Challenge League

Es ist vollbracht: Der FC Wohlen gewinnt zum ersten Mal das Aargauer Derby

Am Samstag fand zum 16. Mal das Aargauer Derby zwischen dem FC Aarau und dem FC Wohlen statt. Die Bilanz sprach für die Aarauer (11 Siege, vier Unentschieden), doch diese befanden sich in einer kleinen Formkrise. Diese Formkrise wusste der FC Wohlen zu nutzen. Die Freiämter entschieden das Spiel klar mit 3:0 für sich.

Das Stadion Brügglifeld ist ein Ort, an dem man die Geschichte förmlich riechen kann. Hier spielten sich Dramen ab, hier wurden Helden geboren und Versager beerdigt. Seit gestern ist der Mythos «Brügglifeld» um ein Kapitel reicher: Samstag 22. April 2017, 20.53 Uhr. Schiedsrichter Nikolaj Hänni bläst zum Schlusspfiff. Wohlen 3. Aarau 0.

Nach zuvor vielen erfolglosen Anläufen ist es nach dem 16. Versuch endlich geschafft: Der kleine FC Wohlen gewinnt das Kantonsderby gegen den grossen FC Aarau. Und das auch in dieser Höhe hoch verdient. Was die Freiämter im Brügglifeld auf den Rasen zauberten, war ein Lehrstück in Sachen Effizienz und Umsetzung eines Matchplans. 

Auch wenn der Erfolg primär der ganzen Wohler Mannschaft gehört, die von Trainer Francesco Gabriele perfekt eingestellt wurde: Auch dieses Spiel hat seine überragende Figur. Es ist Janko Pacar. Ausgerechnet Janko Pacar. Die Verpflichtung des Stürmers im vergangenen Sommer wurde belächelt, weil Pacar bei keinem seiner Vereine überzeugen konnte. Was soll so einer dem FC Wohlen bringen, lautete die Frage?

Taktisch ausgespielt

Nun, dieser Janko Pacar hat die Freiämter mit zwei Toren quasi im Alleingang zum ersten Derbysieg geschossen. Mehr noch: Der 26-Jährige ist mittlerweile bei 11 Saisontreffern angelangt und hat die kleinen Erwartungen an seine Person weit übertroffen.

Doch wie gesagt, dieser Sieg gehört dem ganzen FC Wohlen. Auch Präsident Lucien Tschachtli, der vor dem Spiel mit den Worten «Jetzt hauen wir Aarau weg!» die Mannschaft zusätzlich anstachelte. Auf dem Platz dann ging der Matchplan von Trainer Francesco Gabriele von A bis Z auf. Der Italiener wies seine Mannschaft an, den Aarauern das Spieldiktat zu überlassen und bei Balleroberung blitzschnell den Weg nach vorne zu suchen. Ein kluger Schlachtplan, im Wissen, dass der FC Aarau seit Wochen grosse Mühe hat, ein geordnetes Angriffsspiel aufzuziehen und gleichzeitig im Rückwärtsgang sehr verwundbar ist.

Interviews mit Olivier Jäckle und Marco Schällibaum nach der 0:3-Schlappe gegen Wohlen:

FC Aarau - FC Wohlen 0:3 (22.04.2017, Stimmen zum Spiel)

Symptomatisch dafür das erste Tor. In der 27. Minute bekommt Aarau einen Corner, der Ball fliegt in den Strafraum, wird geblockt und landet in den Füssen eines Wohlers. An und für sich eine ganz normale Szene. Doch die Wohler sehen, dass die Aarauer zu wenig Spieler zur Absicherung hinten belassen haben und reagieren blitzschnell. Nach einem Traumpass von Bicvic auf Schultz und dessen genialer Vorlage auf Pacar lupft dieser den Ball über Aarau-Goalie Pelloni ins Tor. Dass Wohlen in dieser Szene und nach einem Aarau-Corner in Überzahl agieren kann, ist unbegreiflich.

Aarau ohne Torchancen

Nach dem 0:1 bricht das Heimteam ein. Torchancen? Fehlanzeige. Die planlosen Angriffsversuche versanden, der FC Wohlen hat leichteres Spiel als gedacht. Und kann in der 38. Minute den nächsten Konter lancieren, an dessen Ende Aaraus Mehidic Wohlens von Niederhäusern im Strafraum von den Beinen holt – Penalty. Pacar läuft an und trifft zum 2:0.
Dass die Aarauer sich gefühlt wehrlos ihrem Schicksal ergeben, macht am meisten fassungslos.

Kein Stolz, kein Aufbäumen, kein Wachrüttler in Form eines harten Einsteigens gegen einen Wohler – nichts, nada, niente. Erst nach dem 0:3 durch Loosli, der eine Freistossflanke von Foschini einköpfelt, bieten sich dem FC Aarau Torchancen. In jener Phase also, in der das Spiel längst verloren und der Druck weg ist. Das sagt viel aus über den mentalen Zustand der Aarauer Mannschaft. Der starke Wohlen-Goalie Joël Kiassambua sorgt mit seinen Paraden dafür, dass es beim 3:0 bleibt.

Die Höchststrafe für die FCA-Profis erfolgt kurz vor Schlusspfiff, als die treusten Fans auf Höhe der Mittellinie das Stadion frühzeitig verlassen. Nicht mal Lust, die Spieler auszupfeifen, haben sie. Ein stiller Protest zwar, aber ein umso stärkeres Zeichen, mit dem die Hardcore-Supporter wohl sagen wollen: Eigentlich seid ihr, liebe Aarau-Spieler, uns gerade ziemlich egal!
Auf der anderen Seite kennt die Freude keine Grenzen. «Doppelte Siegesprämie», ruft Wohlen-Goalie Kiassambua durch den Kabinentrakt. Nach dieser Leistung lässt sich sagen: Den Bonus haben sich die Wohler Spieler und Trainer Francesco Gabriele mehr als verdient.

Das Spiel zum Nachlesen im Liveticker von Patrick Haller:

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