Fussball
Ex-FCA-Verteidiger Silvan Widmer: «Ich möchte dem FC Aarau gratulieren»

Silvan Widmer von Udinese Calcio hat die Saison seines ehemaligen Klubs auch im italienischen Exil verfolgt. Der 21-Jährige hat sich in seinem zweiten Halbjahr nach seinem Wechsel zu Udinese etabliert und konnte seinen Marktwert fast verdoppeln.

Andreas Fretz
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Silvan Widmer (hinten) im Einsatz für Udinese Calcio in der Serie A gegen Inter Mailands Yuto Nagatomo.

Silvan Widmer (hinten) im Einsatz für Udinese Calcio in der Serie A gegen Inter Mailands Yuto Nagatomo.

KEYSTONE

Mit der Matura im Sack, dem Aufstieg mit dem FC Aarau im Rücken und mit Freundin Céline an der Hand reiste Silvan Widmer vor einem Jahr nach Udine, um seine Qualitäten in der Serie A unter Beweis zu stellen. Dabei hat der 21-Jährige noch kein Spiel in der heimischen Super League bestritten. Nach einem schwierigen ersten halben Jahr brachte es der Würenloser auf 16 Einsätze in der Liga und vier Einsätze im Cup, wo er massgeblichen Anteil am Einzug in die Halbfinals hatte. 14-mal spielte der gelernte Aussenverteidiger durch. Seinen Marktwert konnte er seit dem Transfer nach Italien nahezu verdoppeln.

Silvan Widmer, Sie geniessen Ihre Ferien in der Schweiz und nicht am Strand?

Silvan Widmer: Da ich für die WM auf Abruf bin, falls sich ein Spieler verletzt, ist die Ferienplanung etwas schwierig. Aber gut möglich, dass wir noch spontan einen Strandurlaub buchen. Solange geniesse ich die Zeit bei meiner Familie im Aargau und mit Freundin Céline.

Sie waren auch am Aufstiegsspiel des FC Baden.

Ja. Es war schön, all die bekannten Gesichter und Freunde wieder zu sehen, auch wenn ich nur ein Jahr für den Klub gespielt habe.

Was sagen Sie zum FC Aarau?

Dem möchte ich gratulieren. Der FCA hat nach dem Wiederaufstieg eine Supersaison gespielt. Ich verfolge das Geschehen im Internet bis runter in die 1. Liga und habe auch regelmässig Kontakt zu den früheren Weggefährten. Schliesslich ist die Schweiz meine Heimat.

Und die WM verfolgen Sie vor dem Fernseher?

Na klar. Die WM ist das grösste Ereignis für jeden Fussball-Fan. Ich hoffe, die Schweiz bringt es weit.

Nicht enttäuscht, dass Sie nur im erweiterten Kader und nicht in Brasilien sind?

Überhaupt nicht. Ich habe gewusst, dass es für mich schwierig würde, und bin glücklich, dass ich es überhaupt so weit geschafft habe. Mit Stephan Lichtsteiner ist meine Position sehr stark besetzt. Ich wäre der jüngste Spieler im WM-Kader. Oder anders gesagt: Ich habe noch Zeit und kann noch viele Weltmeisterschaften erleben.

Mit Vladimir Petkovic wird ein Trainer mit Italien-Vergangenheit Hitzfeld-Nachfolger. Gut für Sie?

Möglich, dass Petkovic mich mehr auf dem Radar hat. Aber ein guter Trainer hat alle Spieler auf dem Radar und entscheidet sich dann für die besten. Ich bin jung, geduldig und werde nicht nervös.

Geduld brauchten Sie auch bei Udinese Calcio.

Geduld ist meine Stärke. Als ich in den ersten drei, vier Monaten kaum zum Einsatz kam, war das schwierig für mich, weil ich vorher in Aarau regelmässig gespielt habe. Aber wer geduldig ist, bekommt seine Chance.

Wie fällt Ihre Bilanz nach einer Saison aus?

Im Allgemeinen bin ich sehr zufrieden. Es war ein Riesenschritt von der Challenge League in die Serie A. Die schwierige Phase vom Herbst ist überwunden. In der Rückrunde kam ich relativ oft zum Einsatz. Damit darf ich extrem zufrieden sein.

Die Presse nennt sie «gioiellino», also kleines Juwel.

Man darf als Spieler nicht zu viel Wert darauf legen, was die Presse schreibt. Daran kann man auch zerbrechen. Aber logisch freut mich das Lob.

Wie gefällt Ihnen Italien?

Ich fühle mich sehr wohl. Udine ist eine gemütliche Stadt im Norden. Die Mentalität ist ähnlich wie in der Schweiz. Das Essen ist gut, das Wetter schön. Mit Freundin Céline wohnen wir etwas ausserhalb der Stadt, nichts Riesiges, aber wir fühlen uns wohl. In der Freizeit gehen wir mit dem Hund spazieren, unternehmen Ausflüge oder empfangen Besuch aus der Schweiz.

Ihr Italienisch soll schon ganz passabel sein. Interviews geben Sie in der Landessprache.

Ich finde das Beherrschen der Sprache sehr wichtig. Das bringt Vorteile im Team, aber auch im normalen Leben.

Die Presse bringt Sie bereits mit Klubs wie Werder Bremen, Juventus Turin und Inter Mailand in Verbindung.

Ich weiss auch nicht, was alles hintenrum diskutiert wird. Oft sind Gerüchte Schall und Rauch, aber wo Rauch ist, ist manchmal auch Feuer. Ich lasse mich durch diese Diskussionen nicht ablenken. Ich werde auch nächste Saison für Udinese spielen. Hier kann ich mich weiterentwickeln. Aber natürlich ist es ein gutes Zeichen, wenn man wahrgenommen wird. Vor einem Jahr kannte mich kaum jemand, nicht einmal in der Schweiz.

Trainer Francesco Guidolin wird durch Andrea Stramaccioni von Inter ersetzt. Gut oder schlecht für Sie?

Das ist im Moment schwer zu sagen. Eigentlich weiss ich nur, dass Stramaccioni wesentlich jünger ist als sein Vorgänger.

Ihre Ziele für nächste Saison?

Persönlich steht meine Weiterentwicklung an oberster Stelle. Ich will mehr Einsätze als letzte Saison. Der Klub hofft auf bessere Resultate. Der 13. Schlussrang war eher unter den Erwartungen. Immerhin haben wir im Cup die Halbfinals erreicht. Das war ein Highlight, darauf lässt sich aufbauen.