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Fahren Sie mit: So sieht der neue Rundkurs des Gippinger Rad-Klassikers aus

Am 9. Juni erwartet die Zweiradfans am GP des Kantons Aargau wieder ein Rad-Spektakel. Wir stellen Ihnen mit OK-Präsident René Huber vor, was die Profis auf der neuen Strecke erwartet.

Daniel Weissenbrunner
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René Huber ist schon vor der ersten Steigung ausser Atem. Nicht weil er mit dem Velo eben eine Trainingsrunde hinter sich gebracht hätte. Nein, die Agenda des OK-Präsidenten der Gippinger Radsporttage ist an diesem Nachmittag prall gefüllt. «Meine Sekretärin hatte gerade keine Freude, als ich das Büro verliess.»

Bundesrat Rudolf Gnägi (rechts) ist 1974 zu Besuch in Gippingen.
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Mäni Weber vom Schweizer Radio interviewt den Sieger von 1979, Giuseppe Saronni.
Sieger Adri Van der Poel wird von Hans Jucker vom Schweizer Fernsehen interviewt.
Auf der Bühne des Festzeltes wartet Jacques Anquetil (rechts stehend) auf die Auszahlung des Preisgeldes.
Am Start des GP von 1974 von links: Weltmeister Felice Gimondi, Italien, José-Manuel Fuente, Spanien und Lucien Aimar, Frankreich.
1982 gibt Sepp Voegeli das OK-Präsidium an Leo Erne weiter.
Im Juli 1988: Die Helfer beim Festhüttenaufbau stellen sich nach schweisstreibender Arbeit dem Fotografen.
Eine schöne Tombola gehört seit Anfang des GP dazu. Lose verkaufen auch.
Robert Erne, Mann der ersten Stunde und Helfer in allen Fällen, hängt Werbebanden auf.
Alois Keller gibt dem Zielstrich den letzten Schliff.
Wer hätte ihn erkann Der kleine René Huber, heutiger OK-Präsident, überreicht 1974 dem grossen Eddy Merckx einen Blumenstrauss. Merckx siegte damals im Prolog der Tour de Suisse in Gippingen.
Das aktuelle Organisationskomitee des GP

Bundesrat Rudolf Gnägi (rechts) ist 1974 zu Besuch in Gippingen.

Badener Tagblatt

Huber, der Direktor des nahe gelegenen Spitals Leuggern erscheint auf dem Parkplatz des Feuerwehrgebäudes nicht auf zwei Rädern, sondern in seiner eleganten schwarzen Limousine und trotz Terminkollision in aufgeräumter Stimmung. Wir stehen im neuen Start-ZielGelände der Gippinger Radsporttage, die in diesem Jahr zum 53. Mal ausgetragen werden.

Neues Start-Ziel-Gelände

Hier zwischen Mehrzweckhalle, Schule und Sportzentrum wird die versammelte Weltelite des Radsports am 9. Juni auf die Reise geschickt. 10-mal werden Profis die knapp 19 Kilometer lange Runde absolvieren müssen, ehe sie kurz vor sieben Uhr abends, laut Marschtabelle, im Ziel eintreffen. Wir machen uns ebenfalls auf den Weg. René Huber lenkt seinen Wagen am Gemeindehaus vorbei Dorf auswärts Richtung Schlatt.

Auf dem Start-Ziel-Gelände. Beim Feuerwehrgebäude entsteht der Festplatz.
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Start - Los gehts auf die 18,87 km lange Runde
Bergpreis in Schlatt...
Etzwil: Es geht wieder bergab.
Wir passiern Hettenschwil...
In Reuenthal nähern wir uns dem Rhein.
Bei Felsenau gehts zurück Richtung Leuggern.
Hier wirds nochmals gifitg. Die Zielgerade steigt beim Restaurant Kreuz an.

Auf dem Start-Ziel-Gelände. Beim Feuerwehrgebäude entsteht der Festplatz.

Daniel Weissenbrunner

Budget massiv reduziert

Die letzten Monate haben ihn und sein Team auf eine harte Probe gestellt. Die Veranstalter standen im vergangenen Herbst vor ernsthaften Problemen. Mit dem unerwarteten Ausstieg von Swiss Cycling klaffte plötzlich ein Loch von 80 000 Franken in der Kasse. Ein schmerzhafter Einschnitt bei einem Budget von 600 000 Franken.

René Huber bereitete der Entscheid einige Kopfschmerzen. Der Anlass stand zwar nicht zwar auf der Kippe. „Wir mussten uns den neuen Gegebenheiten aber anpassen“, sagt er. Sportlich fiel das Frauenrennen dem Sparprogramm zum Opfer.

Es war nicht die einzige Herausforderung, die Huber und seine Crew lösen mussten. Wegen einer geplanten Überbauung beim bisherigen Start-Ziel-Bereich in Gippingen musste man sich nach einem neuen Standort umsehen.

Das Streckenprofil zu den Gippinger Radsporttagen.

Das Streckenprofil zu den Gippinger Radsporttagen.

gippingen.ch
Die Karte zum GP Gippingen

Die Karte zum GP Gippingen

gippingen.ch

Ein Rennen für Taktiker

Die Fahrt geht weiter Richtung Loorholz, dem höchsten Punkt der Schlaufe auf 487 Metern über Meer. Furchteinflössend präsentiert sich das Steckenprofil nicht. Steile Rampen sucht man vergebens. «Aber es ist immer etwas los», sagt Huber. Er hat bereits Rückmeldungen von mehreren Teamchefs erhalten, die sich erfreut über den Rundkurs geäussert haben. «Es ist eine Parcours für Taktiker.»

Auf dem Siegerpodest von 1969 stehen von links: Jean Ronsmans (3.), Walter Godefroot (1.) und Erich Spahn (2.).
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Eric De Vlaeminck freut sich über seinen Sieg 1970.
Der Gesichtsausdruck sagt alles. 1976: Links der enttäuschte Zweite Jan Raas,daneben der strahlende Sieger Roy Schuiten, zusammen mit Joseph Voegeli.
1977: Das Trio, das Gippinger Renngeschichte schreibt.Von links: MichelPollentier (2.), Dietrich Thurau (1.) und Roland Salm (3.).
Weltmeister Francesco Moser am Start 1978.
Knappe Entscheidung im Spurt. Adri Van der Poel jubelt.
Grosse Namen geben sich ein Stelldichein auf dem Podest von 1993. Von links: Claudio Chiappucci (2.), Gianni Bugno(1.) und Prudenzio Indurain (3.).
Diese drei Fahrer machen 1996 den Sieg unter sich aus.Von links: Abraham Olano (2.), Fabrizio Guidi (1.) und Bjarne Riis (3.).
OK-Präsident Marco Canonica (links) und Heinz Sager (rechts) von der NAB freuen sich über den Schweizer Erfolg. Auf dem Podest von 2005 stehen Jan Ullrich (2.), Alexandre Moos (1.) und Marcel Stauss (3.).

Auf dem Siegerpodest von 1969 stehen von links: Jean Ronsmans (3.), Walter Godefroot (1.) und Erich Spahn (2.).

Badener Tagblatt

Huber macht sich nichts vor. Er weiss sehr wohl, dass die besten Mannschaften mit ihren Topfahrern nicht wegen der beschaulichen Landschaft und der attraktiven Streckenführung den Weg ins untere Aaretal finden. Der Grund liegt am Termin. Zwei Tage vor dem Start zur Tour de Suisse nutzen die Teams den GP des Kantons Aargau jeweils als Generalprobe.

Hinunter an den Rhein

Dass der GP Gippingen nach wie vor seinen festen Platz im Rennkalender des Rad-Weltverbandes UCI besitzt, ist alles andere selbstverständlich. Im Unterschied zur legendären Züri-Metzgete, die von Bildfläche verschwunden ist, haben die Gippinger Radsporttage überlebt. Die massgebende Weichenstellung erfolgte vor vier Jahren. Bis dahin wurde das Rennen jeweils an einem Sonntag wechselnd zwischen April und August ausgetragen. Huber, der seit 2010 dem Organisationskomitee vorsteht, reagiert und musste zunächst einiges an Kritik einstecken. «Viele glaubten, dass die Verlegung auf einen Werktag der Tod sei.» Sie irrten sich.

Die Strasse fällt nach dem Strick moderat ab. Wir nähern uns Reuenthal und dem Rhein.

Die Tragödie vor zwei Jahren

Die neue Route ist nicht nur eine Panoramastrecke, sie fordert auch einen Mehraufwand. Über 20 zusätzliche Streckenposten werden im 300 Personen fassenden Helferteam benötigt, damit die Sicherheit gewährleistet werden kann. René Huber hat vor zwei Jahren erlebt, wie das Radfest plötzlich zur Tragödie wurde. In einem Amateurrennen überschattete ein tödlicher Unfall den Anlass.

Wir biegen in Felsenau auf die Bahnhofstrasse ein. Die Strecke steigt wieder leicht an. So viel scheint klar: Der Schlussteil ist in diesem Jahr nicht auf die klassischen Sprinter zugeschnitten. Gefragt sind Athleten mit einem langen Atem.

Zielgerade auf Silvan Dillier zugeschnitten

Die Zielgerade beginnt beim Restaurant Weisses Kreuz in Gippingen. René Huber wagt einen Tipp. Er traut Lokalmatador Silvan Dillier den Erfolg zu. «Vorausgesetzt er ist Endkampf vorne dabei. Der Kurs auf seine Fähigkeiten zugeschnitten.» Ob der Ehrendinger am 9. Juni am Start sein wird, ist momentan allerdings noch ungewiss. Der BMC-Profi brach sich am Giro d’Italia den Finger und wurde vor wenigen Tagen operiert. Zeit für einen Schweizer Erfolg wäre es allemal. Den letzten Erfolg feierte Michael Albasini 2013.

1981: Daniel Gisiger jubelt als erster Schweizer Sieger beim 18. Grossen Preis des Kantons Aargau
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Am Start 1983 in der ersten Reihe.Von links: Urs Freuler,Daniel Gisiger, Beat Breu und Serge Demierre.
1985: Urs Freuler gewinnt den Sprint vor Erich Mächler (Startnummer 8) und Giuseppe Martinelli (44).
Auf dem Podest von 1986 stehen von links Peter Stevenhagen (2.), Frank Hoste (1.) und Gilbert Glaus (3.).
Zwei Schweizer auf dem Podest im Jahre 1989. Von links: Urs Freuler (2.), Paolo Rosola (1.) und Stefan Joho (3.).
Ihm gelingt, was kein anderer Profi inGippingen schafft. Pascal Richard wiederholt1995 seinen Vorjahressieg.
Rad-Star Toni Rominger im Blickpunkt des Interesses.Neben ihm LeoErne und Hanspeter Rennhard.
1998: Weltmeister Oscar Camenzind (mit OK-Präsident Matthias Rennhard) gibt sich die Ehre.
Trotz italienischem Sieg, die Schweizerkönnen sich gratulieren.Von links:Markus Zberg (2.),Matteo Tosatto (1.)und Martin Elmiger(3.).
2011: Michael Albasini setzt sich gegen Giovanni Visconti (rechts) und StefanSchumacher (links) durch.
Alle wollen 2012 Fabian Cancellara sehen und fotografieren. Der Schweizer Rad-Star bei der Unterschriftenkontrolle vor dem Start in Gippingen, wo er 1997 bereits das Anfängerrennen gewonnen hat.
2015: Lange sah es gut aus, doch am Ende reichte es nicht: Ein enttäuschter Silvan Dillier braucht nach der Zieleinfahrt am GP in Gippingen einen Moment für sich.

1981: Daniel Gisiger jubelt als erster Schweizer Sieger beim 18. Grossen Preis des Kantons Aargau

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Bis René Huber dem diesjährigen Sieger gratulieren kann, wartet auf den OK-Chef noch ein Berg Arbeit. Auch nach der Zieldurchfahrt gönnt sich der CVP-Grossrat keine Pause. Er eilt zum nächsten Termin ins Spital. Zur Erleichterung seiner Sekretärin.