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Esther Süss: «Ich würde die Fahne tragen»

Im Alter von 38 Jahren feiert Esther Süss ihr Debüt bei Olympischen Spielen. Bevor es so weit ist, will die Lehrerin aus Küttigen heute noch Schweizer Meisterin im Cross-Country werden.

Andreas Fretz
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Esther Süss traut sich an den Olympischen Spielen eine Medaille zu.

Esther Süss traut sich an den Olympischen Spielen eine Medaille zu.

Keystone

Esther Süss, haben Sie von Swiss Olympic keine Anfrage erhalten, ob Sie bei der Eröffnungsfeier die Schweizer Fahne tragen würden?

Esther Süss: (lacht) Nein, so weit kommt es wohl nicht. Es würde ohnehin nicht passen. Die Eröffnungsfeier findet am 27. Juli statt, ich treffe erst am 6. August in London ein.

Am Gigathlon haben Sie den verletzten Bundesrat Ueli Maurer auf der Bike-Strecke vertreten. Damit haben Sie sich für höhere Aufgaben empfohlen.

Der Gigathlon war ein cooles Erlebnis. Und für Ueli Maurer als Ersatz einzuspringen, ist etwas Spezielles. Das werde ich nicht so schnell vergessen. Am Gigathlon waren in erster Linie meine bikerischen Qualitäten gefragt. Und auf dem Bike fühle ich mich am wohlsten.

Aber Sie würden die Fahne schon tragen? Oder würden Sie absagen wie Roger Federer?

Die Frage ist gar nicht so einfach zu beantworten. Ich denke, ich würde zusagen, weil der Einmarsch der Nationen eine ganz grosse Sache ist. Ich würde sogar früher anreisen, nach der Eröffnungsfeier aber wieder zurück in die Schweiz fliegen.

Eigentlich lassen Sie ja nichts aus: Trotz Olympia-Vorbereitung starten Sie am Gigathlon, heute an der Schweizer Meisterschaft und in einer Woche am Weltcup in Frankreich.

Der Gigathlon war ja keine besonders anstrengende oder ernste Sache. Und danach hatte ich zwei Wochen, in denen ich mich wieder voll der Vorbereitung widmen konnte. Etwas Abwechslung vor den Olympischen Spielen kann nicht schaden. Ich brauche das. Die Schweizer Meisterschaft in Balgach dient der Standortbestimmung.

Was erwarten Sie von der Schweizer Meisterschaft?

Ich will zuoberst auf dem Podest stehen. Ich messe diesem Rennen einen hohen Stellenwert bei. Es ist doch schön, wenn man als Meisterin ein Jahr mit dem Schweizer Kreuz auf dem Trikot starten darf.

Esther Süss

Wohnort: Küttigen AG.
Geburtsdatum: 19. März 1974.
Grösse/Gewicht: 167 cm/54 kg.
Beruf: Lehrerin für Textiles Werken (50 Prozent), Fitness-Instruktorin.
Hobbys: Backen, Lesen, Familie, kreativ sein.
Bisherige Olympia-Teilnahmen: keine.
Wichtigste Erfolge: EM 2012: 2. - SM 2010: 1. - Weltmeisterin im Mountainbike-Marathon 2010. - Sieg beim Cape-Epic-Rennen in Südafrika 2012.

Wie ist Ihr Formstand?

Die Vorbereitung lief gut. Ich weilte im Höhentrainingslager mit dem Wohnmobil auf dem Campingplatz in St. Moritz. Das Wetter hätte zwar besser sein können, aber ich konnte alles planmässig durchziehen. Nur den Racercup in Davos habe ich ausgelassen. Da war es mir einfach zu kalt und zu nass. Ich kann also auch mal Nein sagen.

Was steht noch auf dem Programm?

Nach dem Weltcup in Val d'Isère bleibt noch eine Woche bis zur Abreise nach London. Diese Woche verbringe ich zu Hause in Küttigen. Ich nutze die Zeit, um den neuen Schulstoff vorzubereiten. Mein Rennen ist am 11. August. Zwei Tage später, am Montag, reise ich wieder heim. Am Dienstag stehe ich bereits wieder im Schulzimmer. Der Alltag hat mich schnell wieder.

Fiebern Ihre Schüler mit?

Ja, sie finden es megacool, dass ich an den Olympischen Spielen starte. Sie stellen viele Fragen und wollen das Rennen live am Fernsehen verfolgen.
Was liegt für die Marathon-Weltmeisterin von 2010 an den Olympischen Spielen 2012 drin?
Es liegt viel drin, es kann aber auch viel schiefgehen. An einem guten Tag kann ich vielleicht mit einer Medaille, sicher aber mit einem Diplom rechnen. Möglicherweise bin ich aber so nervös, dass gar nichts geht, oder ein Defekt bindet mich zurück.

Mit 38 Jahren sind Sie noch nervös?

Vor dem Start bin ich fast immer nervös. Erst wenn ich in die Pedale trete, legt sich das.

Es ist Ihre erste Olympia-Teilnahme. Worauf freuen Sie sich besonders?

Auf das olympische Dorf. Obwohl ich nicht dort wohne, will ich mir das unbedingt anschauen. Auch das Schweizerhaus werde ich besuchen. Bei einem Medaillengewinn steht das ohnehin fest im Programm (lacht). Ansonsten lasse ich mich überraschen. Ich hoffe, möglichst viel geniessen zu können.

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