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Ex-Wohlen-Boss kauft sich im «Fall Wellington» frei

René Meier, der ehemalige Verwaltungsratspräsident der FC Wohlen AG, schliesst mit dem brasilianischen Ex-Spieler einen Vergleich und entgeht damit einer möglichen Verurteilung.

Rainer Sommerhalder
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René Meier, ehemaliger Verwaltungsratspräsident der FC Wohlen AG.

René Meier, ehemaliger Verwaltungsratspräsident der FC Wohlen AG.

Foto Wagner

Mit einem Vergleich zwischen René Meier und Wellington Ferreira Gomes Sobrinho endet die juristische Aufarbeitung des «Falls Wellington», welcher den FC Wohlen im Herbst 2013 in seinen Grundmauern erschüttert hatte. Der FCW hatte vor zwei Jahren mit dem brasilianischen Verteidiger zwei Verträge abgeschlossen – einen mit dem effektiven vom Klub bezahlten Lohn von 3000 Franken monatlich und einen mit einem um 800 Franken höheren Salär zum Erhalt der Arbeitsbewilligung.

Damit verstiess der FC Wohlen nach Ansicht des Bezirksgerichts Bremgarten wegen Täuschung der Behörden gegen das Ausländergesetz. Der ehemalige Geschäftsführer Urs Bächer und Ex-Vereinspräsident Andy Wyder wurden deswegen rechtskräftig verurteilt. Zudem auferlegte auch die Disziplinarkommission der Swiss Football League den beiden Funktionären hohe Bussen.

Übler Nachrede von Meier

Im letzten Winter musste dann auch noch Wohlens schillernde Führungsfigur René Meier vor Gericht antraben. Der Verwaltungsratspräsident machte sich zwar bei der Ausarbeitung der Spielerverträge selbst juristisch nicht strafbar, blies aber angesichts der massiven medialen Vorwürfe an «seinen» Klub bald einmal zum rhetorischen Gegenangriff. Dabei lehnte sich der Notar mit seinen Aussagen auf der Vereinshomepage und in einem Brief an die Gönner des Klubs etwas gar weit aus dem Fenster hinaus.

Aufgrund Meiers Aussage «Grund für die von Herrn Wellington Ferreira Gomes Sobrinho gewünschten Vertragsauflösung dürften nicht die von ihm angeführten privaten und familiären Probleme sein, sondern die drohende Zwangsvollstreckung wegen Schulden aus seiner Zeit beim SC Kriens» reichte Wellingtons Anwalt Simon Käch Strafanzeige wegen übler Nachrede und wegen Widerhandlung gegen das Bundesgesetz gegen den unlauteren Wettbewerb ein.

Stillschweigen vereinbart

Die Staatsanwaltschaft Muri-Bremgarten stellte vor einem Jahr zwar zuerst beide Verfahren ein, Wellingtons Anwalt hatte aber mit seiner Beschwerde gegen diese Entscheide Erfolg und so kam es am 10. Dezember 2014 zu einer Hauptverhandlung vor dem Bezirksgericht Bremgarten. René Meier wurde schuldig gesprochen und zu einer bedingten Geldstrafe von 46 200 Franken, zu einer Busse von 3000 Franken, zur Übernahme der Gerichtskosten von 1500 Franken sowie zu einer Parteienentschädigung an Wellington von 7200 Franken verurteilt.

Rechtskräftig wurde dieses Urteil allerdings nie, wie die Einstellungsverfügung des Bezirksgerichtes Bremgarten vom 12. März 2015 beweist. Der 61-jährige Meier hatte einerseits Berufung eingelegt und sich in der Zwischenzeit aussergerichtlich mit Wellington geeinigt. Deshalb zog Wellingtons Anwalt die Klage zurück. Wie viel Meier dieser «Freikauf» gekostet hat, darüber wurde in der Einigung Stillschweigen vereinbart. Entsprechend knapp die Antworten der beiden Partien auf die entsprechende Frage. «Kein Kommentar», sagt Meier. «Wir haben Stillschweigen vereinbart, wir geben deshalb keine Auskunft», sagt Käch.

Wie viel hat Meier bezahlt?

Also muss spekuliert werden. Meier wird der Vergleich wohl eine Stange Geld gekostet haben, besonders wegen des späten Zeitpunkts des Zustandekommens. Er hätte eine Beilegung dieser Auseinandersetzung viel früher und auch viel günstiger haben können, denn die ursprüngliche Forderung von Wellingtons Anwalt lautete lediglich, die entsprechende Aussage zu widerrufen und den Beitrag von der Vereinshomepage zu löschen. Auch eine aussergerichtliche Einigung vor dem Prozess wäre möglich gewesen.

Neben den ohnehin von Meier zu tragenden Verfahrenskosten von 1640 Franken hätte Meier bei einer rechtskräftigen Verurteilung eine Entschädigung an den brasilianischen Ex-Spieler von 7200 Franken übernehmen müssen. Und aus dem Umfeld des Vereins war auch zu vernehmen, dass Wellington von unbekannter Seite schon früher eine tiefe fünfstellige Summe angeboten wurde, wenn er die Anzeige zurückzieht. Meier selbst dürfte die Tilgung dieses Tolggens im Reinheft jetzt unter Umständen noch einiges mehr wert gewesen sein.

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