autorität mit Füssen getreten. Er zog die Konsequenzen und trat zurück.

Und wie geht es im «Fall Ghitti» weiter? Das Ganze wird zum Juristenfutter: Im Beisein von Ghittis Anwalt Roger Huber und AFV-Anwalt Stefan Pfister findet in naher Zukunft eine Rekurs-Verhandlung statt.

Zieht der Präsident des FC Wettingen den Kürzeren, bleiben ihm zwei Möglichkeiten: Er geht vor den Internationalen Sportgerichtshof in Lausanne oder er kommt zur Vernunft.

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Ruedi Kuhn

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