Kunstturnen

«Es spielt keine Rolle, dass normalerweise Lucas im Vordergrund steht»

Oliver Hegi ist bei optimalem Wettkampfverlauf eine Final-Teilnahme zuzutrauen.

Oliver Hegi ist bei optimalem Wettkampfverlauf eine Final-Teilnahme zuzutrauen.

Der Aargauer Oliver Hegi will sich an der EM in Sofia für einen Final qualifizieren. Die grössten Chancen rechnet er sich am Pferdpauschen und am Barren aus.

Rund 15-mal hat Oliver Hegi sein EM-Programm, das er in Sofia präsentieren wird, bereits im Wettkampfrhythmus durchgeturnt. Die Hälfte davon bei Simulationswettkämpfen in der Halle in Magglingen, die andere Hälfte turnte der 21-jährige Aargauer an offiziellen Wettkämpfen. Bereits vier Mal hat er seine Übung bisher perfekt durchziehen können, was ihm beim Weltcup-Event in Cottbus vor rund einem Monat den dritten Rang am Reck eingebracht hatte.

«Wenn ich an der EM diese Leistung abrufen kann, kommt es gut», sagt Hegi. Gut, damit meint der 1,69 Meter grosse Turner des STV Lenzburg die Qualifikation für einen Gerätefinal. Am Pauschenpferd und am Barren rechnet er sich die grössten Chancen aus. Im Vordergrund steht für ihn aber der Teamwettkampf. «Die Übung fürs Team ist das grosse Ziel», so Hegi, der an den Titelkämpfen in Sofia neben dem Pauschenpferd und dem Barren auch am Reck, an den Ringen und in der Sprungkonkurrenz antreten wird.

Neues Lederband

Dass Oliver Hegi ein guter Allrounder ist, hat er letztes Jahr an der Weltmeisterschaft in Antwerpen eindrücklich bewiesen. Im Mehrkampf belegte er in der Qualifikation den hervorragenden neunten Rang und erreichte damit den Final. Dort wurde er dann aber während seiner Reckübung von einem gerissenen Lederband unsanft gebremst. Aus dem unglücklichen Zwischenfall hat Oliver Hegi seine Lehren gezogen. «Ich benutze nun ein stabileres Band, das bisher noch nie bei jemandem gerissen ist.

Sollte es trotzdem wieder passieren, habe ich mir einen Tipp geholt, was ich machen muss, damit ich innerhalb der erlaubten 30 Sekunden wieder weiter turnen kann», meint Hegi lachend. Und der wäre? «Ich muss einfach liegen bleiben, damit die Zeit nicht runterläuft und mein Trainer kann mir das Ersatzband bringen.» Oliver Hegi ist an der EM in Sofia also auf alle Eventualitäten vorbereitet.

In der bulgarischen Hauptstadt wird Hegi, der seit vier Jahren im nationalen Leistungszentrum in Magglingen trainiert und dort das Gymnasium besucht, der einzige Aargauer Vertreter sein. Lucas Fischer fehlt wegen einer Verletzung, wodurch für einmal Hegi vermehrt im Fokus der Öffentlichkeit stehen wird. Darauf angesprochen, gibt er sich gelassen. «Es spielt überhaupt keine Rolle, dass normalerweise Lucas im Vordergrund steht. Ich turne ja nicht, um bekannt zu werden. Es wäre aber schön, wenn unsere Sportart in den Medien präsenter wäre, schliesslich leisten wir enorm viel.»

Vielleicht trägt Oliver Hegi ja mit einem Exploit an der EM in Sofia seinen Teil dazu bei, dass das Kunstturnen in der Schweizer Medienlandschaft zum Gesprächsthema wird.

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